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Fensterschürzen in der Region

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Jugendstil-Spätformen in Bayreuth

Die Wiederentdeckung des Motivs Fensterschürzen in der Baukultur um 1900-1910 ist eine Überraschung. Wir finden eine große Formenvielfalt in Bayreuth Stadt im Kontext barockisierender oder historisierender Jugendstil – wie er offiziell in Repräsentationsbauten wie auch in einigen städtischen Wohnhäusern bezeichnet und gepflegt wird. „Neobarock mit Jugendstilelementen“ kann man dazu auch lesen. Auf jeden Fall greift man in den Hochbauämtern und bei privaten Architekten auf die Baustil- und Formensprache der Zeit von Markgraf Friedrich in der Mitte des 18. Jahrhunderts zurück und baut die entsprechenden Zitate in die damals moderne Fassadengestaltung im Jugendstil mit ein.

Das Historische Museum widmete 2015 dem Thema „Historismus und Jugendstil. Bayreuther Architektur um 1900“ eine eigene kleine Ausstellung. Wir können hier nur einige Beispiele bringen, denn wenn Sie mit offenen Augen durch die Stadt laufen, erkennen Sie eine große Variationsfülle von „Fensterschürzen“ neobarocker oder neu stilisierter Art, ob in Siedlungen wie Am Stuckberg, in der einstigen „Gartenstadt“ am Festspielhügel (hier besonders das ehemalige Bergamt zu erwähnen), in der Cosima-Wagner-Straße, das Postamt in der Kanzleistraße oder das Amtsgericht Ecke Hohenzollernring.

Repräsentationsbauten

1901-1904 wird der „Justizpalast“ am Wittelsbacherring 22 im Stil des Neobarock errichtet, mit Merkmalen aber auch des Jugendstil. Die Fensterschürzen sind ein auffallendes Gliederungselement. Der Bau blieb im Krieg weitgehend erhalten. Heute haben Land­gericht, Staatsanwaltschaft und Teile des Amtsgerichts hier ihren Sitz.

1907-1908 wird das Gebäude der Regierung von Oberfranken gegenüber vom Neuen Schloss im Jugendstil errichtet und auch hier ist die Gliederung der Fassade durch Fensterrahmung und Portalgiebel der barocken Tradition in den Ludwigstraßen-Häusern auf (damals) moderne Weise angepasst.

1907 wird von den Gebrüdern Wölfel die Königliche Filialbank erbaut. Heute ist hier an der Ecke Wölfelstraße 2/Münzgasse das Afrika-Zentrum der Universität = Iwalewahaus untergebracht, das jahrzehntelang in der Münzgasse 9 sein Domizil hatte.

Villen

An bedeutenden Gründerzeit-Villen im barockisierenden Jugendstil hier nur zwei Beispiele: Das Chamberlain-Haus, in dem heute das Jean-Paul-Museum und das Städtische Kulturamt untergebracht sind (Wahnfriedstraße 1) und die ehemalige Lehr’sche Villa, derzeit Haus der Kurzschrift und Deutsches Schreibmaschinenmuseum, das als künftiger Sitz des Stadtarchivs „angedacht“ ist (Bernecker Str. 11).

Wölfel-Bauten

Die Bauten der Gebrüder Wölfel (Bauunternehmer und Ziegeleibesitzer) in der nach ihnen benannten Wölfelstraße, an der Ecke Alexanderstraße und am Luitpoldplatz – vor allem aber das repräsentative heutige Iwalewa-Haus Wölfelstraße 2 (damals Königliche Filialbank) sind eine reine Augenweide für Fensterschürzen-Liebhaber.

Mietshäuser mit Fensterschürzen – weitere Beispiele

… und zum Schluss – reiner Jugendstil-Genuss

Drei repräsentative Bürgerhäuser an der Ecke Raabestraße/ Eingang Hofgarten greifen verschiedene Fensterschürzenmotive in der einfallsreichen Fassadengliederung auf – diesmal aber im reinen Jugendstil weiterentwickelt.

Auf dem Lande finden sich bis in die 1920er Jahre nur noch vereinzelt Fensterschürzen, die aber in der ländlichen Tradition des 19. Jahrhunderts verbleiben.

Text & Fotos: Karla Fohrbeck, Historisches Museum*