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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Bayreuth – Eckhaus Friedrichstraße 4 / Dammallee 2

Einst Gasthof – heute Oberfrankenstiftung

Das imposante Gebäude Ecke Friedrichstraße/Dammallee wird beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (unter der Nr. D-4-62-000-7) lakonisch charakterisiert als „zweigeschossiger Sandstein­quaderbau mit Mansarddach, Eckrustizierung, 1786, 1864 um eine Achse erweitert“ –  hier war lange Jahre die Gaststätte Klosterbräu untergebracht. August Gebessler vermutete aber in seinem Standardwerk zu Kunstdenkmälern in Stadt und Landkreis Bayreuth, das Haus sei älter, um 1754/55 gebaut, und habe ursprünglich als Übernachtungs-Gasthaus für Fremde gedient.

Etwas kompliziert bleibt die Detektivarbeit dennoch, denn es handelt sich an dieser Engstelle gleich um drei einstige Hausnummern 117 bis 119, die z.T. 1786 abgerissen wurden, denn Reit- oder Reutschmied Heinrich Jahnson errichtete – als Flügel zu Haus Dammallee 2, mit nur einer gemeinsamen Wand – einen Neubau mit zwei zu drei Achsen im Baustil des Straßenbildes. Die 4. Achse kam, wie schon erwähnt, erst 1864 dazu. Die Baupläne dazu (Umbau als Wohngebäude und Einrichtung einer Bäckerei im Souterrain) existieren noch.

Verwickelte Vorgeschichte

Viel mehr Information war scheinbar nicht aufzutreiben. Dankenswerterweise hat uns das Stadtarchiv Bayreuth ausführlichere Quellenangaben zusammengestellt, und zwar aus dem „Baualtersplan“ und aus einer dort vorhandenen Abschrift eines sonst nicht zugänglichen Manuskripts von Johann Sebastian König „Beschreibung der Straßen und Häuser der Stadt (Bayreuth)“ aus der Zeit um 1800, die Seiten 185 und 186 – als handschriftliches Manuskript in 2 Bänden im Besitz des Historischen Vereins für Oberfranken, aufbewahrt in der Universitätsbibliothek Bayreuth unter der Signatur Ms. 128.

Danach gab es eine Vorgeschichte von „anno 1738“:
… An dieses Haus schließt ein Hoftor und daneben noch eines zu einem Platz auf welchem bisher bloß eine Holzremise an der Straße gestanden, welche das Eheweib des Weinschenken F r a n c k zu Ende des 18. Jahrhunderts als ein massives, kleines, aber dreigädiges, viereckiges Wohngebäude aufgeführt und ein Eckhaus bildet, indem hier ein etwas abhängiger Weg nach der Dammallee hinführt, den man den Graben benennt, weil solcher wirklich vorher ein Stück des obern Grabens gewesen.  Ein niedriges, längliches Haus, so der Läufer Heber erbaute, und über die Türe: „Meine Hülfe komt vom Herrn“, setzen ließ, weil er nicht nur den Platz, sondern auch verschiedene Baumaterialien geschenkt erhalten hatte. Von dessen Relikten erkaufte es obiger Liebhardt (Nr.1), überließ es aber 1762 dem Fürsten mit an Zahlungsstatt für das erhaltene Rittergut Laineck um 2400 fl, dergestalt, daß ihm der Genuß des Hauses solange verbleiben sollte, bis es auf herrschaftlichen Befehl abgebrochen würde; da nun dieses durch den Tod des Fürsten unterblieb, so verkaufte es jener 1767 an den benachbarten Reitschmied Janson.“ (Mit dem „obigen Liebhardt“ war der Besitzer des angrenzenden Liebhardt-, heute Steingraeber-Palais gemeint).

Restaurierung und Modernisierung

Nachdem das Gebäude lange Zeit leer gestanden hatte, wurde es 2004/2005 vom Landesamt für Denkmalpflege und Architekt Bruno Hauck aufwendig restauriert und modernisiert. Bis auf 6m musste der Keller, der teilweise unter Wasser stand, ausgeschachtet werden. Die Tür machte besonderes Kopfzerbrechen, an dem sich sogar der damalige Regierungspräsident Hans Angerer beteiligte. Die einstige Freitreppe musste weichen, der Eingang behindertengerecht tiefer gelegt werden, was dann durch ein Oberfenster kompensiert werden konnte. Die Arbeitsplätze in den winzigen Mansardenzimmern blieben allerdings beengt. Der Eckbau ist heute  repräsentativer Sitz der Oberfrankenstiftung und eine Bereicherung für das Stadtbild in der Friedrichstraße. Eine Toreinfahrt zwischen vierseitigen Pfeilern verbindet mit dem Steingraeber-Palais.

Die elegante Metallsäule vor dem Eingang zur Oberfrankenstiftung ist ein Werk des Bildhauers und Objektkünstlers Artur Dieter Trantenroth (Jg. 1940). Von ihm befinden sich Zeichnungen, Skulpturen und Stahlplastiken in vielen Sammlungen, Museen und als konkrete Kunst „im öffentlichen Raum“, die Liste der Ehrungen und Preise ist lang. Diese „Kreuzungsvariante“ aus Edelstahl wurde 2007 montiert. Das Kunstmuseum im Alten Rathaus hat auch Zeichnungen vom Künstler, der in Weißenstadt lebt.

Text & Fotos: Karla Fohrbeck

Und wer wissen will, warum den Notaren und Juristen das täglich Brot nie ausgehen wird, muss sich nur Erbfolge und Besitzerwechsel in den wenigen Jahren zwischen 1785 und 1801 in Dammallee 2 – mit Auswirkungen auf Friedrichstraße 4 – genauer zu Gemüte führen. Offensichtlich kaufte 1785 Herr Heinrich Jahnson alle kleinen Gebäude von ihren Besitzern auf und baute 1786 das Eckhaus neu auf. In der Chronik wirkt das etwas verwirrend, Stadthistoriker müssen Detektivarbeit leisten.

  • „Anno 1786 hat Herr Heinrich Jahnson den gegenwärtig zusehenden Flügel oder die Front gegen die Friedrichstraße, den andern Häusern gleich, von Grund aus massiv auferbaut. Landschaftlicher Steuerfuß 15 5/8 fl, Stadtlichtmeßsteuer 1 fl 30 Kreuzer fr.
  • Läufer Heber, nunc [jetzt]
  • Reutschmied Heinrich Jahnson , nunc
  • dessen Wittib Barbara Jahnson in, geborene Weigertin, nunc
  • der Bereuter und Roßarzt Herr Heinrich Jahnson , 12.Dezember 1785, nunc
  • der Bürger und Schneidermeister Johann Gottlieb Hoffmann, 21. November 1798, nunc
  • Herr Regierungs- und Pupillenkollegien-Präsident Carl Friederich Wilhelm Freiherr von Völderndorff und Waradein, 30. April 1801, nunc
  • der Schutzjud Isaak Aufseeser, nach vorgegangener öffentlicher Subhastation vermöge des 1801 publizierten Adjudikationsbescheids de 29. Oktober 1801.“

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