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barocke Prachtbauten

Prachtbauten  in der Friedrichstraße

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ZU DEN PRACHTBAUTEN

In der Zeit des Barock, und das heißt immer noch des Absolutismus nach französischem Vorbild, wetteiferten die Fürstenhöfe in Europa, auch die in der Provinz, vor allem auf dem Gebiet der Architektur und Gartenkultur. Auch Markgraf Friedrich (1711/1735-1763) hatte in der Hinsicht auf seiner Kavaliersreise als junger Mann viel gesehen und Markgräfin Wilhelmine (1709-1758) hatte Vorbilder in Berlin und Potsdam. Zudem gab es in der Hofbibliothek, im Hofbauamt und in der Kupferstich-Sammlung genug Musterbücher und Pläne als Vorlagen.

Altbayreuths Prachtstraße

Die Friedrichstraße ist 340 m lang, mit 18 m breit angelegt (im Unterschied zu den kleinen Gassen im Stadtkern) und zumeist von Sandsteinquaderbauten mit einheitlicher Traufhöhe und Mansarddächern gesäumt… So etwa beginnt der Ciceron, des historischen Museums seine Innenstadtführung. Das Hofbauamt gab den einheitlich wirkenden Baustil vor und der Markgraf erreichte sein Ziel durch die Erteilung von Baugnaden, die in freiem Grund, Baumaterial und Steuerbefreiungen bestehen konnten. Hofprominenz, wohlhabende Bürger, aber auch Handwerksmeister und Künstler machten davon Gebrauch. Das Hauspersonal wohnte in den Mansarden und Nebenhäusern.

Baubeginn 1730 …

Mit der Planung der Friedrichstraße hatte Markgraf Georg Friedrich Karl (1726-1735) schon begonnen, von Hofarchitekt Johann David Räntz d. Ä. (1690 – 1735) beraten. An der Einmündung der heutigen Sophienstraße in die Kanzleistraße ließ er 1730/32 am Fronhof (wo heute das Steingraeber-Palais steht) die Stadtmauer, die damals hier noch geschlossen verlief, durch das ‚Neue Tor‘ öffnen, das dann 1752 wieder beseitigt und ans Ende der Friedrichstraße verlegt wurde. Dies war der erste Schritt zur Neuanlage der heutigen Friedrichstraße, „jener schnurgeraden und relativ einheitlich zwischen 1730 und 1765 bebauten Straße, die gewissermaßen das städtebauliche Ideal des markgräflichen Bayreuth im 18. Jahrhundert verkörpert“ (Sylvia Habermann). Das erste Gebäude war 1733 bis 1735 das Waisenhaus (Hausnr. 14). Auch das markgräfliche Mulzhaus (= Malzhaus) stammt aus dieser Zeit und wurde erst später in ein Palais umgewandelt (Hausnr. 18). Der rechteckige Paradeplatz (heute Jean-Paul-Platz) bildete die Mitte.

… Vollendung unter Markgraf Friedrich

Markgraf Friedrich (1735-1763) übernahm die Weiterentwicklung dieser Vision ab 1732 von seinem Vater. Bereits im Riedigerplan von 1745 ist daher die neue Straße im Süden der alten Stadtmauer als Friedrichstraße bezeichnet. Diese fing aber erst kurz nach 1746 an, durch verschiedene Adelspalais zur markgräflichen Prachtstraße zu werden. Maßgebend beteiligt waren ab da die Hofarchitekten Johann Friedrich Grael (1707-1740), Rudolf Heinrich Richter (den von Grael aus Schwedt mitgebracht hatte), Joseph Saint Pierre (der schon 1754 starb) und der junge Carl Philipp Gontard. Sie sorgten für die stilistische Vielfalt in der vorgegebenen Einheit von Maß und Material. 1945, kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs, wurden die Gebäude mit den Hausnummern 8, 15, 17, 19, und 19A von Brandbomben zerstört, jedoch dem einheitlichen Baustil der Friedrichstraße entsprechend wieder aufgebaut.

Virtueller Spaziergang

In der barocken Friedrichstraße können Sie aber nicht nur den einheitlichen, vom Hofbauamt vorgegebenen Baustil bewundern, sondern Haus für Haus die interessante Bau- und Besitzergeschichte  neu entdecken. Nicht nur das imposante Steingraeber-Palais und der Gartenportikus des einstigen Ellrodt-Palais lohnen einen Blick. Hinter den Kulissen anderer „Hausnummern“ verbargen sich zur Markgrafenzeit z.B. die Postei, die Universität, die Akademie der Künste und Wissenschaften, das katholische Oratorium, die Reithalle mit Theater oder das Waisenhaus. Und zur Prominenz späterer Bewohner gehörten Mozarts „Bäsle“ und der Dichter Jean Paul.

Gärten auf der Rückseite

Was man bei einem Spaziergang durch die Friedrichstraße kaum erkennt: Auf der Rückseite hatten und haben alle Häuser sehr schöne Gärten. In der Barockzeit gab es darin „Pavillons, Brunnen, Wasserbassins, Laubengänge und Spaliere“. Bei Führungen und besonderen Gelegenheiten kann man die gepflegten Gärten besichtigen, die zum Jean-Paul- oder Schwabacher-Haus (Nr.3-5), zum Ellrodt-Palais (Nr.7) bzw. zum Steingraeber-Palais (Nr. 2) gehören und die noch viel von diesem Reiz behalten haben.

Text: Karla Fohrbeck auf Basis der im Vorspann genannten Quellen.
Fotos: Karla Fohrbeck, Eva Rundholz

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Häuser auf der linken Seite

LITERATUR ZUR FRIEDRICHSTRASSE
  • Engelbrecht, Wilfried: Das Neueste aus Bayreuth. Die Presse im markgräflichen, preußischen und französischen Bayreuth 1736-1810. Ellwanger Verlag. Bayreuth 1993 (darin v.a. zur Post- und Posteigeschichte)
  • Gebessler, August: Stadt und Landkreis Bayreuth. 1959
  • Habermann, Sylvia: Bayreuth. Auf den Spuren der Markgrafen. (Kleiner Rundgang durch die Innenstadt). Historisches Museum 2007 sowie Cicerone  (ebenfalls Historisches Museum) und (mit Peter Coler): Alte Bayreuther Fassaden. edition boltz 1983
  • Hartmann, Karl: Geschichte der Stadt Bayreuth. 1949
  • Holle, J. W.: Geschichte der Stadt Bayreuth. 1833 und 1901, Nachdruck 1981 Weidlich Reprints Frankfurt a.M.
  • Jahn, Wolfgang : Der Pedrozzi-Stuck in der Schlosskirche Bayreuth. 2012
  • König, Johann Sebastian: Beschreibung der Straßen und Häuser der Stadt, ca. 1800, Ms. im Stadtarchiv
  • Meißner, Helmuth: Franken: Die Region 5. DKV 1989
  • Merten, Klaus: Der Bayreuther Hofarchitekt Joseph Saint-Pierre (1708/9-1754) in: Archiv für Geschichte von Oberfranken 1964 (AO)
  • Meyer, Franz Simon: Bayreuth – Kunst im öffentlichen Raum vor 1800. 2016 (Manuskript im Stadtarchiv)
  • Müller, Wilhelm: Das Stadtbild Bayreuths in alten Ansichten 1600-1900 (= Sonderdruck aus AO 1964, hier Ellwanger Verlag Bayreuth)
  • Müller, Wilhelm (Hg): Illustrierter Führer durch Bayreuth und Umgebung. 1951 im Verlag der Jean-Paul-Buchhandlung (unter Mitwirkung des Kulturamtes), S. 85 f.
  • Müssel, Karl: Bayreuth in acht Jahrhunderten. Gondrom Verlag Bindlach, 1993
  • Schmidt, Gustav: Die Bayreuther Markgrafen. Heimatbeilage Nr. 273 zum Oberfränkischen Schulanzeiger. 2000, darin S. 44 und 59f
  • Steffel, Georg: „Religionsexerzitium und Gottesdiensträume der Bayreuther Katholiken nach der Reformation bis 1813.“ in Archiv für Geschichte von Oberfranken (AO) 1990, S. 84-122
  • Trübsbach, Rainer: Geschichte der Stadt Bayreuth, Druckhaus Bayreuth, 1993