Project Description

ENTDECKE

MARKGRAFENKIRCHEN

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

Trinität und Auge Gottes

Drei zentrale Botschaften im Aufbau der Bildprogramme werden bei einer vergleichenden Betrachtung der vielen Markgrafenkirchen deutlich. Sie wurden nicht vom einzelnen Pfarrer oder Superintendenten (Dekan) erfunden. Sie sind auffallender Grundkonsens – dennoch in großer Variationsbreite zu entdecken! Dieses Bildprogramm setzte (Bibel-)Wissen und (Bibel-)Moral voraus, strebte aber auch Erkenntnis und Bewusstwerdung an.

1. Die zentrale Dreifaltigkeits-Botschaft wird gelegentlich noch ganz plastisch „ins Bild“ gesetzt, vor allem auf Kanzelaltären: Gott Vater mit Weltkugel, der auf den Sohn am Kreuz mit dem Finger weist oder ihm gegenüber sitzt, der Heilige Geist als Taube. Mehrheitlich aber finden wir die Trinität als Dreiecksbeziehung und abstraktes Symbol im Dreieck mit dem zentralen „Auge Gottes“ oder dem hebräischen JHWH-Namen in der Mitte. Das ist unzweifelhaft eine Besonderheit im hiesigen Markgrafen-Stil des protestantischen Barock und schon 50 Jahre bevor wir dieses Symbol auch bei den Freimaurerlogen entdecken können. Von Wolken-, Engel- und Strahlenkranz umgeben ist dieser „Urknall“ der allgegenwärtigen Präsenz Gottes, eins und dennoch in drei Offenbarungs- und Beziehungsformen uns nahe kommend. Wir finden es als Deckenstuck oder Quintessenz auf Kanzelaltären, Vortragskreuzen, Taufsteinen und Portalgiebeln, sogar auf Pfarrer-Porträts und Grabmalen – schon um 1700 in St. Georgen und Himmelkron zu Beginn und in Eckersdorf und Bad Berneck noch gegen Ende des 18. Jh..

2. Der Weg Jesu mit den Stationen Geburt, Taufe im Jordan, Kreuzigung und  Auferstehung. In den zentralen Deckengemälden triumphiert oft die HimmelfahrtAm Kanzelaltar sind es Abendmahl und Passion, gekrönt von Christus als Sieger über den Tod. Nur durch das Blut Jesu ist Erlösung (heute würde man sagen: vom „Karma“) gegeben, denn wir sind alle Sünder und bedürfen der Gnade. Die Prophetie dazu aus dem Alten Testament wird einbezogen und bewusst gemacht.

3. Eine Besonderheit sind auch die typologischen Verweise im Bild- und Figurenprogramm auf das Alte Testament als Vorläufer, Grundlage und Prophetie des Neuen. Denn, so Jesus am Ende der Bergpredigt: „Ich bin nicht gekommen, aufzuheben, sondern zu erfüllen“.
Nie werden Figuren als Heiligen- oder Kultfiguren gezeigt, immer sind es Beziehungen zwischen Anti-Typen, die herausgearbeitet und entdeckt werden wollen. Das Alte Testament gehört dazu:

  • Moses & Aaron, Moses & Elias (Tabor), Moses & Johannes d. Täufer
  • Gerechtigkeit (Altes Testament) & Frieden (Neues Testament) küssen sich
  • Die Apostel Petrus mit Schlüssel & Paulus mit geistigem Schwert
  • die 4 Evangelisten mit ihren Elemente-Attributen
  • Glaube-Hoffnung-(Nächsten-)Liebe als weibliche Figuren und christliche Tugenden
  • die leidende & triumphierende Kirche, der Alte & der Neue Bund

Text & Fotos: Karla Fohrbeck

Auge Gottes als Trinitätssymbol

Bayreuth – Stadtfriedhof

Bad Berneck

Birk

Mangersreuth

Gefrees – Künneth-Palais

Seibelsdorf

Melkendorf

Weitere Markgrafenkirchen finden Sie auf unserer Übersichtskarte