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ENTDECKE

MARKGRAFENKIRCHEN

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Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre

Das Wesen einer Kirche hat naturgemäß mit religiösen Kern-Aussagen etwas zu tun, die das 18. Jh. nicht nur über die Wort-, sondern auch über die Architektur- und Bilder-Predigt zu vermitteln suchte. Als Tourist in anderen Ländern dürften uns – beim Betreten einer Moschee, eines Hindutempels oder einer Synagoge – die tieferen Bedeutungen ebenfalls interessieren, sonst bleiben sie trotz offener Augen verschlüsselt und verborgen. Und viele christliche Bedeutungen sind uns eben heute auch nicht mehr geläufig.

Im Mittelalter hatten Ablasshandel und Heiligenkult überhand genommen. Sola Scriptura – „Allein die Schrift“ war Martin Luthers reformatorische Antwort. Die Gemeinde sollte vor allem Hörer – und dann möglichst auch Täter des Bibel-Wortes sein und am „inneren Tempel“ bauen, was die verschiedenen protestantischen Gruppierungen übrigens durchaus unterschiedlich auslegten. Die Religionskriege und die Armut des 16. und 17. Jh. verhinderten in der  Region ohnehin großen Kirchenpomp. Und die massenhafte Verbreitung der Bibel begann erst 1710 durch Bibelanstalten und Bibelgesellschaften.

1528 führte Markgraf Georg der Fromme die Reformation im Markgraftum ein und der Landadel folgte ihm zumeist zeitgleich oder doch in relativ kurzen Abständen. Aber erst im 18. Jh. bildeten sich in der Region eine selbstbewusste protestantische Kirche und ein eigener Baustil heraus. Die Markgrafen mit ihrer Führungsrolle hatten maßgeblichen Anteil daran.

Sie kontrollierten geistliche Hierarchien und legten – wie auch der regionale Adel – Kirchenordnungen fest, setzten die Pfarrer ein, bauten das Schulwesen aus, brachten Gesangbücher heraus und sorgten im Sinne Luthers für „christliche Standesbesserung“. Noch einmal durften die Bildenden Künste sich entfalten. Sie zeigten der Gemeinde die eigenständige unmittelbare Beziehung zu Gott auf Basis der Schrift. Diese Uraufgabe aller Künstler im mehr oder weniger spannungsreichen Dialog mit der Kirche entsprach den damaligen Aufklärungs- und Erkenntnisinteressen, aber auch dem vorwiegend individualistisch-pietistischen Religionsverständnis.

Die herausgehobene Stellung der Orgel als „Königin der Instrumente“ hat ihre Wurzeln in der Reformation. Martin Luther legte auf die musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes, den Lobpreis und die Begleitung durch Gemeindegesang großen Wert. Das alte Choralgut der Lutherzeit wird im 17. Jh., als man nach „Verinnerlichung“ strebte, durch neue Weisen zu Versen von Paul Gerhardt u.a. ergänzt und die Orgel rührte oft eher ein Herz als das Wort der Predigt. Die herrlichen Orgelprospekte in den Markgrafenkirchen sind bleibende Erinnerung, die Orgeln selber wurden meist erneuert. Auch die Kirchenmusik hat hohen Stellenwert in den Bayreuther Markgrafen-Kirchen, verstärkt durch die Hochschule für evang. Kirchenmusik, vermehrt aber auch in den Landkirchen mit ihrer guten Akustik.

Lobpreis

Orgelprospekte

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Text & Fotos: Karla Fohrbeck

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