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BRÜCKEN aus dem Barock

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Brücken im Landkreis Kulmbach

Die Steinerne Brücke über die Schorgast in Wirsberg

Eingebettet in eine sanft geschwungene Hügellandschaft am Eingang zum Fichtelgebirge liegt der Markt Wirsberg. Gegründet wurde das „Hochzeitsdorf“ wahrscheinlich am Anfang des 13. Jahrhunderts. Seinen Aufschwung verdankt der Ort sicherlich dem Umstand, dass Wirsberg an zwei früher sehr bedeutsamen Handelsstraßen lag. Von Kulmbach kommend führte die Egerer Straße an Wirsberg vorbei über Sessenreuth nach Marktschorgast und weiter bis hinüber nach Böhmen. Eine weitere wichtige Handelsstraße verband die freie Reichsstadt Nürnberg mit Plauen und Leipzig.

Im Vergleich zu den beiden genannten Handelsstraßen hatte die Straße, die über die Schorgast in die Ortsteile „Gries“ und „Grund“ führte, für den Fernhandel sicherlich eine untergeordnete Bedeutung. Sehr wichtig war die Brücke für den Transport von Kupfererz und Steinen aus den Bergwerken und den Steinbrüchen der Region. Natürlich haben auch so manche Wallfahrer aus den katholischen Gemeinden westlich der Schorgast gerne die Brücke genutz,t um dann weiter auf dem alten Wallfahrerweg zur Basilika nach Marienweiher zu gelangen.

Wie die Chronik von Wirsberg ausführt, ist „die Steinerne Brücke von 1711 über die Schorgast, auch Wernersbruck genannt, ein technisches Baudenkmal von hohem Seltenheitswert“. Es legt Zeugnis ab für die hohen Fertigkeiten der damaligen Brückenbauer.

Die Brückenbogen waren aus Feldsteinen geschichtet und mit Sandsteinquadern verblendet. Dazu wurde natürlich ein Unterbau, eine „Rüstung“ benötigt, die aus Holz gefertigt wurde. Recht interessant liest sich die Auflistung der Ausgaben in der Gemeindechronik vom 27.07.1710: „32 Kreuzer Vor Bier und Brod denen Bauern und Frönern welche die Beum Zu der Bruck hereingeschleift haben“.Nach getaner Arbeit wurde deshalb auch ausgiebig gegessen und getrunken.

Die Brücke ist so massiv gebaut, dass weder schwer beladene Pferdefuhrwerke noch die oft gewaltigen Wassermassen der Schorgast und des Kosserbaches (erinnert sei an das Jahrhunderthochwasser vom Februar 1909 mit meterhohen Wellen) noch schwere Eisgänge im Frühjahr und nicht einmal die Panzer der Alliierten am Ende des Zweiten Weltkrieges ihr etwas anhaben konnten. Dennoch wäre sie in den 1980er Jahren beinahe abgerissen worden, um eine neue, den Verkehrserfordernissen angepasste, Brücke zu bauen. Aber die Wirsberger Bürger wollten das nicht kampflos hinnehmen, Unterschriften wurden gesammelt um die Brücke aus der Markgrafenzeit zu erhalten und sie setzten sich durch. Mitte der 1990er Jahre wurde deshalb die Brücke vom Landkreis Kulmbach ertüchtigt. Ruhten einst die beiden Segmentbogen auf Fundamenten aus über einen halben Meter starken Baumstämmen, wurden diese ergänzt durch 17 rund 8 Meter lange Stahlbetonpfähle. Über die beiden Sandsteinbögen führt heute eine Fahrbahn aus Beton. Die Tonnagebeschränkung konnte so von 12 Tonnen auf 30 Tonnen erhöht werden. Das Bauwerk zeigt, dass mit etwas gutem Willen historische Bausubstanz nicht abgerissen werden muss, sondern den Erfordernissen der Zeit auch angepasst werden kann.

Die Sandsteinbrücke in Waizendorf über den Weißen Main

Verlässt man Kulmbach auf der Altstraße nach Neuenmarkt durch die Hölle, so führt der Weg nach Heinersreuth, am Pinsenhof und am Haaghof vorbei, hinab nach Waizendorf. Links des Weges liegt zwischen den beiden Gehöften ein sagenumwobenes Waldstück, der so genannte Häfnersgraben mit den Flurnamen „Spitzpickel“ oder „spitziger Bühl“, wie es Karl Dill in seinem Buch „Flurnamen im Landkreis Kulmbach erwähnt.

Eine Sage, die auf die Verbindung zu den Häfnern, den Töpfern, hinweist, möchte ich zitieren. So soll in alter Zeit ein Häfner aus Kulmbach mit einem Wagen voll Geschirr nach Hof gefahren sein und auf dem dortigen Jahrmarkt seine Ware sehr gut verkauft haben. Auf der Heimfahrt lauerten ihm zwischen Waizendorf und Kulmbach zwei unbekannte Räuber auf. Sie zogen den Häfner vom Wagen und schleiften ihn in den Wald, raubten ihn aus und erschlugen ihn. An der Stelle der Tat wurde ein Steinkreuz gesetzt, in das eine Spitzhacke, das vermeintliche Mordwerkzeug eingemeißelt ist. Wahrscheinlicher ist es allerdings, dass die Häfner in dem Waldstück nach Lehm gruben und daher der Name „Häfnersgraben“ kommt.

Erreicht man dann Waizendorf, so versperrte der Weiße Main zunächst das Weiterkommen. Vor dem Bau einer Brücke nutzte man auch hier eine Furt, um an das andere Ufer zu gelangen und den Weg in Richtung Neuenmarkt fortzusetzen. Unbekannt ist, wann die erste Brücke über den Main in Waizendorf gebaut wurde. Die heute noch befahrene Sandsteinbrücke dürfte jedoch erst um das Jahr 1800 entstanden sein, also noch in der traditionellen Bauweise der Markgrafenkultur, aber schon unter preußischer Verwaltung.

Die Sandsteinbrücke in Trebgast – Feuln

Auch in der Nachbarortschaft Feuln gibt es eine gut erhaltene Sandsteinbrücke, die wohl aus dem Jahr 1841 stammt. Strittig ist die Herkunft des Namens Feuln. Der Heimatforscher Dr. Erich von Guttenberg leitet Feuln von Bylina, slawisch für Kraut her. Im Laufe der Jahrhunderte ist daraus über Viulina und Vesulen schließlich Feuln geworden. Namensforscher Heinrich Schuberth glaubt, dass der Name von „Feule“, also „Siedlung am fauligen Sumpf“ stammt. Querte man früher den Main über die so genannte Eberleinsfurt, wird bereits um 1405 eine „ Wiese bei der Brücke“ erwähnt. Wie die Brücke beschaffen war, ob aus Holz oder aus Stein, lässt sich leider nicht mehr herausfinden.

Aus heimischem Sandstein wurde dann Mitte des 19. Jahrhunderts die heute noch genutzte zweibogige Brücke gebaut und der Weg nach Trebgast dadurch gesichert.

Zwei Verkehrsunfälle haben vor einigen Jahren Schäden am Brückengeländer hinterlassen. Diese wurden fachmännisch repariert und konnten den Bestand der Brücke nicht gefährden. Allerdings droht der Brücke eine Gefahr. Sie ist für große landwirtschaftliche Maschinen zu schmal und so wurde gar schon der Ruf nach einem Abriss laut. Es bleibt zu wünschen, dass ähnlich wie in Wirsberg einer Sanierung und Ertüchtigung der Vorzug gegeben wird.

Text & Fotos: Hermann Müller

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