Project Description

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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Bayreuth – Friedrichstraße 16

Ab Ende der 1740er Jahre wird die Friedrichstraße, in der bislang nur wenige Häuser standen, aufgewertet. Die beiden Eckgebäude zum Paradeplatz an der Rennbahn, das Haus Nr. 19 des Oberstallmeisters und das Haus Nr. 16 entstehen.

Adelspalais

Der Landschaftsrat Johann Gottlob von Meyern (1720 – 1789) hatte sich 1749 bereits einen „Abstich von dem in das dabei gestandene herrschaftliche Mulzhaus geleiteten Brunnen“ gesichert (s. Hausnr. 18). 1750 ließ er sich vom Bayreuther Baumeister Johann Michael Prell – vermutlich nach Plänen von Joseph Saint-Pierre den zweigeschossigen Sandsteinquaderbau mit 3 : 13 Fensterachsen, Mansarddach und Gauben errichten. Die Fenster sind im Erdgeschoss rechteckig, im Obergeschoss spitzbogig gerahmt. Auffallend die kolossalen ionisierenden Pilaster an den Ecken und als Flankierung der Portalachse. Auf der Rückseite sind es toskanische Pilaster, die der Gartenseite italienisches Flair verleihen.

Rechts und links schließen sich beiderseits korbbogige Hoftore an, von Urnen und Trophäenskulpturen auf vierseitigen Pfeilern gekrönt. Sie dienten als Verbindung zu den beiden einstöckigen Nebengebäuden, die als Dienerhäuser zum Palais gehörten, ebenfalls mit Mansarddach, aber zur Straßenseite nur dreiachsig. Das rechte Nebengebäude wurde abgebrochen, als Ende des 19. Jahrhunderts der Durchbruch zur heutigen Wilhelminenstraße geschaffen und als Pendant und Übergang zum Gymnasium ein weiterer analoger Torbogen etabliert wurde.

Hinter dem Gebäude befand sich eine kunstvolle, geometrisch angelegte barocke Gartenanlage mit Parterre, Laubengängen, Grotte und seltenen Gewächsen, gleichsam ein früher Botanischer Garten, durch den der Sendelbach floss (heute begrünte Parkplatzflächen).

Markgräfliche Übergangswohnung und Kunstakademie

Nach dem Brand des Alten Schlosses am 26. Januar 1753 kaufte Markgraf Friedrich das Haus zur Unterbringung einer Übergangswohnung für das jetzt „heimatlose“ Markgrafenpaar. Markgräfin Wilhelmine war in dem Winter kränklich und die Eremitage daher als Unterkunft nicht geeignet. Mitsamt kleinem Hofstaat blieb man hier bis zur Fertigstellung des Neuen Schlosses 1756.
Angeregt durch ihre Italienreise 1753/1754 eröffneten Friedrich und Wilhelmine 1756 in diesem Gebäude die Markgräfliche Kunstakademie –. Diese „Academie der freien Künste und Wissenschaften“ hatte schon im ersten Jahr 150 Akademieschüler, die hier unentgeltlichen Unterricht bekamen und die der Markgraf, der sich regelmäßig informierte, auch mit Stipendien unterstützte.

Auf dem Lehrplan standen die Fächer Architektur, Mathematik, Perspektive, Fortifikation, Anatomie, Zeichnen, Malerei, Bildhauerei und Französisch. Es gab auch Dozenten für Druckgrafik und Tapetendruck. Der erste Leiter war Louis Alexandre de Riquetti Graf von Mirabeau, der 1761 verstorben ist, Rektor war Bauinspector Rudolf Heinrich Richter, Baumeister und Maler in einer Person, der 1961 von seinem Kollegen, Ingenieurhauptmann Carl Philipp von Gontard abgelöst wurde. Lehrer waren u.a. auch der Hofbildhauer Johann Schneeg (oder Schnegg), der Bildhauer und Formgießer Schleunig, der Hofmaler Wilhelm Ernst Wunder. Alljährlich zu Markgraf Friedrichs Geburtstag am 10. Mai fand ein Wettbewerb der jungen Künstler statt.

Spätere Nutzung

1763, nach Markgraf Friedrichs Tod, löste Markgraf Friedrich Christian (1763-1769) die Akademie auf und überließ das Haus dem Oberstallinspektor Grafen von Löwenhaupt zur Bewohnung. Die meisten Künstler, Akademielehrer und -schüler haben damals Bayreuth verlassen und zogen nach Potsdam zu Markgräfin Wilhelmines Bruder, Friedrich II, der sie mit offenen Armen aufnahm.

1769 richtete Markgraf Alexander (1769-1791), der seine Residenz in Ansbach hatte, hier die Geheime Landesregierung ein. Es blieb später lange auch als „Gouverneurshaus“ in Erinnerung. 1857 – 1945 wurde das Haus als Friedrichskaserne und Offizierscasino genutzt. Seit 1950 ist das Verwaltungsgericht in dem Gebäude untergebracht.

Text & Fotos: Karla Fohrbeck

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