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Barock-Brunnen in der Region

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Brunnen der Markgrafenzeit
in Kulmbach – Stadt

Der Zinsfelderbrunnen am Holzmarkt

Der stattlichste der Markgrafenbrunnen in Kulmbach ist unzweifelhaft der Zinsfelderbrunnen. Er wird seit 1985 auch regelmäßig für die Osterzeit festlich geschmückt. Um den Brunnen rankt sich folgende Sage:
„Während der Stürme des Großen Krieges machten einmal die zum Schutze der Stadt bestellten Landsknechte einen überraschenden Ausfall, um den vor den Mauern liegenden und in der Umgegend herumstreifenden Feinden zu schaden und ihnen die Lust an Überfällen und Plünderungen zu vertreiben. Aber die hatten von allen Seiten Zuzug erhalten und waren in gewaltiger Überzahl, so dass das Fähnlein der Kulmbacher arg in die Zange genommen wurde und sich verlustreich kämpfend hinter die Tore zurückzuziehen suchte. Schon war die Stadtfahne gesunken, der Fahnenschaft zerschlagen und das Feldzeichen in Gefahr, den Feinden in die Hände zu fallen. Der tapfere Zinsfelder aber, dem die Fahne anvertraut war, schlang sich das Fahnentuch fest um den Arm und verteidigte es im Kampfgetümmel heldenmütig bis zum Tode. So rettete der treue Landsknecht mit dem Einsatz seines Lebens die Ehre der Stadt“. Ihm zu Ehren wurde im Jahr 1660 der Brunnen vor dem Rathaus auf dem Marktplatz aufgestellt.

Geschaffen hat dieses Kunstwerk der am 25. April 1616 in Rudolstadt geborene Bildhauer Hans Georg Schlehendorn (der spätere originelle Herkulesbrunnen von 1737 in Kasendorf scheint ihn zum Vorbild genommen zu haben). Im Zuge des Wasserleitungsbaues wurde der Brunnen 1869 abgebaut und die Brunnenfigur schließlich an den Kulmbacher Bierbrauer Christian Pertsch verkauft. Im Garten seines Anwesens Kalte Marter 5 stellte er den tapferen Zinsfelder auf. Sein Schwiegersohn Dr. Hans Günther gab ihn anlässlich des Stadtjubiläums 1935 an die Stadt zurück und mit großem Pomp wurde der neue Zinsfelderbrunnen am Samstag, den 29. Juni 1936 auf dem Holzmarkt eingeweiht. Der Name Zinsfelder leitet sich von dem einstigen Marktmeister ab, der auch für die Erhebung des Zinses und des Zolles zuständig war.

Die vier Jahreszeiten auf dem Zinsfelder Brunnen am Holzmarkt

Es lohnt sich, die Brunnensäule einmal näher anzusehen. Selbst so mancher Kulmbacher hat noch nicht bemerkt, dass sie verziert ist mit Allegorien der vier Jahreszeiten. Jeder Jahreszeit ist ein Gesicht zugeordnet. So wie das Jahr vergeht, altern auch die Gesichter. Dem Frühling hat Schlehendorn die römische Göttin Flora mit einem beinahe kindlichen Antlitz gewidmet. Ihr gegenüberliegend finden wir den Sommer mit üppigem Blütenreichtum und der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit, Demeter. Den Herbst mit den stattlichen Weinranken vertritt der römische Gott des Weines, Bacchus. Gegenüberliegend finden wir den Winter, das Ende des Jahres, womit aber auch das Ende unseres Lebens naht.

Das greise Gesicht mit der Perücke auf dem Kopf soll offensichtlich einen Gelehrten darstellen Die Brille bedeutet Weisheit. Wir haben uns viel Wissen angelesen. Die aufgeschlagene Bibel, auf der uns aber schon der Totenschädel das nahende Ende aufzeigt, unterstützt dies. Noch gelingt es der Kerze, die Mächte der Finsternis zu vertreiben, aber über dem Haupt lodert schon das Feuer, das alle menschliche Gelehrsamkeit in ein Nichts verwandeln wird. 2002 und 2015 wurde der sehr symbolträchtige Brunnen fachgerecht saniert und die in der Barockzeit übliche, kräftige Farbgebung wieder hergestellt.

Der Marktbrunnen in der Oberen Stadt

Diese weitere bildhauerische Meisterleistung wird dem, über mehrere Jahre in Werkstattgemeinschaft mit Hans Georg Schlehendorn arbeitenden, Johann Brenck zugeschrieben. Kulmbach ist leider mit seinen Brunnen in der Vergangenheit nicht gerade zimperlich umgegangen. So verschwand im Zuge des Wasserleitungsbaues auch der Marktbrunnen in der Oberen Stadt und der Brenck´sche Löwe wurde nach München verkauft. Im Jahr 1932 bereute man dies offensichtlich und ließ eine originalgetreue Kopie fertigen.

Dieser Brunnenlöwe ist allerdings besonders originell. Der ehemalige Kulturreferent der Stadt Kulmbach, Hans Stößlein, hat ihn einmal wie folgt beschrieben: „Der Brenck‘sche Löwe ist ein possenhaftes Kind der manieristischen Epoche am Eingang zum Barock. Den Kopf hat er snobistisch zurückgeworfen, damit die gepflegte Mähne gut zur Geltung gelangt. Um das Schild ist Knorpel- und Ohrmuschelzierat angeordnet. Auf dem Kopf trägt er als Zeichen der Würde einen Fürstenhut. Wappenhaltende Imponierlöwen waren seit damals, vor allem bei den Wittelsbachern, sehr beliebt. Der Kulmbacher ist freilich eher putzig und eigentlich ein ganz lustiger Kerl“.
Mitte der 1970er Jahre wurde der Obere Marktbrunnen vor der ehemaligen Gastwirtschaft Ries, in der sich heute ein griechisches Restaurant befindet, wieder aufgestellt.

Die Brunnen auf der Plassenburg

Der Fürstenbrunnen im Kasernenhof

Ein mit einem goldenen Kreuz verzierter „Fürstenhut“, der Krone des Markgrafen nachgebildet, auf einer kannelierten Steinpyramide mitten in dem sechseckigen Brunnenbecken, hat diesem Burgbrunnen seinen Namen gegeben. Er wird gespeist von einer Wasserleitung, die vom Buchwald her in den Kasernenhof führt. Aufgestellt wurde der Brunnen zwischen 1787 und 1789. Im Jahr 1980 wurde er umfassend saniert und ist heute neben dem gegenüberliegenden Christiansportal ein Blickfang im Kasernenhof der stolzen Festung Plassenburg.

Der tiefe Brunnen im Schönen Hof

In der nordöstlichen Ecke des Schönen Hofes befindet sich der tiefe Brunnen. Er bestand bereits zu Zeiten der alten Plassenburg. Bei er Zerstörung der Plassenburg im „Bundeständischen Krieg“ 1554 wurde auch dieser Brunnen vergiftet. Die Feinde des Markgrafen Albrecht Alcibiades, Truppen aus den Fürstbistümern Bamberg und Würzburg sowie der freien Reichsstadt Nürnberg hatten ganze Arbeit geleistet. Niemals wieder sollte eine Burg auf diesem Berg entstehen. Sie haben allerdings nicht mit Markgraf Georg Friedrich dem Älteren gerechnet. Er baute ab etwa 1559 die Plassenburg wieder auf und weil das wichtigste auf einer Burg eine Wasserversorgung ist, die der Feind nicht von außen abgraben kann, ließ er den Brunnen wieder trinkbar machen.
Er veranlasste, dass der Unrat aus dem Brunnenschacht ausgeräumt und das Wasser so lange abschöpft werden sollte, bis wieder Trinkwasser nachquoll. Bei einer Brunnentiefe von etwa 138 Metern war dies sicherlich eine Heidenarbeit. Ein zusätzliches Problem war zu lösen, da keiner genau wusste, wann denn das sich im Brunnen sammelnde Wasser wieder trinkbar war. So wurde kurzerhand verfügt, dass alle „liderlichen Frauenzimmer auf die Burg zu bringen seien und sie von dem Wasser reichlich zu kosten hätten“. Ob eine „Dirne“ an der Wasserprobe tatsächlich zu Schaden kam, ist nicht überliefert. Leider ist der Brunnen im 19. und 20. Jahrhundert immer wieder verfüllt worden. Aber mit 83 Metern Tiefe ist er auch heute noch recht beachtlich. Die Besucher sind immer wieder überrascht, wenn ein Burgführer einmal einen Eimer Wasser in den Schacht schüttet, wie lange es dauert, bis das Wasser auf dem Boden aufschlägt.

Text & Fotos: Herrmann Müller