Project Description

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MARKGRAFENKIRCHEN

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Markgrafenkirche Seibelsdorf

Seit 1420 gehört Seibelsdorf (1126 ersmals urkundlich erwähnt) zum Herrschaftsgebiet des Markgrafen von Kulmbach-Bayreuth. Als Markgraf Friedrich 1735 die Regierung antrat, war sein erster offizieller Kirchenbau die evangelische Pfarrkirche in Seibelsdorf. Unterstützt wurde er durch die Hofarchitekten Johann Friedrich Grael aus Berlin-Brandenburg, Spezialist für barocken Turmbau, und Rudolf Heinrich Richter, den er mitbringt und der für Jahrzehnte maßgebender Architekt im markgräflichen Hofbauamt bleibt, ab 1743 mit Joseph Saint-Pierre zusammen. Stadtbaumeister Johann Georg Hoffmann aus Kulmbach war im Gespann mit Superintendent (Dekan) Johann Christoph Silchmüller für die Bauausführung verantwortlich. Die Namen aller beteiligten Steinmetz-, Maurer-, Zimmermannsmeister und anderer Handwerker aus der Region sind überliefert. Bis 1763, dem Todesjahr von Markgraf Friedrich, wurde an und in ihr gebaut.

In der Ortsmitte gelegen und weithin sichtbar

Die Seibelsdorfer, die seit 1551 Marktrecht hatten, waren wohlhabend und bereit, Kirche, Kantorat/Schule und Friedhof für viel Geld zu erneuern. 1726 schon war ihnen die Kirche zu eng und finster geworden und der Kirchenvorstand beschloss einen Neubau und begann mit dem Abriss. Man hatte traditionell gute Beziehungen zum markgräflichen Hof, und Markgraf Friedrich erwies sich zudem während seiner gesamten Regierungszeit als großer Förderer beim Kirchenbau. Zudem hatte er in diesem Fall politisches Interesse, im Randgebiet seines evangelischen Territoriums und an der Grenze zum Einflussbereich des mächtigen katholischen Erzbistums Bamberg eine eindrucksvolle Bastion für den protestantischen Glauben zu errichten. Bis 1809 gehörte die Kirchengemeinde zum Dekanat Kulmbach. Von 1809 bis 1924 war Seibelsdorf sogar Sitz eines eigenen Dekanats, bevor dieses 1924 nach Kronach verlegt wurde. Heute gehört Seibelsdorf also zum Dekanat Kronach.

Info-Box

Pfarramt:
Evang.-Luth. Pfarramt Seibelsdorf
An der Markgrafenkirche 4
96364 Marktrodach
Tel. 0 92 23 / 14 72
Fax 0 92 23 / 653
pfarramt.seibelsdorf@elkb.de
www.dekanat-kronach-ludwigsstadt.de
www.glocken.tv/seibelsdorf

Die Seibelsdorfer Markgrafenkirche als Prototyp

Die Kirche war damals eine der teuersten Markgrafenkirchen, einschließlich Kantorat und Friedhofserweiterung (aber noch ohne Turm) beliefen sich die Kosten auf über 30 Tsd Gulden – so teuer wurde später nur noch Bindlach. Die Ordenskirche in Bayreuth -St. Georgen war noch Vorbild. Seibelsdorf aber wurde zum Prototyp einer ganzen Reihe von besonders schönen Markgrafenkirchen in Sandsteinquaderbauweise wie Benk, Trebgast, Neudrossenfeld, Nemmersdorf u.a. 1735-38 entsteht das Langhaus mit den 5 hohen Rundbogenfenstern, den mächtigen Pilastersäulen und aufwendigen Portalen dazwischen und einem steilen Dachfirst. Der imposante 56 m hohe Glockenturm (mit 4 Glocken f-a-c-d) wird 1751-1755 mittig angebaut, samt Chor. 1760 kommt die Sakristei hinzu.

Ein Klick auf die Bilder vergrößert diese.

Markgräfliche Persönlichkeits-, Hoheits- und Revierzeichen

Der Markgraf stiftete das Bauholz aus den Lichtenberger Waldungen, auch anderes Baumaterial, sandte seinen Hofstukkateur, den Italiener Josefi (oder Guiseppe) de Bazi (an anderer Stelle Buzzi oder Bossi) und gab „ideelle Unterstützung“ und Beratung, diese wird auch gerühmt. Wir finden daher die markgräflichen Insignien an herausragender Stelle mehrfach:

  • Das markgräfliche Wappen als Steinrelief unter der Turmuhr
  • Die Initialen F.M.Z.B. 1745 (Friedrich Markgraf zu Brandenburg) über dem Torbogen am Eingang zum Kirchhof (ans Kantorat angebaut)
  • Das F-Monogramm sowie den Roten Adler, jeweils mit Fürstenhut gekrönt, in (heute weißer) Stuck-Kartusche an der Decke.

SAAL- UND PREDIGTKIRCHE – DER INNENAUSBAU

Im Inneren der Kirche gingen die Arbeiten auch in Etappen voran. Die Stuckdecke im Langhaus mit den Porträt-Reliefs von Hofangehörigen beiderlei Geschlechts, mit Engel-Trios, markgräflichen Insignien und Rokoko-Ornamenten wurde 1738 von Hofstukkateur de Buzzi vollendet, 1755 dann im Chor und über den Langhausfenstern von Nikolaus Feeg im gleichen Stil ergänzt (von ihm stammt übrigens u. a. auch die prächtige Stuckdecke in der Kirche von Melkendorf).

An den Fotos der Restaurierungsmappe und früheren Festschriften erkennt man die ehemalige bunte Deckenbemalung. Bei der aufwendigen Innenrestaurierung 2009 – 2010 verzichtete man auf die Wiederherstellung und entschied sich für eine weiße Farbgebung, die die Kirche wesentlich heller und freundlicher wirken lässt. Das Mitteloval wurde vom Maler Gerhard Mayer mit einem abstrakten Deckengemälde grau in weiß ausgefüllt; er erhielt dafür 2011 den Kunstpreis der Evang.-Luth. Kirche in Bayern.

Text & Fotos: Karla Fohrbeck (auf Basis der verschiedenen Festschriften und Restaurierungsberichte)

Die zweistöckigen (und zweireihigen) Baluster-Emporen laufen dreiseitig um den Innenraum, der – 20m lang und 16m breit – 550 Gottesdienst- oder Konzertbesuchern Raum gibt. Herzstück dieser Predigtkirche ist natürlich der Kanzelaltar von Johann Gabriel Räntz,  in Weiß, Gold und Blau, der allerdings erst 1762 (ein Jahr vor dem Tod des Markgrafen) entsteht. Auffallend das göttliche Auge im goldenen Trinitäts-Dreieck samt Strahlenkranz als Kanzelaufsatz, aber mit Christus als auferstandenem Sieger „on top“. Was die beiden allegorischen Figuren neben den korinthischen Säulen bedeuten sollen – Jüngling mit Herz und Flamme sowie Mädchen mit Herz und Schlange (oder Ranke?) – ist nicht eindeutig.

Anderes qualitätvolles „equipment“ in der Kirche stammt aus dem 19. Jh. So das Vortragskreuz von 1817, der Taufstein im Empirestil von 1830 und das fünfteilige schlichte Orgelgehäuse von 1840. Die dreimanualige Hoffmann-Orgel wurde 1984 eingeweiht. Das Gestühl wurde längst erneuert und gepolstert.1963 fand eine umfassende Kirchenrenovierung statt, 1990 wurde die Kirche außen renoviert und 2009-2010 innen komplett erneuert.

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