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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Bayreuth – Friedrichstraße          13-15

Wandert man vom Ellrodt-Palais auf der Straßenseite mit den ungeraden Nummern in Richtung Jean-Paul-Platz, so passiert man erst die Friedrichstraße Nr. 13, bevor man das Eckgebäude Nr. 15 erreicht. In Nr. 13 wohnte einst Kapellmeister Johann Pfeiffer, der von Markgräfin Wilhelmine in hohen Ehren gehalten wurde und bei dem sie auch Unterricht in Komposition nahm. Es nutzten also keineswegs nur hohe Hofbeamte die fürstlichen „Baugnaden“ in der Friedrichstraße.

Ehemalige Postei

Die ehemalige Postei, Hausnummer 15, wurde als beeindruckender Sandsteinquaderbau mit Pilastern und großer Toreinfahrt 1738 – vermutlich nach Plänen von Hofbaudirektor Johann Friedrich Grael (1707-1740) – von Maurermeister Christoph Mader für den Postmeister Johann Anton Meyer erbaut. Nach Plänen von Grael wurde auch das gegenüberliegende Haus Nr. 12 erbaut, (wo Sie weitere Hinweise zur Biografie dieses für die Region bedeutenden Architekten finden), und Christoph Mader erbaute sich 1760, als er längst zum Hofbaumeister avanciert war, sein eigenes Wohnhaus am Ende der Friedrichstraße (Nr. 20, siehe dort).

Markgräfliche Universität

1742 verkaufte der Postmeister das imposante Gebäude an Markgraf Friedrich und verlegte das Postamt im Gegenzug in die Maxstraße 17, die bis dahin als Markgraf Friedrichs Gesandtenhaus gedient hatte (später Goldener Adler und nach dem 2. Weltkrieg Reichshof-Kino). Anlass war die neu gegründete “Friedrichs-Academie“, die der Markgraf – gemeinsam mit Markgräfin Wilhelmine – zum Frühlingsbeginn 21.März in der alten Lateinschule hinter der Stadtkirche (heute Historisches Museum) mit großem Festakt eingeweiht hatte, um das Gymnasium und seine Professoren aufzuwerten und begabte Studenten im Lande zu halten. Altdorf und Leipzig waren die nächstgelegenen Universitäten.

Das Markgrafenpaar stiftete Stipendien und erhob die Academie in den neuen Räumen sogleich zur Universität. Daniel von Superville, den Friedrich II. seiner Lieblingsschwester als Leibmedicus aus Potsdam gesendet hatte, wurde als „wirklicher Geheimrath“ ihr Direktor. „2 Professoren der Theologie, 2 der Jurisprudenz, einen Professor der Medicin, einen der Orientalischen Sprachen, einen für die Beredsamkeit und Dichtkunst, einen für die Philosophie und Mathematik, einen für die Geschichte, einen für die griechische Sprache und Alterthümer; ausserdem einen Stallmeister, einen Tanzmeister und einen Fechtmeister“, nennt J.W. Holle 1833 in seiner „Geschichte der Stadt Bayreuth“ als neues Kollegium.

31 Studenten waren immatrikuliert und drei Jahre sollten die Landeskinder hier studieren, aber sie legten sich mit dem Bayreuther Militär und den Bürgern an, es gab Unruhe in der Stadt und so wurde diese 1. Bayreuther Universität schon ein Jahr später, am 4. Juli 1743, nach Erlangen verlegt, wo die Gebäude der einstigen Ritteracademien bereitstanden. Dort bekam die Universität auch größere Privilegien, wurde am 4. November schon eingeweiht und existiert bis heute. Eine eigene Universität hat Bayreuth erst wieder seit 1974. Und das Gebäude Friedrichstraße 15 wechselte damals den Besitzer und kam an den Geheimrath von Rothkirch.

Mozarts Bäsle

Eine Gedenktafel an der Toreinfahrt Friedrichstraße 15 erinnert noch an eine andere einstige Berühmtheit, an Maria Anne Thekla Mozart, die Cousine des Komponisten, besser bekannt als „das Bäsle“. Mit ihr wechselte Mozart recht launige, übermütig-witzige und früher als „anstößig“ empfundene Briefe. Wie kam sie nun nach Bayreuth? Ihr Schwiegersohn Franz Joseph Streitel, „königlich-bayerischer Postexpeditor“, wurde hierher versetzt, und daher lebte sie hier noch 27 Jahre bis zu ihrem Tod am 25. Januar 1841 in dessen Dienstwohnung. Den Dichter Jean Paul, der auf der gleichen Straßenseite in Nr. 3-5 wohnte, muss sie noch gekannt haben, und ihr Grab findet man – wie das seine – auf dem Stadtfriedhof.

und wieder Poststall…

All diese interessanten Nutzungen des Gebäudes Friedrichstraße 15, in dem sich heute u.a. Wohnungen und ein chinesisches Restaurant befinden, sind aber längst in Vergessenheit geraten. Für die Bayreuther ist es einfach „der Poststall“ geblieben, „weil es später im Besitz des Reichspostmeisters Schmidt Station der Reichspost mit eingerichteten Stallungen wurde.“ (Karl Hartmann: Geschichte der Stadt Bayreuth) Es ist, neben dem Jean-Paul-Haus Friedrichstraße 3-5 und dem Steingraeber-Palais, eins der wenigen Häuser der stolzen Straße, das ein Jahrhundert lang (und bis nach dem 2. Weltkrieg) im Familienbesitz geblieben ist. Bis 1918 diente es (mit Unterbrechungen) Postzwecken. Die Gebäude um den Jean-Paul-Platz wurden im 2. Weltkrieg alle sehr zerstört, die ehemaligen Stallungen wurden zu Autogaragen, aber an den „königlichen Poststall“ erinnert auch nach dem Wiederaufbau im Hof immer noch ein Wandgemälde mit den königlich-bayerischen Kutschpferden.

Text & Fotos: Karla Fohrbeck
(auf die vielen Quellen wird in der Einleitung verwiesen)

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