Project Description

ENTDECKE

MARKGRAFENKIRCHEN

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BIRK ­
PFARRKIRCHE ­
ST. VERONIKA

Birk (am Almosbach), etwa 16 km östlich von Bayreuth gelegen,  ist wesentlich älter als Creußen, wozu es als Filialkirche – wie auch Seidwitz – gehört. Politisch war Birk bis 1978 eine eigenständige Gemeinde, wurde dann eingemeindet und ist nun ein Ortsteil von Emtmannsberg. Das Pfarrdorf zählte 2020 nur knapp 150 Ew, hat aber kirchengemeindlich etwa 700 evangelische Gemeinde­mitglieder aus etlichen verstreuten Höfen und Ortschaften zu betreuen, darunter Seybottenreuth. Im Jubiläumsjahr 1994, in dem an 210 Jahre Kirchenneubau gedacht wurde, erinnerte man sich zugleich, dass man „das älteste Gotteshaus im Dekanat Pegnitz“ war.

Birche, Pirk, Birck, Birk –
ein sehr alter Ort

Offiziell wird als 1. Urkundendatum 1357 angegeben, damals hieß der Ort Pirk. Wir haben aber für Emtmannsberg samt Birk dank des sorgfältigen Studiums im Pfarramtsarchiv vom ehemaligen Pfarrer Johannes Wilfert ältere Anhaltspunkte. Er geht davon aus, „dass die erste Kapelle in Birk bereits im 1.christlichen Jahrtausend gebaut wurde“, worauf sich auch das Pfarramt Birk stützt und festhält: „Schon vor 1007“ (als Birk noch dem Bischof von Würzburg zinspflichtig war)„steht in Birk an der Stelle der heutigen ((gotischen)) Sakristei eine Kapelle, der Heiligen Veronika geweiht und als Filiale von Kirchenlaibach aus versorgt“. Karl Dill, der bis 1970 die alten Flurdenkmäler studierte, meint immerhin „schon 1119 wird Birk (Birche) erstmals urkundlich erwähnt“ und verwies auf die nahe Kreuzung zweier Altstraßen, die einen Ort bedeutsam machten. Die historischen Wurzeln sind also sehr alt.

Um 1320/30 wurde Birk eine Pfarrei-Stiftung und man baute eine größere Kirche an besagte Kapelle mit einem Fachwerk-Turm aus Holz, das Dach mit Schindeln bedeckt, und mit erst einer Männerempore, später einer zweiten.

Schon zu Begin des 14. Jh. gab es in Birk einen Pfarrer und seitdem wird deren Liste bzw. ihre Biographie kontinuierlich fortgeführt. 1528 wird im Markgraftum die Reformation eingeführt und Birk 10 Jahre später evangelisch-lutherisch.

Um 1620, im 30jährigen Krieg, ging das Dorf in Flammen auf, die Kirche „scheint glimpflich davon gekommen zu sein“. Aber der Zahn der Zeit, Blitz und Wetterschäden sorgen auch so für Vergänglichkeit. Der hölzerne Turm drohte auf seinem steinernen Untergeschoss einzufallen und die Pfarrgemeinde gab 1683 eine Petition bei Markgraf Christian Ernst (1655/61-1712) um einen Neubau ein, bekam auch kostenloses Bauholz, nutzte Steinbrocken für den Bau und durfte in den „4 Hauptmannschaften des Markgraftums“ eine Kollekte einsammeln gehen.

Das Erdgeschoss des Turmes mit den gotischen Fenstern blieb (bis heute) erhalten, darüber wurde in Stein erneuert, die Fenster den gotischen (die an sich nicht mehr zeitgemäß waren) angepasst. Nach dem Vorbild des Emtmannsberger Kirchturms sollte er um einen Glockenstuhl im 8eckigen Turm mit schiefergedeckter welscher Haube von Meister Andreas Rüdelbach aufgestockt werden.1685 war er fertig und bezahlt, samt Ausbesserungen an der einstigen Friedhofs-Ringmauer, wie man sie noch in Neukirchen besichtigen kann.

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Info-Box

Evang.-luth. Pfarramt Birk-Seidwitz
Pfarrerehepaar Heike & Matthias Öffner
Pfarrhaus Birk 1
95517 Emtmannsberg
Tel.: 09209/1210
Email: pfarramt.birk@elkb.de
Bürozeiten Dienstag 14-17 Uhr

Die Kirche ist das ganze Jahr tagsüber offen

Barockisierung  1783 & 1784

Aber auch die Kirche war 1683 „klein und finster“ und reparaturbedürftig, 1694 besserte man nur notdürftig aus. Wilfert meint, „es ist fast anzunehmen, dass St. Jakobus der Name der Kirche war, die neben der Veronika-Kapelle gebaut wurde, 1683 und 1694 als ziemlich klein und finster und baufällig gekennzeichnet, 1783 und 1784 von Grund auf neu gebaut wurde.“

Denn fast 90 Jahre dauerte es, bis der Ort eine neue Kirche bekam. Ab 1728 wurde schon der erste Kostenanschlag zwecks Erweiterung der Kirche beim Hofbauamt in Bayreuth eingereicht, daraus wurde nichts. So kleine Landgemeinden hatten es selbst in einem baufreudigen Markgraftum nicht leicht, sich durchzusetzen. „Offenbar hat die Gemeinde Birk jeden Wechsel in der weltlichen und geistlichen Obrigkeit Bayreuths zu neuen Anträgen benützt“, notiert Wilfert aufgrund des Schriftwechsels im Pfarrarchiv.

Erst 1783 gelang der wiederholte Antrag, diesmal auch für den ebenfalls wieder baufälligen Turm. Inzwischen war (seit 1769) der Ansbacher Markgraf Alexander auch in Bayreuth an die Macht gekommen. Die Bauarbeiten an Ort und Kirche Weidenberg unter dem Hofarchitekt und Leiter des Hofbauamtes Johann Gottlieb Riedel (1722-1791) waren abgeschlossen und dieser hatte 1781, also zwei Jahre zuvor, die Bayreuther Friedhofskirche in der Altstadt eingeweiht. Er wurde auch der Architekt für Birk, erweiterte das Langhaus zum Saalbau in 3 Achsen, baute das Kirchenschiff aus Sandsteinquadern höher und ließ es mit einem Walmdach decken. Für den Turm fertigte er 2 Risse zur Auswahl.

In dieser Phase bekam Pfarrer Salomon Heinrich Haberstumpf energische Unterstützung von seinem Pfarrersfreund Johann Theodor Künneth, Bäckerssohn aus Creußen, der seit 2 Jahren in Bayreuth Superintendent war (entspricht heute einem Dekan). Künneth bestimmte beim Altar und bei der Fenster- und Portalgestaltung mit, auch bei der Entscheidung für einen schiefergedeckten Spitzhelm auf dem gedrungenen Chorturm (statt eines Barockhelms) und beim Ritual sowie dem „Menu“ zur Grundsteinlegung am 15. Mai 1783.

1823 ließ der Nachfolge-Pfarrer Heinrich Christian Haberstumpf auf eigene Kosten eine Inschrift zu Ehren seines Vaters über dem Hauptportal der Kirche anbringen, in der er Theodor Künneth, auch den Architekten Riedel aber nicht erwähnt: „Unter der Regierung des Markgraf Alexander und durch Veranstaltung des Pfarrer Sal. Heinrich Haberstumpf dahier, nachmalig Superintendenten zu Kulmbach, ist diese Kirche ganz neu erbaut worden in den Jahren 1783 u. 84.“

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Deckenstuck wie für eine Hofkirche

Die Entwürfe für den Deckenstuck gab wie üblich der Architekt vor, wobei dem jeweiligen Stukkateur einiger Spielraum blieb. Hofbaumeister Johann Gottlieb Riedel sorgte in Birk für ein hohes Niveau, gab dem Mittelfeld an der Langhausdecke mit dem Auge Gottes im Trinitäts-Dreieck, von Strahlen- und Wolkenglanz umgeben, viel Raum, platzierte die große A-Kartusche für Markgraf Alexander als geistlichem Oberhaupt mit Fürstenhut und der Jahreszahl 1784 über dem Chorbogen und genügend spielerisch-dekorative Freiheit für Ranken, Blattgehänge, Vasen, Engelköpfe und Engelflügel, Kranzgebinde und andere Ornamente im Rahmenstuck.

Mit der Ausführung wurde Johann Gerstendörfer (1743-1822) betraut, der bei seinem Vater Jakob Gerstendörfer gelernt hatte, mit ihm auch 1765 den eindrucksvollen bäuerlich-farbigen Deckenstuck in der nahen Laurentiuskirche von Stockau fertigte und nach dessen Tod 1777 die Werkstatt alleine weiterführte. In Birk ist der Stuck in Gold, Grauweiß- und Rottönen dezenter gefasst.

Altar & Kanzel = Kanzelaltar,
längst wieder getrennt

Der jetzige Altar geht auf das Jahr 1703 zurück, wobei unklar bleibt, wieweit er gotisch bzw. barockisiert war. Er stand im gotischen Chor (Turmuntergeschoss) und die Kanzel rückte an den Triumphbogen vor und konnte vom Kirchenschiff aus erreicht werden. Hofmaler Georg Christoph Kolb aus Bayreuth korrespondiert u.a. über die Vergoldung von Blindflügeln, Säulen und Zierrathen sowie einem Bibelwort am Altar. Auch einen neuen Taufstein gab es, dem Kolb als erfahrener Fassmaler und Vergolder Farbe gab.

Birk hat heute keinen, für Markgrafenkirchen typischen Kanzelaltar, obwohl sich auf dem Riedel-Plan zum Neubau der Kirche 1783 ein Kanzelaltar befindet und der alte Altar auch in einen solchen verwandelt wurde. Superintendent Künneth war „aus 100 Gründen“ dagegen, man ist ihm aber nicht gefolgt. Bis um 1900 verblieb der barockisierte Kanzelaltar aus der Zeit von Markgraf Alexander an seiner Stelle.

Und heute? Um 1900 wurde die Kirche mit Schiefer gedeckt und in dem Zusammenhang wohl auch ein wenig erneuert. Ein Bayreuther Bildhauer, dessen Name seltsamerweise nicht mehr bekannt ist), wurde mit der Anfertigung eines neuen Altars und einer neuen Kanzel beauftragt. Der Altar wurde von diesem Bildhauer neu gestaltet, behielt aber Elemente des alten im Aufbau wie das markgräfliche Hohenzollern-Wappen mit Fürstenhut und einen Barockengel im Auszug und die geschnitzten seitlichen Wangen.

Aber nach Herausnahme der Kanzel aus der Altarmitte stiftete Michael Neukam aus Windischenlaibach ein neues Gemälde mit dem segnenden Christus im Nazarener Stil, das bei der letzten Renovierung 1972/73 auf dem Dachboden des Gemeindesaales verschwand. Inzwischen wurde dieses Altarblatt auf der Altarrückseite angebracht, die aber nicht mehr – wie bis zur Renovierung üblich – als Wandelaltar-Schauseite dient. Die Altarmitte schmückt nun „eine moderne Darstellung der Auferstehung“ von Künstler Helmut Münch, der auch das Abendmahlsfenster im Chorraum gestaltete.

Die neue Kanzel mit frei hängendem Schalldeckel wurde an den alten Platz rechts vom Altar gesetzt, ist jetzt aber von der Sakristei aus zugänglich. Interessant die aufgeschlagene Bibel an der vorderen Brüstung mit Römer 16.17, wobei diese sowie die Kanzelauflage bzw. Buchstütze mit dem barocken Engelkopf noch vom ehemaligen Kanzelaltar stammen könnte (bitte Klick aufs Foto, um zu vergrößern). Im blauen Himmel des Schalldeckels entspricht die silberne Heilig Geist-Taube der barocken Ikonographie.

Die 4 Evangelistensymbole auf der Vorderseite der Kanzel werden in Birk in der (selten zitierten) Deutung des Kirchenvaters Hieronymus (347- 420) interpretiert:

. Matthäus als geflügelter Mensch, weil sein Evangelium mit der menschlichen Geburt Jesu beginnt,
. Markus als Löwe, weil er mit der Predigt des Johannes in der Wüste beginnt,
. Lukas als Stier, weil er mit dem Priester Zacharias und dem Opferdienst beginnt,
. Johannes als Adler, weil aus ihm der göttliche Geist sprichtund er sich wie ein Adler zur Sonne erhebt.

Auf jeden Fall stehen Kanzel und Altar doch eng beisammen und – von der Gemeinde aus gesehen (wenn man nicht gerade auf den Emporen hinter der Kanzel sitzt) – in gleicher Blickrichtung.

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Orgel & Grabsteine, Taufstein, Kronleuchter & Glocken – Es gäbe noch viel zu erzählen

Aber wir machen es (relativ) kurz.

Schon 1693 wollten die Birker ein „kleines Orgelwercklein“, zumal das benachbarte „elende Filialkirchlein“ Seidwitz „ schon 2 Orgelwerck gehabt“. Es gab darum einiges Hin und Her, auch mit dem Schulmeister, der nicht Orgel spielen konnte, aber sie wurde angeschafft und man fand auch Organisten-Schulmeister dafür. Die Region hatte tüchtige Orgelbaumeister und so wurde 1785 das inzwischen „ruinöse Orgelwerk“ vom Bayreuther Hoforgelmeister Georg Ernst Wiegleb erneuert. 1868 wurde eine neue von Orgelbaumeister Weineck zu Bayreuth gebaut, die Preise stiegen und der Staat beteiligte sich; um 1900 wurde sie überholt.
Die jetzige Orgel von 1975 (mit 9 Registern, auf 2 Manuale und Pedale verteilt und von „schöner Klangfülle“) stammt von Orgelbaumeister Werner Baumgartner aus Neuenreuth bei Thurnau. Und an jungem Organisten-Nachwuchs in der Gemeinde scheint Gott -Lob kein Mangel zu sein.

Im Chor der Kirche befinden sich neben 2 gotischen Fresken und einem gotischen geschnitzten Christus auch 4 alte Grabsteine aus der 2. Hälfte des 17. Jh., davon 3 Kindergrabsteine und 1 verwitterter Grabstein, auf dem noch etliche Wappen zu erkennen sind. Die Epitaphien der Adeligen sind verschwunden, nur die Texte überliefert. In der Sakristei hängt aus der Zeit um 1720 ein Ölgemälde, das der Hofer Kirchenmaler Heinrich Matthäus Lohe von seinem Pfarrerbruder in Birk, Wolfgang Samuel Lohe, fertigte.

Der Taufstein in der Kirchenmitte vor dem Altar ist nicht mehr der von 1703, Geschmäcker ändern sich, er wurde 1873 von Familie Friedrich Frank als Dankopfer für die Errettung eines Kindes vom Tod gestiftet.

Ein Messingkronleuchter für hohe Festtage wurde schon einmal, 1792, von Bauer Johann Walther aus Windischenlaibach gestiftet, aber 1829 gestohlen. 1877 kaufte man einen neuen, 1926 wieder einen – diesmal aus Messingbronze und schon mit elektrischen Kerzen, der bei der letzten Renovierung 1973 mit Wachskerzen versehen wurde.

Die spannende Geschichte der 3 Glocken (von denen 2 „im Kern“ noch von 1729 stammen) kommt ebenfalls zu kurz, obwohl man von ihnen besonders viel weiß, wie sie zersprangen, umgeschmolzen wurden, die große beim mehrwöchigen Trauergeläut für den Bayerischen König Max I. Josef wieder zersprang, wie sie im 2. Weltkrieg eingezogen und danach wieder aufgefunden wurden, welche alten Inschriften (samt markgräflichen Wappen und Initialen von MG Carl Georg Friedrich und Superintendent Friedrich Caspar Hagen), Liedtexte und Verzierungen darauf noch erhalten sind und wie eine dritte (mit Lutherrose und Ein feste Burg ist unser Gott) als besondere Euphon-Glocke (aus zinnfreier Bronze) noch 1950 angeschafft werden konnte.

Auch zur Turmuhr-Geschichte ab 1673 (für die der Staat nachgewiesenermaßen eine Baupflicht hat) und die immer wieder repariert und später erneuert werden musste, bleiben wir knapp.

Und die beiden kostbaren Vortragekreuze aus dem 18. Jhd. können wir hier nur abbilden.

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Jesus segnet einen Hitlerjungen – Emporenbilder aus den 30er Jahren

Die dreiseitige, heute schmucklose Doppelempore „erinnert an die ersten  Emporeneinbauten in den markgräflichen Kirchen“, so Alfred Schelter 1981 bei seinem Kirchenvergleich. An der bauchig vorspringenden Orgelempore gab es übrigens früher besondere Plätze für die Angehörigen der drei eingepfarrten Rittersitze (die verschiedentlich für ihre Spendenbereitschaft in den Archivalien gelobt werden).

In den 30er Jahren, also im 3. Reich, wurden die Emporenfüllungen während einer kleinen Renovierung aber durch Malereien „gezieret“, eine „Mischung zwischen dem sogenannten Nazarenerstil und realistischer Bauernmalerei“, die man später in der Fachwelt nicht mehr schätzte. Den akademischen Maler Friedrich Preuß von Altenburg hatte die Landeskirche damals empfohlen. Er stellte das Leben Jesu dar – mitten unter einigen „Birker Charakterköpfen“, als Kinderfreund, mit einem Feuerwehrmann oder bei Saat & Ernte. Auch jedes Dorf bekam sein typisches Bild, „so Wallenbrunn mit seinem Osterbrunnen, an dem Johannes die Taufe vollzieht, Windischenlaibach mit dem Weg nach Emmaus, Draisenfeld mit dem Unkraut unter dem Weizen, Birk als brennendes Dorf während des 30jährigen Krieges, Eichschlag mit dem die Kinder segnenden Jesus.“ (Kirchenführer Birk 2015)

Diese Bilder auf Karton wurden im Rahmen der Renovierung in den Jahren 1972/73 erst irgendwo deponiert und verschwanden dann spurlos. Warum? Sie waren „peinlich“. Denn der barmherzige und volksnahe Jesus, der die Sünder liebt, sitzt da als Kinderfreund „mitten unter Wiesenblumen und segnet 2 Kinder, ein Mädchen im Dirndl und einen Jungen in HJ-Uniform. Rechts ein 2. Mädchen, etwas entfernt, als ob es denkt: Darf ich da auch hin? Und links nochmal ein Hitlerjunge, der Jesus halb den Rücken kehrt und in die Ferne schaut, als sinne er nach, ob er in dieser ‚großen gewaltigen Zeit‘ noch zu dem Jesus gehöre.“

Pfarrer Johannes Wilfert fügt in seinem Bericht 1987 hinzu „Und im Krieg waren alle Hitlerjungen Soldaten und ihre Mütter beteten, dass sie doch wieder heimkommen dürften. Und dann konnte von diesem Bild ein Trost ausgehen: dass es für alle jungen Menschen, auch in der Uniform der jeweils herrschenden Tyrannen, auch in den Verführungen, denen sie erliegen, die Liebe Jesu Christi gibt.“
Es sind innere Bilder, die man im Herzen behält.

Und noch ein Bild kam später an die Emporenbrüstung, erst 2014, Jesu Porträt auf dem Schweißtuch der Heiligen Veronika, der die Kirche ihren Namen verdankt.
In der Markgrafenkirche Neudrossenfeld ist es auf der (Wandel-) Altarrückseite als Gemälde noch aus der gotischen Zeit zu sehen, zum Gedächtnis an Jesu Leidensweg, als Veronika ihm ihr Tuch zum Abwischen seines Schweißes gab und sein Gesichtsabdruck darauf verblieb – ein später wundertätiges Tuch, um das sich viele Legenden rankten.
In Birk hing es 2015 noch. Ob diese Barmherzigkeit inzwischen auch peinlich ist? Nicht „stilgerecht“?

Barockes Pfarrhaus von 1714

Das Schloss bzw. das adelige Wohnhaus des letzten Pullenreuthers (der 1377 starb) sollte samt Grundstücken als seine Stiftung dem künftigen ordentlichen Seelsorger dienen. Um 1400 gab es schon einen Pfarrer in Birk, der darin wohnte. 1561 wurde hier ein neues – vermutlich ein Fachwerkhaus – erbaut. Und 1714 entstand „ein Neubau ganz aus Steinen“ mit Stallungen, Scheune und Brunnen. In dem Jahr wurde auch eine Linde gepflanzt, die 200 Jahre gedieh. Längst ist eine neue gepflanzt.

Der Sockel des zweigeschossigen, renovierten Pfarrhauses und zwei der Seitenwände sind aus Sandsteinquadern gefügt, die beiden anderen aus Brockenmauerwerk. Ergänzt wird der repräsentative Bau durch eine Sandsteintreppe zur rustizierten Eingangstür, eine Stützmauer sowie ein Walmdach.
Adresse = Birk 1. (Die Kirche hat die Adresse: Birk 8).

Der gut erhaltene Inschrift-Sandstein über der Tür zitiert nicht nur das Baujahr sowie Psalm 127, Vers 1

„Wo der Herr das Hauß nicht bauet so arbeiten
um sonst die dran bauen Wo der Herr nicht die
Stadt behütet so wachet der Wächter um sonst“,

sondern auch die Initialen von Georg Wilhelm Markgraf Zu Bayreuth und – wie sehr viel später, nämlich 1935, Bertolt Brecht in seinem Gedicht über die Fragen des lesenden Arbeiters fordert – die Initialen der am Neubau beschäftigten Handwerker und speziell Maurer, damals wie heute ungewöhnlich, wenn auch eine Zeile unter

  • M.J.A.R.P. = Magister Johann Adam Rösler, Pastor, nämlich
  • P.K. = Paul Koch, damals Gotteshauspfleger
  • M.K. = Matthias Küfner, Zimmermann und Gotteshauspfleger,
    half das Gotteshaus bauen
  • J.Z. = Josef Zerer, Maurer zu Weidenberg, der mit Creußener & Weidenberger Maurern das Haus aufführte.

Es gibt im kleinen Ort noch ein schönes, zweigeschossiges Wohnstallgebäude mit Frackdach,  bez. 1791 (= Birk 12 ), wobei das Obergeschoss  und der Giebel in Fachwerk ausgeführt sind – und einen rechteckigen barocken Sandsteinbrunnen um 1800
(= Birk 26).

Text & Fotos: Dr. Karla Fohrbeck

Literatur:

  • 1970. Karl Dill. Die alten Flurdenkmäler im Landkreis Bayreuth, S. 7f
  • 1981. Alfred Schelter. Der protestantische Kirchenbau des 18. Jahrhunderts in Franken.
  • 1982. Helmuth Meißner. Katalog der Kanzelaltäre in Oberfranken.
  • 1987. Johannes Wilfert. Emtmannsberg im Spiegel seiner Geschichte.S. 245-  Birk.
  • 2014. Evang.-luth. Pfarramt Birk. 1784-1994. 210 Jahre St. Veronika-Kirche Birk. (als Gemeindebrief gelb)
  • 2015. Evang.-luth. Pfarramt Birk. Die Kirche St. Veronika (Kirchenführer Ms.)

Wir verweisen auch auf die allgemeinere Literatur zu den Markgrafenkirchen im Vorspann zu den Einzelkirchen
und auf die direkten Links zum Künneth-Palais in Creußen und die MGKirchen in Creußen, Emtmannsberg und Neunkirchen.

Weitere Markgrafenkirchen finden Sie auf unserer Übersichtskarte