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Barock-Brunnen in der Region

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Osterbrunnen

Osterbrunnen sind kein Thema der Markgrafenkultur im engeren Sinne. Aber auch die Brunnen aus der Barockzeit werden zum Frühlingsbeginn geschmückt und Osterbrunnen sind eine Besonderheit in der ganzen Region und daher fügen wir diesen kleinen Exkurs hier mit ein.

Denn Wasser ist Leben – eine Gleichung, die unsere Vorfahren weit mehr zu schätzen wussten, als wir es heute oft tun. Gedankenlos verschwenden wir bei jedem Gang zur Toilette reinstes Trinkwasser. Vor dem Bau der Wasserleitungen waren funktionierende Brunnen für das Überleben von Mensch und Tier extrem wichtig. So hat sich in der wasserarmen Region des Fränkischen Jura ein sehr schöner Brauch entwickelt. In der Osternacht zogen nämlich die Burschen und Mädchen der Dörfer zu den Quellen und Brunnen, um sie mit Blumen, Kränzen, Fichtengrün und Osterbäumen zu schmücken. Die Quellgeister sollten damit gnädig gestimmt werden, damit die Quellen so reichlich sprudeln mögen, dass die Hülen (Dorfweiher) reichlich gefüllt sind, und so das ganze Jahr das Überleben für Mensch und Tier sichern konnten.

Diesen alten Dankbarkeits-Brauch, der gleichermaßen in katholischen wie protestantischen Orten zu finden ist, aber eigentlich keinen christlichen Bezug hat, gibt es nicht nur in der Fränkischen Schweiz. Er wurde nach dem Krieg auch in anderen Regionen Oberfrankens erneuert. Aber im Bayreuther – inzwischen auch im Kulmbacher Land ist er besonders ausgeprägt. Das Schmücken mit bunten oder bemalten Ostereiern – oft mehrere Tausend Stück – war früher nicht üblich, kennzeichnet heute aber den örtlichen Wettbewerb und lockt die Osterbrunnen-Touristen besonders an. Auch haben aus Tannenzweigen gebundene Kronen, Bögen und Girlanden die einstigen Osterbäume abgelöst.

Nach dem 2. Weltkrieg starb dieser Brauch fast aus. Die örtlichen Wasserleitungen, die überall gelegt wurden, die neuen Wasserversorgungsanlagen und die Gemeindeauflagen, dass privaten Brunnen kein Wasser mehr entnommen werden dürfe, machten die traditionelle Brunnenversorgung nahezu überflüssig. Auch wollte man in den 1950er und 1960er Jahren „modern“ sein und vernachlässigte oder verachtete zeitweise ohnehin „aldes glump“ und Brauchtum. 1952 gab es in Oberfranken in 16 Orten nur noch 28 geschmückte Brunnen, berichtete die Bayerische Staatszeitung 4/1992 in einer statistischen Rückschau. B. Mergner kann im Heimatboten 1957 die österlichen Schmuckbrunnen gleichsam noch an der Hand aufzählen. 1961 veröffentlicht er dann bereits eine Karte (nach Aufzeichnungen von Hellmut Kunstmann), wonach es in der nördlichen Frankenalb 1959 in 50 Orten schon 81 Osterbrunnen gab. Und in den Folgejahren ging es mächtig aufwärts, so dass 1996 die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz in ihrem Osterbrunnen-Prospekt schon 152 Ortschaften empfehlen konnte.

2018 bietet die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz „im Land der Osterbrunnen“ der wachsenden Zahl von „Osterbrunnen-Touristen“ ein wohlgeschnürtes Paket mit Urlaub, Bus-Rundfahrten und Radtouren zu den schönsten österlich geschmückten Brunnen, Quellen, Brücken und Altstädten, zu Sonderausstellungen, Musik und Tanz sowie Teilnahme am Osterbrunnen-Schmücken an – ein alter Brauch im Gewand des modernen Marketing.

Text (soweit nicht anders angegeben): Karla Fohrbeck

Literatur:
  • Kunstmann, Hellmuth: Der Osterbaum an Dorfquellen und Dorfbrunnen. 1958. Verlag C.E. Baumann, Kulmbach.
  • : Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz. 1988.
  • Schilling, Claudia: Fränkische Osterbrunnen. 104 S. o.J., zu beziehen über Tourismuszentrale Fränkische Schweiz (www.fraenkische-schweiz.com)
  • Schmidt, Gustav: Osterwasser und Osterbrunnen in Oberfranken. Heimatbeilage 251 zum Amtlichen Schulanzeiger Regierungsbezirk Oberfranken. Bayreuth. April 1998 (52 S.)
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Eckersdorf

(Gemeinde Eckersdorf)

Gössweinstein

(TZ Fränkische Schweiz /Trykowski)

Goldkronach

(Gemeinde Goldkronach)

Gangolf

(Tourist-Information Hollfeld)

Hochstahl

(Tourist-Information Hollfeld)

Kasendorf

(Hermann Müller)

Kulmbach Stadt

(Hermann Müller)

Oberailsfeld

(TZ Fränkische Schweiz /Trykowski)

Pegnitz

(TZ Fränkische Schweiz /Trykowski)

Pottenstein

(TZ Fränkische Schweiz /Trykowski)

Thurnau

(Hermann Müller)

Waischenfeld

(Tourist-Information Waischenfeld)