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BAROCKE  JAGDSCHLÖSSER

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Thierstein – Jagdrevier Kaiserhammer

Kaiserhammer – Markgraf Friedrichs Jagdparadies

Heutzutage sind die ausgedehnten Wälder des Fichtelgebirges beliebt bei Erholungssuchenden aus Nah und Fern. Sie liegen zwar nicht in der „Region Bayreuth“, aus der wir bisher unsere Beispiele zur Markgrafenkultur wählten, doch gehörten neben den heutigen Landkreisen Bayreuth und Kulmbach eben auch das Hofer Land und das Sechsämterland – der heutige Landkreis Wunsiedel – zum Herrschaftsgebiet der Bayreuther Markgrafen. Das Sechsämterland war in vergangener Zeit besonders das Ziel der Jagdleidenschaft unserer Landesherrn. Schon Markgraf Georg Friedrich (1539/1557-1603) jagte alljährlich zur „Hirschfette“ im August in den Wäldern um Selb („Selber Wald“). Markgraf Christian Ernst (1644/1661-1712) wählte einen Platz im Egertal beim Kaiserhammer, wo er 1706 nach Plänen des Baumeisters Antonio della Porta ein hölzernes Jagdschlösschen errichten ließ.

Auch Markgraf Friedrich (1711/1735-1763), der zusammen mit seiner Gemahlin Wilhelmine (1709-1758), der Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, den bis heute nachklingenden Bayreuther Musenhof regierte, war ein passionierter Jäger. Besonders schätzte er das Revier beim Kaiserhammer, wo er jeden Herbst zusammen mit großem Gefolge während der Hirschbrunft zu jagen pflegte. Allerdings erwies sich das schlichte Schlösschen aus Christian Ernsts Zeiten als viel zu klein, so dass er 1737 – schon zwei Jahre nach seinem Regierungsantritt – seinen Hofarchitekten Johann Friedrich Graël mit der Vergrößerung desselben beauftragte.

Eine lustige Jagd, für die, die gerne reiten

Der Fürst war ein kühner Reiter, weswegen er in den Jahren 1738 bis 1744, durch die Frondienste seiner Untertanen in den umliegenden Orten, spinnennetzartige Schneisen durch den Wald beim Kaiserhammer schlagen und darin Wege anlegen ließ. Dieser achtstrahlige Jagdstern diente der Parforce-Jagd, bei welcher ein Hirsch von berittenen Jägern und Hunden kreuz und quer durch das Wegenetz gehetzt wurde, bis er schließlich vom Markgrafen oder einem seiner hohen Jagdgäste mit dem Hirschfänger erlegt wurde. Die Parforce-Jagd, so heißt es in der zeitgenössischen Jagdliteratur, sei eine „lustige und angenehme Jagd vor diejenigen, so gerne reiten, den Laut der Hunde hören wollen und das Blasen ästimiren“. Die Hunde oblagen übrigens der Pflege der Fichtelgebirgischen Müller, denn jeder Mühlenbesitzer im Sechsämterland war dazu verpflichtet, dem Markgrafen einen Jagdhund zu halten. Da Friedrich seine Jagden auch auf den südlich der Eger gelegenen Eichelberg und Lenker ausdehnen wollte, ließ er 1738 bei der Wendenmühle „zur Beförderung Hochfürstlicher Jagd-Plaisir“ eine steinerne Brücke (siehe Thema Brücken) über die Eger erbauen.

War ein Jagdaufenthalt in Kaiserhammer geplant, so wurde schon Tage, bevor die fürstliche Suite aus Bayreuth abreiste, ein ganzer Tross dorthin in Marsch gesetzt. So etwa am 24. September 1749, wo früh um 6 Uhr vier Pferde mit dem Pirschwagen, sechs Pferde mit der Silberkalesche, sechs mit der Küchenkalesche, vier mit einer Chaise für Küchenmeister und Köche, acht für zwei Leiterwagen, vier Pferde mit einem weiteren Leiterwagen, der das Gerät des Zinnknechts trug, vier Pferde mit einem Leiterwagen für die Stallbagage, sechs mit einem Deckelwagen, in dem die Betten untergebracht waren, drei Reitpferde für den Küchenausspeiser, einen weiteren Koch und den Tapissier in Marsch gesetzt wurden. Erst am folgenden Tag begab sich der Markgraf mit seinem Gefolge auf die Reise. Sechs Pferde waren dabei vor seine Kammerkalesche gespannt, sechs vor einen Kavalierswagen, in dem General Hagen, Herr von Bose und einige Kammerjunker ihren Platz hatten. Ein Büchsenspanner hatte stets in der Nähe der fürstlichen Kalesche zu reiten, um dem Markgrafen gegebenenfalls auch unterwegs bei auftauchendem Wild einen Schuss zu ermöglichen.

Doch was passierte mit dem bei einer solchen Jagd erlegten Wild? Auf die fürstliche Tafel gelangte nur wenig davon. Meistens wurde das Wildbret an die Untertanen in der Nähe des Kaiserhammers verkauft. So bezahlte die Gemeinde Habnith am 3. November 1738 für einen „lahmgeschoßenen und ehe er bekommen worden sehr ausgemergelten Hirsch von 14 Enden“ 3 Gulden und 51 Kreuzer.

Der weinende Greis

Da im Schloss nur der Fürst und die Fürstin mit ihrer Leibdienerschaft und hohen Gästen logieren konnten, musste das übrige Gefolge in der Nachbarschaft untergebracht werden. Besonders die Besitzer des nahe gelegenen Kaiserhammers mussten dem Markgrafen „bey unsern jedesmahligen Ablager auf dem Jagdhauß beym Kayßerhammer mit Quartier und Stallung an Handen gehen“.

Während man sich tagsüber mit der Jagd vergnügte, traf man sich abends beim Bankett. Am Sonntag pflegte Markgraf Friedrich, wenn er in Kaiserhammer war, dem Gottesdienst in der Marktleuthener St.-Nikolaus-Kirche beizuwohnen, wo er eine eigene, mit seinem Wappen geschmückte Empore einbauen ließ, um seinem Volk nahe zu sein. Auch sonst mischte sich der als besonders „leutseelig“ bekannte Fürst gern einmal unter seine Untertanen. Als er 1737 bei einem Ausritt in Heidelheim auf einen in Tränen aufgelösten Greis von 80 Jahren traf, fragte er diesen nach der Ursache seines Kummers. Auf die Antwort, dass ihn sein Vater heftig ausgescholten und geprügelt habe, ließ sich Friedrich den Alten vorstellen und versöhnte den 102jährigen Lorenz Zeitler mit seinem Sohn.

Info-Box

Kontakt zur örtlichen Gastronomie:

Kulturhammer e. V.
Schlossstr. 7
95199 Thierstein (Kaiserhammer)
Tel: 09235/1532
Fax 09235/6330
https://www.kulturhammer.de
Email: info@kulturhammer.de

Gasthaus Egertal
Schlossstraße 3
95199 Thierstein
Tel: 09235 981521
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Prachtvolle Neubauten, die teilweise unvollendet bleiben

1755 war das alte hölzerne Jagdschloss dermaßen baufällig geworden, dass Markgraf Friedrich seinen Hofbaudirektor Rudolf Heinrich Richter mit dem Neubau eines Jagdhauses auf dem Kaiserhammer beauftragte. Unter der Leitung und wohl auch nach Plänen des Architekten Carl Philipp Gontard entstand bis 1757 ein dreiflügeliger Neubau, der im Winter 1759/60 durch den Bayreuther Hofstuckateur Rudolf Albini mit prachtvollen Stuckaturen ausgestattet wurde. 1761 wurde beim Schloss sogar ein Komödienhaus, also ein Theater, errichtet.

Lange konnte der Markgraf die Annehmlichkeiten seines neuen Jagdschlosses allerdings nicht genießen, denn Friedrich starb schon 1763. Viele während seiner letzten Regierungsjahre im Jagdrevier Kaiserhammer begonnene Bauten blieben unvollendet. So der Jagdpavillon im Zentrum des großen Jagdsterns, mit dessen Bau Carl Philipp Gontard 1761 begonnen hatte (und von dem noch eine Zeichnung existiert), oder der Salon auf dem Tannenberg.

Der Untergang

Friedrichs Nachfolger teilten seine Jagdleidenschaft nicht. Sowohl Markgraf Friedrich Christian (1708/1763-1769) wie auch Markgraf Alexander (1736/1769-1791/1806) waren bestrebt, den auf den fränkischen Fürstentümern lastenden Schuldenberg abzubauen. Alexander befahl den Abbruch der zum Jagdschloss gehörigen Nebengebäude und die Versteigerung des dabei gewonnenen Baumaterials. 1790 verkaufte er auch das Jagdschloss selbst. Der neue Eigentümer, der Wunsiedler Steuereinnehmer Johann Stephan Landgraf, ließ das Hauptgebäude – den mittleren Schlossflügel – abreißen, so dass heute nur noch der ehemalige, durchaus repräsentative Stall- und Küchenflügel erhalten sind. Das eindrucksvollste Zeugnis des vergangenen Jagdparadieses ist jedoch der große Jagdstern, auf dessen acht Radialschneisen man heute vor allem Stille und Erholung in der Waldeinsamkeit suchen und finden kann.

Kaiserhammer heute

Kaiserhammer und besonders der benachbarte Schwarzenhammer erlebten durch Industrieansiedlungen entlang der 1914 eröffneten, inzwischen aber längst wieder stillgelegten Eisenbahnstrecke von Holenbrunn nach Selb, im frühen 20. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte. Bereits damals entwickelte sich hier reges kulturelles Leben. Mittelpunkt war der 1926 erbaute Theater- und Tanzsaal. Genau 70 Jahre später, zur Kirchweih 1996, wurde der renovierte Saal wiedereröffnet und der Kulturhammer e.V. erlebte seine erste öffentliche Veranstaltung. Wer also einen Ausflug zum ehemaligen markgräflichen Jagdrevier, zum sternförmigen Parcours und zum früheren Schloss machen will, kann in der örtlichen Gastronomie wählen: im Gasthaus Egertal (im ehemaligen Stallflügel des Jagdschlosses Kaiserhammer) gibt es Kuchen und gute Brotzeiten, im „Kulturhammer“ – auf Voranmeldung – vielleicht sogar ein markgräfliches Jagdessen mit Jagdhörnern, sonst tut es auch markgräflicher Honig aus der ortsansässigen Imkerei „Bienenschwarm“ unter dem Theater- und Tanzsaal.

Rundweg Kaiserhammer (FGV)

Wollen Sie alle Sehenswürdigkeiten bei einem Rundgang kennen lernen? Von Kaiserhammer aus führt der Rundwanderweg Nr. 1 oder der Blau-Kreuz-Weg zum ehemaligen Standort Rondell; von hier aus führt uns der Rundweg Nr. 2. Bergab geht es zum „Ewigen Rauschen“, bei Brücke über die Steinselb. Danach geht es rechts weiter zur Ruine „Schlößlein“ und danach abwärts nach Schwarzenhammer. Auf der Straße wandern wir zurück nach Kaiserhammer. Eine geschichtsträchtige Wanderung durch ein Gebiet, das nur Wenige kennen! Sieben Kilometer bequeme Wanderstrecke sind dabei zu bewältigen.

Weitere Informationen auf den Seiten des Fichtelgebirgs-Verein (FGV)

* Die Zahlen in Klammern nennen Geburtsjahr und die jeweilige Regierungszeit

Text: Harald Stark
Fotos: Harald Stark, Google-Earth

Der große Jagdstern und das Jagdschloss Kaiserhammer aus einem im Jahr 1800 veröffentlichten Plan. (Repro aus dem 2. Teil von Helfrechts Beschreibung des Fichtelgebirges, Hof 1800)

Weitere Jagdschlösser finden Sie auf unserer Übersichtskarte