Project Description

ENTDECKE

BAROCKE  JAGDSCHLÖSSER

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

Burg Zwernitz

DIE JAGD DER HOHENZOLLERN IN FRANKEN…

Das ist der eigentliche Titel dieser in Burg Zwernitz 2011 eröffneten und von der Bayerischen Schlösserverwaltung neu eingerichteten Dauerausstellung. Die höfische Jagd der Markgrafen von Ansbach und Bayreuth auf ihrem Höhepunkt im 18. Jh. wird uns anhand teilweise sehr wertvoller historischer Exponate an einem originalen Schauplatz, dem markgräflichen Jagdrevier Sanspareil, präsentiert. Sie machen uns eine heute fremd gewordene Epoche wieder anschaulich und lebendig. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die 22 Jagdgemälde, die die Oberfrankenstiftung als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt. Daneben werden in Vitrinen u.a. Gewehre, Jagdbekleidung, Urkunden, Waffen, Geweihe, Gläser und andere Jagdtrophäen und Jagdutensilien gezeigt.
Außerdem kann man auf den hohen Rundturm steigen und hat dort eine herrliche Rundumsicht über den Naturpark Fränkische Schweiz und – bei klarem Wetter – bis zum Fichtelgebirge. Früher gab es ein ganzes System solcher Beobachtungstürme – Hohe Warten genannt – von denen aus Rauchsignale bis zur Plassenburg in Kulmbach weitergeleitet werden konnten.

VON DER RITTERBURG ZUM MARKGRÄFLICHEN AMTSSITZ

Die auf einem schmalen Dolomitfelsen thronende malerische Burg Zwernitz wurde im Jahr 1156 als Stammsitz der Walpoten erstmals urkundlich erwähnt. Um 1300 wurde sie Amtssitz der Burggrafen von Nürnberg und später der Kulmbacher bzw. Bayreuther Markgrafen. Von der spätromanischen Burg haben sich größere Teile erhalten, die man an den typischen Buckelquadern erkennt. Nach dem 30jährigen Krieg war die Burg nicht mehr als Wehrbau vonnöten. Sie diente aber weiterhin als Amtsgebäude und Unterkunft für Jagdgesellschaften und wurde daher von den Markgrafen des 18. Jh. instandgehalten (1721 Bau eines neuen Amtshauses am Fuße der Burg, 1732 aufwendige Sanierung von Dach und Bergfried, aufgesetzte Turmstube). Hoch-, Nieder- und Vorburg, Kapellenhof, Wehrmauer und Zwinger sind heute so gut hergerichtet, dass es zum lohnenden Ausflugsziel wird, die Burg zu besteigen und zu besichtigen .

NUR EIN PAAR SCHRITTE ZUM FELSENGARTEN SANSPAREIL

Für Markgraf Friedrich (1711/1735-1763) war der Buchen- und Felsenhain von Sanspareil in erster Linie ein Wildgehege. Wenn er hier jagte, schreibt Peter Krückmann, diente ihm die Burg Zwernitz als Jagdquartier und Pferdestall. 1736 hatte er dort 18 Reitpferde stehen. Um 1740 wird die Burg renoviert und für April 1744 wird der Transport von Möbeln aus dem Bayreuther Schloss bestätigt, darunter Betten für das Markgrafenpaar. Im selben Jahr ließ Markgraf Friedrich auch eine jagdliche Infrastruktur mit Fasanenhütten, Streuhütten und Wildraufen für die Kälber anlegen.

Aber um die Zeit war man auch auf die Besonderheiten dieses verwunschenen Felsengartens aufmerksam geworden und Markgräfin Wilhelmine und Hofarchitekt Joseph Saint-Pierre begannen mit den Plänen und dem Ausbau der einmaligen Schlossanlage und wandelten den Hain „in eine Miniaturlandschaft mit zahlreichen Staffagebauten“ und dem Ruinentheater um.
Wenn sich die höfische Jagdgesellschaft von Markgraf Friedrich und Markgräfin Wilhelmine Mitte des 18. Jh. in der nahen Schlossanlage von Sanspareil und dem Morgenländischen Bau aufhielt, sollte die Burg als geschichtsträchtiger »Point de Vue«, als Blick-Kulisse, an die ritterliche Vergangenheit der Hohenzollern erinnern.

Die markgräflichen Jagd- und Parkinteressen verlagerten sich aber bald angesichts des Wassermangels und der steinigen langen Anreise und wendeten sich der Eremitage und Kaiserhammer zu.

LEBENDIGE VERGANGENHEIT

Jährlich im Sommer, meist auch zu den Residenztagen der Bayerischen Schlösserverwaltung im September, werden „Zeitreisen“ ins Spätmittelalter oder die Markgrafenzeit angeboten. Anders als bei den Mittelaltermärkten auf Burg Rabenstein oder der Plassenburg, wo es auch Verkaufsstände gibt, soll hier einfach vorgeführt werden, „wie es damals war“. Falkner erklären die Beizjagd, Bläsercorps lassen deutsche und französische Jagdmusik erschallen, Jagdvereine führen ihre Hunde vor oder erläutern, zu was ein Jagdschein heute berechtigt und verpflichtet. An anderen Wochenenden lassen die Mitwirkenden der ehrenamtlichen Arbeitsgemeinschaft „Sanguis et Aurum“ – zusammen mit anderen, die in historische Gewandungen schlüpfen, den Alltag von einst erlebbar werden.  Mittelalterliche Spiele, Handwerks- und Gebrauchsgegenstände, Lagerleben und historische Waffen… alles zum Ausprobieren – für Kinder unter museumspädagogischer Anleitung.

Text: Karla Fohrbeck auf Basis der Amtlichen Führer der Bayerischen Schlösserverwaltung (insbesondere Dr. Heyer 1922, Erich Bachmann & Lorenz Seelig 1985 und Peter Krückmann 2012).
Fotos: Bayerische Schlösserverwaltung | Karla Fohrbeck
Stiche von Köppel und Lebsché aus der 2. Hälfte des 18. Jh.

Info-Box

Kontakt:

Burg Zwernitz
Sanspareil 34
96197 Wonsees
Telefon 09274 808909-11
Burg Zwernitz

Öffnungszeiten:
April-September: 9-18 Uhr
1.-15. Oktober: 10-16 Uhr
Montags geschlossen
16. Oktober-März: geschlossen

Wonsees – Burg Zwernitz und Felsengarten Sanspareil

Weitere Jagdschlösser finden Sie auf unserer Übersichtskarte