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Barock-Brunnen in der Region

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Sonstige Barock Brunnen

TROPHÄEN-BRUNNEN in der Ludwigstraße

Dieser Trophäen-Brunnen zwischen südlichem Hofgarteneingang und dem ehemaligen großen Tor zur markgräflichen Reithalle wurde 1748 (und also zeitgleich mit dieser) geschaffen. Wie üblich kamen die Entwürfe aus dem markgräflichen Hofbauamt, zumal in der Friedrichstraße, die nach weitgehend einheitlichen Plan- und Stilvorgaben vor allem in der Ära Joseph Saint-Pierre/ Rudolf Heinrich Richter ausgebaut wurde, noch dazu im Jahr 1748, als alles für die große Hochzeit der einzigen Tochter von Markgraf Friedrich und Markgräfin Wilhelmine vorbereitet wurde und man viele hohe auswärtige Gäste erwartete. Der ganze (heutige Jean-Paul-) Platz wurde damals repräsentativ und fertig umbaut. Der Brunnen selber wird Hofbildhauer Johann Gabriel Räntz (1697-1776) zugeschrieben, der Trophäenaufbau dem darauf spezialisierten Johann Jeremias Martini (1710-1760), der 1750 nach Berlin berufen wurde.

Vier Löwenmasken am runden Sandsteinsockel im geschweiften Becken speien Wasser. Darüber erkennt man am kleinen Obelisken zwei gegenüberliegende Kartuschen. Zur Vorderseite den brandenburgischen Adler mit Schild, Krone und zwei wehenden Fahnen, zur Rückseite mit der F-Initiale von Markgraf Friedrich. Als Aufsatz der Brunnensäule dient eine antikisierte Helmzier, beiderseits mit abschreckenden Fratzengebilden versehen und von einem Drachen oder Fabeltier (Greif mit zwei Flügeln und Schnabel) „getoppt“.

Fast ein Jahrhundert stand der Trophäen-Brunnen allerdings auf dem Paradeplatz vor dem einstigen Waisenhaus und späteren Gymnasium Christian Ernestinum. Als 1841 der Bayernkönig Ludwig I. das imposante Jean-Paul-Denkmal stiftete (Bildhauer Ludwig von Schwanthaler), wurde der Brunnen entfernt und vor das benachbarte Barocktor versetzt, dessen Reitertrophäen ebenfalls von Martini stammen.

Zum Umfeld Jean-Paul-Platz und Friedrichstraße finden Sie beim Thema Prachtbauten / Friedrichstraße weitere Informationen.

OBELISKEN-BRUNNEN

Vier Obelisken-Brunnen aus Sandstein können Sie in Bayreuth entdecken, fast alle leicht ergraut und aus der Zeit kurz vor oder um 1800. Obelisken waren damals in ganz Europa modern und bezeichnen – nach ägyptischem Vorbild – einen freistehenden, hohen, sich nach oben verjüngenden monolithischen Steinpfeiler (Stele), der eine pyramidenförmige Spitze hat.

Der in der Kanzleistraße vor der Stadtkirche ist den meisten Einheimischen vertraut. Lange Zeit stand hier der sogenannte Almosenkasten des Spitals und später ein Totenbeinhaus, die 1786 abgerissen wurden. Der Entwurf für den Brunnen stammt noch von Hofarchitekt Johann Gottlieb Riedel (1722-1791), die Ausführung vom Bildhauer Franz Peter Schuh (1743-1803). 1788 schuf er das Brunnenbecken, 1791 die Spitzsäule dazu. Beiden Künstlern begegnen wir auch immer wieder bei den Markgrafenkirchen. Der klassizistische Obelisk ist oben seitlich kanneliert und darunter mit hängenden Lorbeergirlanden verziert. Drei Löwenköpfe am sechseckigen Sockel dienen als Wasserspeier. Von Franz Peter Schuh stammt schräg gegenüber an der ehemaligen Kanzlei übrigens auch die Portalplastik von Mars, dem Kriegsgott und Minerva, der Weisheitsgöttin.

Die anderen drei Obelisken-Brunnen stehen etwas versteckt. Einer befindet sich im Hof der heutigen Stadtgärtnerei in Meyernberg, einem ehemaligen Gutshof. Zwei andere Brunnen stehen in Sankt Georgen – der eine nahe der Stiftskirche an der Brandenburger Allee, der andere im Innenhof der Jugendvollzugsanstalt (JVA). Ihn bekommt man nur bei Spezialführungen zum barocken Roter Adler-Saal aus der Zeit von Markgraf Georg Wilhelm (1712-1726 an der Regierung) zu Gesicht, als das heutige Gefängnis Ordensschloss war.

MASKENBRUNNEN

Die Freude an Wasserspielen und Grotten und den dazugehörigen Wassergöttern und Nymphen, Delphinen und sonstigen Wasserwesen aus der antiken Mythologie ist im 17. und 18. Jh. typisch für Schlossparkanlagen.

Aus dem damals verfallenen Schlosspark Fantaisie stammt ursprünglich der Maskenbrunnen an der Seitenmauer des Opernhauses im Hof zwischen Redoute und Synagoge. Er wurde nach dem 2. Weltkrieg, als die Innenstadt Bayreuths stark zerbombt war und auch Schloss und Park Fantaisie durch häufigen Besitzerwehsel völlig zu verwahrlosen drohten, vom Verschönerungsverein Bayreuth (Obering. Wilhelm Fohrbeck) an diesen würdigen Platz versetzt.

Es kann natürlich sein, dass dieser Maskenbrunnen eines Tages die Rückreise an seinen Ursprungsort antritt, denn der Hof wird anlässlich der Restaurierungsarbeiten an Redoute und Synagoge erneuert, und Schloss und Park Fantaisie sind dank der vorbildlichen Pflege durch die Bayerische Schlösserverwaltung wieder in hervorragendem Zustand.

Der andere, ähnliche, aber zeitlich etwas frühere Maskenbrunnen stammt aus der Zeit von Markgräfin Wilhelmine und findet sich in der Eremitage zwischen Ruinentheater und Schlossgaststätte.

Opernhaus

Eremitage

Text: Karla Fohrbeck
Fotos: Karla Fohrbeck, Franz Simon Meyer*

Literatur:
  • Gebessler, August: Stadt und Landkreis Bayreuth. Deutscher Kunstverlag München, 1959
  • Lippert, Gottlieb: Die Trophäe am Hofgarteneingang. In: Bayerische Ostmark. Okt. 1937 (in der Serie: Bayreuther Brunnen)
  • Meyer, Franz Simon: Bayreuth- Kunst vor 1800. Ms. und online-Fassung im Stadtarchiv Bayreuth. 2016.