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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Bayreuth – Friedrichstraße 18

Künßberg-Palais

„Eine verwickelte Baugeschichte“, kommentiert Sylvia Habermann diesen Bauplatz in ihrem Büchlein „Alte Bayreuther Fassaden“. Während der Regierungszeit des Markgrafen Georg Friedrich Karl (1726-1735) entstand hier das herrschaftliche Mulzhaus und blieb auch fürstlicher Besitz. Es verbreitete jedoch einen Malzgeruch, der die Bewohner der inzwischen feinen Wohngegend belästigte. Markgraf Friedrich (1735-1763) erlaubte daher den Abbruch und überließ es 1752 seinem Kammerherrn und Oberhofmeister Friedrich Carl Ludwig Ernst von Künßberg zum Kauf. Die von Künßberg waren ein Adelsgeschlecht, dem wir in der Region öfter begegnen, u.a. in Himmelkron, Thurnau, Weidenberg. Dieser Hofbeamte von Künßberg jedenfalls wollte ein zeitgemäßes Stadtpalais. Am 17, Dezember 1760 erhielt er vom Markgrafen die Genehmigung zum Bau eines palastartigen Wohnhauses. Wieviel von der Bausubstanz des alten „Mulzhaus-Kastenbau“ schon vorher und jetzt zum Umbau genutzt wurde, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Jedenfalls ließ er 1760 das Gebäude durch Hofarchitekt Carl Philipp von Gontard – dem wir in der Friedrichstraße jetzt schon oft begegnet sind – entsprechend neu gestalten. Dies gelang dem jungen Genie vor allem durch Aufstocken um ein weiteres Obergeschoss und Vorblenden der ansehnlichen Stuckfassade.

Kolossale Pilaster mit ionischen Kapitellen gliedern und verbinden die 9 Achsen des dreigeschossigen Satteldachbaus in den beiden unteren Geschossen, einfache Doppelpilaster betonen diese Struktur am 2. Obergeschoss. In beiden Obergeschossen erheben sich die Fensterrahmungen über einfachen Blendfeldern, im Erdgeschoss profiliert durch Volutenschlusssteine, darüber etwas aufwendiger durch Muschel- und Blumenwerk. Die beiden rundbogigen Portale zeigen mit Blumenranken und Archivvolte eine ähnliche Profilierung. Die Erdgeschossräume weisen innen eine einfache weiße Stuckfelderung an den Decken auf. Das Künßberg-Haus bildete im 18. Jh. zusammen mit der Kunstakademie (Haus Nr. 16) den Abschluss der repräsentativen Bebauung der Friedrichstraße.

Ab 1835 wurde das Gebäude lange Zeit als Schulgebäude und Höhere Handelsschule verwendet, später zeitweise auch als Stadtbücherei, es wurde 1978 entkernt und restauriert und wird seit 1978 vom Amtsgericht Bayreuth genutzt.

Text: Karla Fohrbeck
Fotos: Karla Fohrbeck, Eva Rundholz

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