Entdecke

barocke Jagdschlösser

MARKGRÄFLICHE JAGDFREUDEN

Eine Übersicht unserer Jagdschlösser und Forsthäuser, finden Sie weiter unten auf dieser Seite. Klicken Sie mit der Maus auf eins der Bilder und erfahren Sie mehr über das jeweilige Gebäude.

ZU DEN JAGDSCHLÖSSERN

JAGD & FORST

Die Adeligen und vor allem die Markgrafen hatten sich seit dem 15. und 16. Jh. mehr und mehr das Hoheitsrecht über die Forsten und Jagden angeeignet. Die Beschränkungen des allgemeinen Jagdrechts, auf „die Pürsch zu gehen“ nahmen zu. Im Gegenzug wurden die Bauern als Treiber und Hundehalter eingesetzt, die Städter bei der (seltener werdenden) Wolfsjagd. Die Jagd war kaum eine Einnahmequelle, diente natürlich auch zur Fleischversorgung des Hofes, war aber vor allem zum Jagdvergnügen und Zeitvertreib da und wurde bei Festen wie Hochzeiten und hohen Gastbesuchen aufwendig mit oft Hunderten und Tausenden Zuschauern zum öffentlichen „Spektakel“ (Schauspiel). Als die markgräfliche Residenz 1603 von der Plassenburg nach Bayreuth verlagert wurde, wurden auch „Thiergärten“ rund um die Stadt angelegt, der erste 1606 im Süden der Stadt.

Der fürstliche Hirschpark am Roten Main war aber schon hundert Jahre später als Wiesenland verpachtet und verbaut. Der alte Tiergarten hinter St. Johannis von 1666 wurde im 18. Jh. zur Eremitage umgestaltet. Das Jagdschloss Birken entsteht Mitte des Jh. Die Markgrafen Christian Ernst und vor allem sein jagdfreudiger Sohn Markgraf Georg Wilhelm erweitern und umzäunen, ja ummauern das Jagdrevier Thiergarten und errichten dort ein komfortables Lust- und Jagdschloss. Himmelkron war stets als markgräfliches Sommer- und Jagdschloss beliebt. Die Falkenhaube entsteht speziell für die Reiher- und Beizjagd in der Nähe von Benk. Im 18. Jh. kommt später (unter Markgraf Friedrich) der Ausbau der Jagdreviere in Sanspareil-Zwernitz, der Eremitage und Kaiser­hammer bei Thierstein im Fichtelgebirge dazu. Aus dem 18. Jh. ist im Arzloch bei Mistelbach noch ein „Jagdtisch der Markgrafen“ als Geheimtipp bei Wanderern bekannt, der zum Teil aus dem Sandsteinfelsen herausgehauen ist.

MARKGRAFEN ZU PFERDE

Im 17. Jh. gab es noch genügend Anlässe für Kriegs- und Feldzüge. Der 30jährige Krieg 1618-1648 hatte enorme Zerstörungen und Verwüstungen hinterlassen. Kriege gegen die Franzosen oder die Türken vor Wien, auch Scharmützel untereinander hielten in Bewegung. Das Friedensbedürfnis und die Friedenspolitik nahmen aber zu und bestimmten vor allem die 2. Hälfte des 17. und das 18. Jh. Infolgedessen hielt man sich durch die Jagd auch fit und in Übung, man konnte ja nie wissen…Und Frieden kostet zwar weniger Geld als der Krieg, aber auch hier gibt es Wettbewerb. Und die Jagdvergnügen waren ein solches Gebiet, auf dem man miteinander wetteiferte.

So wie wir heute vor dem Bildschirm die Kriegs- und Flüchtlingsereignisse und andere „Schauspiele“ bequem aus dem Sessel heraus ansehen, so war auch die markgräfliche Jagdgesellschaft gelegentlich durchaus bequem und ließ ihre „Treibjagden“ im Kuppelsaal von Thiergarten stattfinden, der wie ein Oktogon gebaut war und durch den die Treiber das Wild hetzten, so dass die Jäger „trocken und behaglich auf den Emporen stehend – ohne Mühe eine gewaltige ‚Strecke‘ zusammen knallen konnten“ – so einst Erich Rappl in einer seiner beliebten lokalen Glossen. Von dort oben konnten die Jagdgäste aber auch die im Parterre aufgereihte Jagdbeute besichtigen, den Erfolg der „Eingestellten oder Deutschen Jagd“, bei der das Wild zwischen aufgehängten Tüchern oder Tuchlappen vor die Flinten der Honorationen getrieben wurde. Überliefert ist, dass damals auch große Parforcejagden abgehalten und sogar Bären und Wölfe lebend gefangen wurden

JAGDVERGNÜGEN UNTER MARKGRAF FRIEDRICH (1711/1735-1763)

Markgraf Friedrich hatte von seinen Vor-Vorgängern eine große Auswahl an Jagdrevieren übernommen, war zudem oft genug Gast bei anderen adeligen Jagdherren oder einfach bei seinen Forstmeistern. Himmelkron und Falkenhaube, Eremitage und Zwernitz-Sanspareil – sie blieben ihm, wurden etwas ausgebaut und hatten ihre jagdlichen Feste und Höhepunkte. Vom Rennweg (heutige Ludwigstraße), der Reithalle (heute Stadthalle) und den Stallungen am Geißmarkt konnte er über die vom Hofbauamt ab 1745 als Prachtstraße ausgebaute Friedrichstraße in der Wegverlängerung über die Moritzhöfe und an Birken vorbei weiter zum Hirschpark und Jagdrevier um Thiergarten reiten. 1753 wird auch das sogenannte Neue Tor an der Ecke Sophien-/Kanzleistraße an das Ende der Friedrichstraße versetzt und betont diese Strecke.

In den Jahren darauf verlagert sich sein Jagdinteresse ins wildreiche Siebenämterland im Fichtelgebirge, wo er 1756 und 1757 unter der Leitung des jungen Architekten Carl Gontard ein großes, dreiflügeliges Schlossgebäude in Kaiserhammer errichten lässt, das damals fast so viel gekostet hat wie die Eremitage. Die Ausschmückung der Innenräume wurde im Winter 1759/60 durch den Hofstuckateur Rudolf Albini fertig gestellt. Jedoch war dem Jagdschloss nur eine kurze Blütezeit beschert, denn der Markgraf starb 1763 und seine Nachfolger mussten Staatsschulden abbauen und hatten an der Jagd wenig Interesse. Die Bauern, deren Felder durch die Jagd Schaden litten und die als Treiber und Hundehalter verpflichtet wurden, atmeten auf. Auch die anderen Jagdschlösser und Jagdreviere verfielen und hatten wechselnde, meist nicht so finanzkräftige Besitzer mit anderen als Jagdinteressen. Nach dem 2. Weltkrieg begann die Bayerische Schlösserverwaltung – in Etappen – mit der fachkundigen, liebevollen, aber auch kostspieligen Restaurierung der Schlösser und Parks in Eremitage und Sanspareil und richtete 2011 auf Burg Zwernitz sogar ein attraktives Markgräfliches Jagdmuseum ein.

Wilhelmines Katzenjagd

Markgräfin Wilhelmine konnte – das gehörte zur fürstlichen Erziehung – selbstverständlich auch reiten und jagen. Den reizvollen Felsengarten Sanspareil entdeckte man ja während der Jagd und auch auf die weiten Herbstreisen mit Tross, Bettenwagen und Hofmusikern zum Jagdschloss nach Kaiserhammer begleitete sie ihren Gemahl mehrfach. Übertriebene Jagdleidenschaft war aber nicht ihre Sache, dazu hatte sie auch ein wenig ironischen Abstand. Schon 1735 schrieb sie ihrem geliebten Bruder Friedrich aus der Eremitage nach Berlin:

„ … Wir führen hier ein ziemlich gemächliches Leben, und da die jetzige Zeit im Zeichen des Mars steht, bin auch ich martialisch geworden. Da nun hierzulande kein anderer Krieg herrscht, habe ich ihn dem Wilde erklärt. Was sagst Du dazu, liebster Bruder? Ich bin so hartherzig gewesen, drei Hirschkühe, zwei Füchse und einen Kater zu erlegen, der angeblich ein Zauberer war und den ich deshalb ausrotten wollte. Er blickte mich so traurig an, als er den tödlichen Schuß erhielt und miaute anmutig und melodisch, daß mich meine Grausamkeit reute; denn ich hätte ihn zum Kapellmeister der schönen Musik machen können, die Du hier gehört hast. Doch es ist unbescheiden, sich seiner Heldentaten zu rühmen.“

Text & Fotos: Karla Fohrbeck
Stiche: Bayerische Schlösserverwaltung, Jagdmuseum Burg Zwernitz
Parforce-Hornbläser Kulmbach…

… spielen auf historischen Jagdhörnern französische und deutsche Jagdmusik aus der Markgrafenzeit.

Markgräfliche und adelige Jagdtrophäen
Sammlung Peter Rothenbücher, Schloss Birken
Jagdausrüstung Markgraf Friedrich
Jagdgewehr, Hirschfänger und Jagdhorn aus der Sammlung Peter Rothenbücher, Schloss Birken
Wilfried Engelbrecht. Das Neueste aus Bayreuth. 1993 (= Presseberichte aus der Markgrafenzeit)
Jagdvergnügen Mitte des 18. Jh.
S/W Stich: Das Brunft- und Hatzjagen am 8. Okt. 1748 (Hochzeit von Markgrafentochter Sophie Friederike mit Herzog Carl Eugen von Württemberg ). Kupferstich: Eingestellte Jagd bei Reichelsdorf, Christian Daniel Henning 1774. Jagdgemälde: „Treibjagd mit Hunden“ (Mitte des 18. Jh.)

Markgräfliche Jagdschlösser & Forsthäuser

Verpassen Sie keine Neuigkeiten auf unserer Seite und melden Sie sich für unseren  Newsletter an.

ZUM NEWSLETTER