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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Bayreuth – Friedrichstraße 19

Wohnhaus des Oberstallmeisters

An die fürstliche Reithalle (die heutige Stadthalle) grenzte das ebenfalls von Joseph Saint-Pierre um 1750 erbaute Wohnhaus des Oberstallmeisters an, das den Jean-Paul-Platz und die Friedrichstraße rechtwinklig abschließt. In der Regierungszeit von Markgraf Friedrich (1711/1735-163) hatte dieser wichtige Hofbeamte an die hundert Mitarbeiter unter sich, berichtet Sylvia Habermann im kleinen Rundgang „Auf den Spuren der Bayreuther Markgrafen“ (Historisches Museum 2007) und weiter: „Auf dem Gelände des heutigen Großparkplatzes Geißmarkt befanden sich die Stallungen, Wagenremisen und ein Magazin für die notwendigen Mengen an Heu und Stroh. Die Stallungen in repräsentativer Sandstein­architektur bildeten im Grundriss eine Kreuzform mit Eckpavillons. Sie wurden 1935 abgerissen.“

Von den ganzen Marstallgebäuden am Geißmarkt ist lediglich die prächtige Portalanlage von 1752 zwischen den Häusern Friedrichstraße 19 und 21 übriggeblieben, die für den 1748-1752 erbauten Neuen Stall die Zufahrt bildete. Die barocken Trophäen von Johann Jeremias Martini könnten später von den 1851 aufgelassenen Toren übernommen worden sein, vermutet Franz Simon Meyer.

Dem einheitlichen Baustil der Friedrichstraße und den Vorgaben des Hofbauamtes entsprechend ist auch dieses langgestreckte Eckgebäude ein zweigeschossiger Sandsteinquaderbau mit Mansarddach und Gauben. Das Portal mit dem Dreiecksgiebel, die stilisierten Fensterschürzen im Obergeschoss und die kolossalen Eckpilaster mit ionischen Kapitellen geben dem Gebäude die individuelle Note. Hier wohnte in der Zeit von Markgraf Friedrich Christian (1763-1769) zeitweise sein „einflussreicher Berater“, der berüchtigte und betrügerische Dr. Schröder.

Das Haus ist 1945 bis auf die Außenmauern abgebrannt. Es wurde wieder aufgebaut und beherbergte lange Zeit die Handwerks­kammer, jetzt eine Versicherungsgesellschaft und im Seitentrakt seit kurzem auch das umfangreiche Archiv der Bernd-Mayer-Stiftung zur Bayreuther Lokalgeschichte (u.a. mit etwa 50 Tausend historischen Postkarten), das der Bearbeitung harrt.

Text: Karla Fohrbeck unter Bezugnahme auf die Recherchen und Texte insbesondere von August Gebessler, Sylvia Habermann, Karl Hartmann und Franz Simon Meyer.
Fotos: Karla Fohrbeck, Eva Rundholz

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