Project Description

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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Bayreuth – Friedrichstraße Reithalle (=Stadthalle)

Bei einem Spaziergang durch die Friedrichstraße umrundet man automatisch den Jean-Paul-Platz, zu Markgraf Friedrichs Zeiten der Paradeplatz, der die sogenannte Rennbahn vor dem Neuen Schloss (heute Ludwigstraße) prominent abschloss. Eine solche Pferde-Rennbahn existierte dort schon seit 1626, als Markgraf Christian (1581/1603-1655) seine Residenz noch im Alten Schloss hatte.

Die ehemalige Reithalle und heutige Stadthalle hat offiziell die Hausnummer Ludwigstraße 31, dominiert aber den Jean-Paul-Platz. Das Gebäude wurde 1747/48 von Hofarchitekt Joseph Saint-Pierre erbaut, dem wir schon bei Hausnummer 2 (Steingraeber-Haus) begegnet sind und der auch für das Opernhaus, das Neue Schloss und die Spitalkirche verantwortlich zeichnete.

Der einfache große Bau bestand höchstens 12 Jahre in seiner ursprünglichen Gestalt. 1761 (7 Jahre nach dem Tod von Saint-Pierre und zwei Jahre vor dem Tod von Markgraf Friedrich) wurde das Gebäude verlängert und aufgestockt, um ein kleines französisches Theater aufnehmen zu können. Der Bau passte sich somit den übrigen Häusern am Platz harmonisch an, mit Obergeschoss und Mansarddach. Die Fenster im Erdgeschoss waren von jeher blind, die im Obergeschoss hatten – wie beim gegenüberliegenden ehemaligen Katholischen Pfarrhaus – stichbogige Rahmen. Ein schmuckloses Rundbogentor mit flacher Rampe öffnete sich zum Paradeplatz.

Dafür weist das hohe Rundbogenportal an der Seitenfront einen architektonischen und plastischen (relativen) Reichtum auf, den man dort nicht vermuten würde. Dem Neuen Schloss, der Rennbahn und damit dem markgräflichen Hof lag es einfach näher und wurde daher in der Praxis wohl als Hauptportal genutzt.

Reithalle und Stallungen auf dem Geißmarkt – Aufriss aus: Merten, Kurt: Der Bayreuther Hofarchitekt Joseph Saint-Pierre (1708/9-1754) in Archiv für Geschichte von Oberfranken 1964

Ornamentik und Trophäenschmuck*

Das Rokoko-Portal zur Ludwigstraße hin hat der Bildhauer Johann Jeremias Martini (1710 – 1760) gestaltet. Die Darstellung in der Rocaille-Kartusche über dem Torbogen mit Jagdtrophäen verweist auf die Reiter bzw. Reitersoldaten, welche die Halle und die Rennbahn vor dem Neuen Schloss zum Reiten benutzten. Martini ist auch der Schöpfer des in der Nähe befindlichen Trophäenbrunnens, der ursprünglich die Mitte des Paradeplatzes schmückte. (siehe Thema Brunnen)

1785/6 – noch zur Zeit von Markgraf Alexander (1769-1791) – wurde dort ein zweites, kleineres Theater mit Bühne eingebaut, das mit zwei Öfen beheizt werden konnte. Dieses diente im 19. Jh. als Depot für die Pferde-Requisiten.

Die Reithalle im Dritten Reich*

Bis 1935 war die Reithalle überwiegend als Lager verwendet worden. Die Stadt Bayreuth erwarb 1933-35 die Gebäude. Da die Pläne für einen Umbau und eine anderweitige Nutzung der Kreuzstallungen (auf dem Geißmarkt) nicht realisiert werden konnten, wurden die Stallungen 1934 abgebrochen. 1935 / 36 wurde das Gebäude nach Plänen des Bayreuther Architekten Hans C. Reissinger in Zusammenarbeit mit Stadtbaurat Hans Schmitz zur Ludwig-Siebert-Festhalle (mit Vorbau) umgebaut, die für Versammlungen mit bis zu 3000 Personen Platz bieten konnte. (Ludwig Siebert, bayerischer Ministerpräsident und Ehrenbürger der Stadt Bayreuth). Auf der südlichen Längsseite der Halle ist durch Abbruch der alten Stallungen und durch neue Flügelbauten ein großer Aufmarschplatz geschaffen worden. Der neue, westliche Vorbau wurde mit drei Reliefsteinen geschmückt, die allegorische Figuren für Tragödie, Wehr und Musik darstellen. In der Wandelhalle wurden 1936 Bronzebüsten für Hans Schemm, Richard Wagner, Franz Liszt, H. St. Chamberlain, Jean Paul und 1938 für Cosima Wagner aufgestellt. Am 8. April 1945 wurde die Halle durch Bomben bis auf die Außenmauern zerstört.

Die ehemaligen Reitstallungen am Geißmarkt*

Noch in der Markgrafenzeit wurden zum Geißmarkt hin Remisen und Pferdeställe errichtet. Diese Stallungen und die Eckpavillons dazu wurden in Sandsteinarchitektur errichtet und boten Platz für Pferde, Wagenremisen und ausreichend Vorräte an Heu und Stroh. In den Plänen wurden sie später als Chevauxlegers-Stallungen oder wegen ihrer Grundrissform auch als Kreuzstallungen bezeichnet. Sie wurden ab 1792 unter preußischer Herrschaft von den Bayreuth-Ansbach-Dragonern bezogen und später von der Leichten Kavallerie der Chevauxlegers-Kaserne am Geißmarkt genutzt. 1920 – 1928 waren in den Stallungen auch die Bauhofpferde der Stadt untergebracht.

(Zum 1749 erbauten Eckhaus des markgräflichen Oberstallmeisters, der um die 100 Mitarbeiter beaufsichtigte, siehe Hausnr. 19 in der Friedrichstraße).

Die Stadthalle

1962 / 64 wird die einstige Reit- und spätere Festhalle nach Plänen des Architekten Hans C. Reissinger zur Stadthalle umgebaut. Die Wiedereinweihung erfolgte am 21. 1. 1965. Sie diente viele Jahrzehnte als kulturelles Zentrum für Bälle, Theater-, Konzert-, Fest- und Vortragsveranstaltungen, gelegentlich auch als Ersatz für ein fehlendes Kongresszentrum.

2017 begannen die Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen, die auch die Parksituation am Geißmarkt einschließen.

Text und Fotos: Karla Fohrbeck auf Basis der im Vorspann zitierten Quellen.

Die Textabschnitte* hat uns dankenswerterweise Franz Simon Meyer aus seinem Werk Bayreuth. Kunst vor 1800 zur Verfügung gestellt.
Reithalle und Jean-Paul-Platz im 19. Jahrhundert

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