Project Description

ENTDECKE

MARKGRAFENKIRCHEN

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GLASHÜTTEN
ST. BARTHOLOMÄUS

Glashütten liegt ca 16 km südwestlich von Bayreuth am nordöstlichen Rand der Fränkischen Schweiz. Ein Teil des Weges zwischen Glashütten und Altenhimmel folgt der alten Via Imperialis, einer mittelalterlichen Handelsstraße. Der Ort hat heute fast 1.500 Einwohner, ist eine eigenständige Gemeinde und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Mistelgau. Vor allem durch die Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg sind etwa ein Viertel der Ew. katholisch.

Evangelische Kirchen, die (meist schon seit katholischen Zeiten) dem Jesus-Jünger Bartholomäus geweiht sind, gibt es in der Region einige. Diese einst adelige Patronats-Kirche, heute eine Filialkirche von Mistelgau, ist ungewöhnlich, auch im Kontext der typischen Kirchen im Markgrafenstil, denn das ist sie innen. Mit ihren 3 auffallenden schieferblauen Turmspitzen und dem roten Dach steht sie klein und doch monumental wie eine alte Wehr- oder Chorturmkirche im Friedhof am Ortsrand von Glashütten. Aber das ist sie nicht, auch wenn sie als Kapelle und Kirche eine lange Geschichte hat. 1922 hatte man Mut zu einer „expressionistischen Moderne“ – und integrierte diese neue Sicht in die alten Strukturen.

Info-Box

Evang.-Luth. Pfarramt Mistelgau
Schulstr. 4, 95490 Mistelgau, Tel. 09279 1711
E-Mail: pfarramt.mistelgau@elkb.de
www.kirche-mistelgau-glashuetten.de

Evangelische Schlosskirche St. Bartholomäus
Schlossstraße 7, 95496 Glashütten

Gottesdienst SO 8.30 (Kirchweih SO vor bzw.am 24. August)
Die Kirche ist ganzjährig tagsüber geöffnet

Altes & Neues Testament: Es werde Licht (Genesis & Pfingsten)

Ortschronik als Bildergalerie

Kopf hoch, bevor Sie durch den Vorbau die Kirche betreten! Sie entdecken über sich die Bilderfolge einer einprägsamen Ortschronik – auf einige wichtige Daten in der Geschichte von Glashütten verteilt. Sie wurde 1937 auf Holztafeln gemalt und mit je einem Merksatz pro Jahreszahl versehen.

– 11. Jh. Die legendäre Gründung von Glashütten durch einen Klausner (Damals dürfte dort eine Kapelle gestanden haben, die dem Heiligen Nikolaus geweiht war. Eine alte Statue des Patrons fand sich später auf dem Schloss-Dachboden. Ab 1426 war ein Zweig der Ritter von Wirsberg hier ansässig, die ein Schloss mit Schlosskapelle bauten, die im Bauern- oder Markgrafenkrieg zerstört wurden).

– 1553. Wiederherstellung des Schlosses durch den Bischof von Würzburg (wieder mit einer Schlosskapelle. Aber das Markgraftum war seit 1528 durch die Reformation evangelisch und dies wohl ein letzter Akt katholischer „Gegenreformation“. Ab 1575 hatten jedenfalls die evangelischen Freiherrn von Lüschwitz das Patronat über Glashütten).

– 1632. Zerstörung von Glashütten durch Marchese de Grana (Schloss, Kapelle und Ort wurden im 30jährigen Krieg zerstört, Tröbersdorf 4 Jahre später).

– 1679. Übergabe des Stiftungsbriefes durch den Freiherrn von Lüschwitz

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Epitaphe und Wappen aus dem 17. Jahrhundert

17. Jh.  . . . Für die boa Leid a eigne Kerng?

Eine Jahreszahl fehlt in obiger Bilderchronik: 1616/17, als der damalige Schlossherr von Lüschwitz in seinem Gemüsegarten eine kleine Kirche mit Langhaus, Chor und Empore errichten ließ, durch markgräfliche Urkunde bestätigt. Und zwar hatte die Kirche im nahen Mistelgau, die auch für die 25 Anwesen in Glashütten zuständig war, genügend Bänke und Emporen, aber die waren „besetzt“. Für die Glashüttener bzw. Lüschwitzer-Untertanen war kein Platz für eine eigene Empore. Deshalb hat nun – laut Pfarrbuch – der Patron „Heinrich Gerhard von Lüschwitz zu Glashütten, fürstlicher Rat und Hauptmann zu Bayreuth, daselbsten beim hochadligen Schloß eine neue Kapelle von Grund auf erbauen lassen“.

Sein Motiv waren nicht nur zufriedene Untertanen, sondern unter anderem wohl auch der Wunsch, mit eigener Pfarrei eines Tages unabhängig zu werden. Aber der 30jährige Krieg brachte viel Unheil. 1620, 1622 und 1624 starben ihm seine drei kleinen Kinder weg, wovon ein Grabstein im Langhaus zeugt (Epitaph aus Sandstein mit Wappen in Umschriftrahmung), 1631 seine Frau Marie Blandine von Lüschwitz-Streitberg (Epitaph außen südlich am Langhaus, Doppelwappen in Umschriftrahmung). Kurz darauf, am 20. September 1632, „wurde das hochadlige Schloß von den kaiserlichen Völkern unter Oberst Marchese de Grana in die Aschen gelegt, auch das Kirchlein spoliert und die Glocken weggeführt.“

Der Sohn des Erbauers, Junker Gerhard Christof von Lüschwitz, hat die Kirche 1651 wieder instandgesetzt. Von ihm stammt im südlichen Chorfenster die Kabinettscheibe mit Doppelwappen (bez. 1651 MMVL GVD). Das Wappen seiner Frau mit der Jahreszahl 1657 ist ebenfalls erhalten.                                                                   

Wolf Gerhard Lüschwitz von Wolframshof ließ die Kirche – obwohl selber katholisch – als verantwortlicher Patron 1690-93 noch einmal renovieren. Über dem Chorbogen erinnert das bemalte Sandstein-Allianzwappen Lüschwitz- Lindenfels an ihn und seine Frau. Daneben sein Wahlspruch „Sei getrost und treu“.

Die Plätze der adeligen Lüschwitz-Familie befanden sich über der Sakristei in einer kleinen Patronatsloge links vom Kanzelaltar. Der Spruch darunter in „gehobener Bauernmalerei“ fasst noch einmal die 3 entscheidenden Bauphasen (den ersten Bau 1617 und die beiden Erweiterungen 1797 und 1922) zusammen: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses/ und den Ort, da deine Ehre wohnet“.

Altes & Neues Testament: 1. & 2. Adam (Exodus von Adam & Eva, Geburt Jesu mit Anbetung der Könige)

Erste Erweiterung im 18. Jh.  . . .

1751 wurde der Friedhof neben der Kirche angelegt. 1757 wurde die 1. Orgel angeschafft, gebraucht, und zwar kaufte man sie dem Gotteshaus in Neustädtlein ab. Das schlichte Gestühl stammt aus diesem Jahrhundert, auch ein alter Opferstock aus Holz mit Eisenbeschlägen sowie in der Sakristei ein Kreuzigungs-Gemälde (Öl auf Holz, eher aus der 2. Hälfte 18. Jh.). Die kleinste der heutigen 3 Glocken mit dem Namen Hallelujah stammt von 1792 und hat beide Weltkriege überlebt.

1796/97 erfolgte dann die Erhöhung des alten Kirchleins unter Pfarrer Hagen. Für den Ausbau der Kirche war Werkmeister Erhardt Gerstner aus Bayreuth verantwortlich, der den Boden beim Altar und die Mauern des Kirchenschiffs erhöhte, 4 neue Fenster einbaute und mitten aufs Dach ein Glockentürmchen setzte, einen Dachreiter. Die Pfarrgemeinde verschuldete sich dadurch beträchtlich.

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Barocker Kanzelaltar . . .

Heiligen-Figuren und Teile des Altars stammen noch aus dem adligen Familien-Oratorium des katholischen Schlossherrn und Kirchenpatrons Wolf Gerhard von Lüschwitz & seiner Ehefrau Regina, also aus der 2. Hälfte des 17. Jh. Der Altaraufsatz (= die Retabel) wird durch 2 Etagen mit jeweils 2 gewundenen zierlichen roten Säulen gegliedert. Neben den unteren ergänzen sich 2 kleinere freistehende Schnitzfiguren, links – so die Überlieferung – Apostel Paulus, rechts die Heilige Regina mit Krone, Kreuz und Kind (eine Kombination, die man andernorts auch als Allegorie für christliche Liebe findet).

Im oberen Gebälk wird der gekreuzigte Jesus (in der Haltung „Es ist vollbracht“), mit der I.N.R.I.-Verheißung zu Häupten und zwei goldenen Auferstehungsmuscheln zur Seite, von den Heiligen Nikolaus (mit Bischofsstab links) und Katharina (mit Rad rechts) – beide jeweils auf Konsolen – flankiert, Symbole für die kollektiv-kirchliche und die individuell-persönliche Nachfolge. Im Doppel(= Allianz-)wappen Lüschwitz & Groß von Trockau ist das Lüschwitz’sche Einhorn gut zu erkennen.

Stadtkirchen-Pfarrer Hans-Helmut Bayer aus Bayreuth verdanke ich den wertvollen Hinweis, dass die katholischen Einwohner von Bayreuth bis zur Fertigstellung ihres eigenen Oratoriums nach Glashütten zur katholischen Messe pilgerten. Ich zitiere: „Die dortige katholische Herrschaft derer von Lüschwitz hatte sich schon Ende des 17. Jh. neben der evangelischen Schlosskirche ebenfalls ein reich geschmücktes Oratorium bauen lassen und einen eigenen Kaplan eingestellt. Als die Herrschaft 1728 ausstarb, fiel das Lehen zurück an den (evangelischen) Markgrafen. Das Oratorium wurde abgerissen, aber der katholische Altar kam mitsamt den Heiligenfiguren (Nikolaus und Katharina) in die evangelische Kirche. Insofern ist die Glashütten Kirche eine Markgrafenkirche (Kanzelaltar) der ganz besonderen Art.“ (Brief  vom 21.3.2017)

Es spricht alles dafür, dass die polygonale Kanzel mit Sockel, blumenbemalten Aufsätzen an den Brüstungsfeldern und dem Schalldeckel mit Schnitzornamenten schon bei dieser Gelegenheit (also unter Markgraf Georg Friedrich Carl, 1726-1735) in den Altar integriert wurde –und nicht erst bei der Erweiterung der Kirche 1796/97, was man bisher annahm.

. . .  & Taufengel

Ob der Taufengel in Glashütten von 1720/1730 stammt, wie häufig zitiert, bezweifelt Helmuth Meißner, der 1966 in seinem Büchlein über die Taufengel in Oberfranken 62 Taufengel auflistet, wovon im Landkreis Bayreuth noch 7 existieren und auch in Funktion sind. Die Taufengel aus diesem Zeitraum stammen zumeist aus der Werkstatt von Elias Räntz (1649-1732) und haben doch einen recht anderen Charakter.

Als Sohn Johann Gabriel Räntz (1697-1776) die Werkstatt fortführt, werden sie modischer, eleganter, mit nacktem Oberkörper, erotischer – wie in Benk (1743) oder St. Johannis (1758). Auch der in Gesees (1767) von Andreas Neuhäuser (1728-1779) gehört diesem Typus an, ebenso der in Trebgast (1772) von Franz Schuh (1734-1803). Meißner nimmt daher für den Glashüttener Taufengel „im blauen flatternden Kleid“ eher den späten Zeitraum 1795 an, als der Kanzelaltar zusammengestellt wurde. Den Bildschnitzer weiß man nicht mehr. 1905 stiftete eine Familie Opel noch eine neue, etwas tiefere Taufschüssel, die seitdem auf die große flache Holzschale (59 cm Durchmesser) aufgelegt wird.

Im 19. Jh waren Taufengel in der Region nicht mehr modern, sie galten als ländlich und zu bunt, der spätere Typ auch als „zu peinlich“, man kaschierte die Blöße durch lange Taufschalentücher, die Taufengel verschwanden auf dem Dachboden oder sind verschollen, wurden übertüncht (wie in Emtmannsberg) oder ausgemustert (wie in Glashütten).

Im 20. Jh erinnerte man sich ihrer wieder. Schutzengel kamen in den 20er Jahren vor allem in evangelischen Kirchen in Mode und so kam auch dieser Taufengel bei der Wiedereinweihung der Kirche 1922 erneut in Gebrauch – bis heute, auch wenn er in der recht kleinen „Puppenstuben-Kirche“ nicht viel Raum hat, unter den Arm genommen und je nach Gelegenheit vor oder hinter dem Kanzelaltar platziert wird.

Die große Hungersnot 1816/17 –
Votivtafeln in einer evangelischen Kirche

In katholischen Reliquien- und Wallfahrtskirchen sind Votivtafeln, Votivbilder oder Erinnerungsstücke an wunderbare Errettung so häufig, dass oft eigene Kammern dafür reserviert wurden – so in Gößweinstein, Vierzehnheiligen oder Marienweiher. In evangelischen Kirchen hat das Seltenheitswert. In Glashütten sind es die beiden Kästen mit Ähren verschiedener „Getraidsorten“ und zwei hinter Glas gerahmte Gedenktafeln vom Königlichen Förster Wilhelm Heinrich Carl Schöntag, die an die katastrophale, weitverbreitete Missernte 1816 und die anschließende große Hungersnot und die „nie gehörte anschließende Theuerung“ erinnern, aber Gott auch für Überleben und Bewahrung aus tiefstem Herzen danken. Hier die Inschrift im Zeilen- und Wortlaut:

„Die Theuerung drückte hart das Land.
Gott deine treue Vaterhand
Hat gnädig abgewendet
Die Noth  und Hülf gespendet.

Gott zu Ehren
wurde dieses nach der glücklich über
standenen furchtbaren seltenen Theuerung
in diesem Jahre und darauf erfolgten mit
telmäßigen Ernte gestiftet vom Königl. Förster
Wilhelm Heinrich Carl Schöntag
dahier zu Glashütten am Reformations Fest
den 30. October 1817“

Die Getreide- und Erntesorten aus den Folgejahren, die ein Konrad Schamel dargebracht hat und die die Votivkästen füllen, werden von Förster Schöntag aufgelistet = Weizen, Korn, Gerste, Haber, Erbsen, Linsen, Mischgetraid, Erdäpfel und Rüben – und zwar zusammen mit den Theuerungspreisen pro „Metzen Baierisch“.

„Gott, der die Welt/ Regiert und hält// Wollt uns so lang wir leben/ Was nöthig ist stets geben!“

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Expressionistische Turmfassade 1922 . . .

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Die charakteristische „dreizipflige“ Turmfassade erhielt St. Bartholomäus erst 1922 durch den „rühmlich bekannten“ Bayreuther Architekten Hans Carl Reissinger (1890-1972).
Damals wurde die Kirche westlich um eine Fensterachse erweitert und die westliche Turmfront mit Eingangshalle angebaut, zeitgleich die Sakristei nach Norden vergrößert.

Anlass: Im 1. Weltkrieg wurden die beiden Glocken eingezogen. Durch Spenden von Auswanderern nach USA konnte man eine neue Glocke anschaffen und da der historische Dachreiter auf dem Kirchenschiff ohnehin zu klein war, entstand der Plan zu dieser Turmfassade. Die Anregung kam von Pfarrer Friedrich C. Seggel.
Die Bilderchronik am Vorbau enthält ein eigenes Gemälde zur Einweihung des erweiterten Turmneubaues 1922, auf dem u.a. Architekt und Pfarrer abgebildet sind.

Reissinger plante zur gleichen Zeit auch den Asenturm auf dem Ochsenkopf und restaurierte 4 Jahre später die Lindenhardter Kirche (wobei die Grünewald-Tafeln auf dem Flügelaltar von Karl Sitzmann entdeckt wurden). „Er war zweifellos ein begnadeter Architekt. Seine Planung für die Bauvereinshäuser um den August-Bebel-Platz in der Altstadt Bayreuth sind ein wunderschönes Beispiel für Arbeiterwohnungen in Umsetzung der Gartenstadtidee der frühen 20er Jahre: eine der gelungensten Sozialsiedlungen in Bayreuth“ notiert Stadtgeograph Herbert Popp und führt das im Exkursionsführer „Bayreuth neu entdeckt“ (2007, S. 154-156) auch weiter aus. Aber das sollte nicht so bleiben.

Denn nach dem 2. Weltkrieg war Architekt Reissinger allerdings eher „unrühmlich bekannt“. Seine opportunistische Karriere im Dritten Reich belastete das ehemals positive Image. Im März 1935 inszenierte Reissinger die pompöse Trauerfeier für den tödlich verunglückten Gauleiter Hans Schemm, bei der Adolf Hitler und fast die gesamte NS-Hierarchie anwesend waren. Von seinen Bayreuther Bauplänen – u.a. zum monströsen Haus der Erziehung, zu einem liegenden Hakenkreuz-Denkmal aus Granit oder zur Ludwig-Siebert-Festhalle (= Umbau der markgräflichen Reithalle) – ist im Historischen Museum Bayreuth noch das Modell des gigantischen (Gottlob nicht mehr realisierten) Gauforum Bayreuth, für das Reissinger 1939 den Plan entwarf – „ein Riesenareal, das sich unmittelbar an die Friedrichstraße anschließt und bis zum Röhrensee sowie die heutige Birkenstraße reicht.“ (Herbert Popp, aaO. S.27 & 107f).
Reissinger wurde 1948 von der Spruchkammer als Mitläufer eingestuft. Danach zerplatzte die größenwahnsinnige Seifenblase.

In Bayreuth hat er in den Jahrzehnten danach nicht nur die Villa Wahnfried wieder aufgebaut (er war Onkel von Wieland Wagners Frau, der Tänzerin & Choreografin Gertrud Reissinger) und die Ludwig-Siebert-Festhalle zur Stadthalle umfunktioniert (ab 2022 Friedrichs-Forum), sondern u. a. auch evangelische Kirchen im Kreuz und in der Saas, eine auch in Kulmbach errichtet.

Altes & Neues Testament: Wiedergeburt (Jonas & der Walfisch, Jesu Auferstehung)

 . . .  & expressionistische Bildemporen innen

Noch vor dem 1. Weltkrieg 1912/13 wurde von der Fa Strebel in Nürnberg eine neue Orgel eingerichtet. Beim Umbau der jetzt erweiterten Kirche bekam sie 1922, vier Jahre nach Kriegsende, durch die Orgelbauerfirma Steinmeyer aus Öttingen eine günstigere Neuaufstellung auf der 1. Empore. Aber nicht nur dafür musste innen einiges geändert werden, und trotz der inzwischen zweifachen Vergrößerung wirkt der Innenraum immer noch beengt.

Die doppelten Emporen, die das Kirchenschiff umziehen, erhielten erst 1922 expressionistische Brüstungsbilder. Sie beleuchten bzw. kombinieren jeweils ein Thema aus der Sicht des Alten und des Neuen Testaments, dazwischen durch gut lesbare Bibelworte in „Bauernmaler-Schrift“ aufgelockert.

Bildthemen Untere Empore:

  • rechts vorn = Evangelist Matthäus mit dem Engel, dann Sündenfall & (sündenfreie) Geburt Jesu („1. & 2. Adam“);
  • auf der Westseite = Jonas & der Walfisch sowie Jesu Auferstehung („Wiedergeburt“)
  • an der untersten Nordempore = Gott als Schöpfer & Pfingsten („Es werde Licht“) sowie der Evangelist Johannes.

Bildthemen Obere Empore:

  • vorn rechts die Sintflut, die Taube über dem Wasser und Jesu Taufe im Jordan (ein „Wasser-Motiv“, das sich auch in der Kirche Bindlach am Taufholz in den Gemälden von Wilhelm E. Wunder entdecken lässt)
  • auf der oberen Nordempore Jesu Abendmahl (im gängigen Leonardo-Stil), eine fromme Familie am Sonntag zuhause & ein Kelch in Wolken („wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“).
  • Die Mehrheit der Bilder stammt von Theo Dreher (1904-1969), Sohn eines Bühnenmalers und selber Kunstmaler, Zeichner und Grafiker. Er lebte seit 1913 in Würzburg, später in Saal a. d. Saale und dann im Landkreis Rhön-Grabfeld. Der einfache Rahmenstuck ist von Malermeister Weißbrodt aus Bayreuth.

. . .  & ein letztes trinitarisches Deckengemälde von 1937

Die Decke wurde im nicht mehr ganz so frommen Dritten Reich bemalt. Auch von Theo Dreher, der für seine fränkischen Landschaften bekannt war? Denn der dreifaltige und dreieinige Gott in Gestalt von Gottvater, Taube und Lamm wacht über dem Ort Glashütten und seiner Kirche mit den 3 Türmchen, auf dem Bild liebevoll gemalt und genau zu erkennen. Die Inschrift lautet „Siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Trost und stiller Widerstand in einem 1000jährigen irdischen Reich, das dann doch 1945 mit Schrecken unterging. Viele Einwohner von Glashütten gehörten damals der „Bekennenden Kirche“ an.

1993/94 wurde bei der großen Innenrenovierung durch das Landbauamt Bayreuth nicht nur grundlegend saniert, sondern auf Wunsch der Kirchengemeinde die Gestühls-Anordnung aufgelockert, um den geänderten Sitzbedürfnissen entgegen zu kommen. Die (jetzt heizbaren) Bänke wurden von der kalten Außenmauer abgerückt und in größerem Abstand neu aufgestellt. Die dunkelblaue Farbgebung für Gestühl und Emporen und die weiße für die Wände beließ man bei der Fassung von 1922, zumal sie mit den Emporen-Malereien aus dem Jahr und dem Deckengemälde von 1937 korrespondiert und so „ein geschlossenes Konzept erhalten bleibt“. Auf eine Rekonstruktion von Wandfresken aus der Zeit vor 1797, die man im Zuge der Säuberungsarbeiten an der Raumschale im Chorbogen freilegte, verzichtete man daher.

Text & Fotos: Dr. Karla Fohrbeck (2021)

Literatur:

  • 1952. Walter Meier. Glashütten in Evang.-luth. Dekanat Bayreuth (Hg): Unser Bayreuther Kirchenbezirk.
  • 1959. August Gebessler. Stadt und Landkreis Bayreuth (Reihe Bayer. Kunstdenkmale)
  • 1966. Helmuth Meißner. Taufengel in Oberfranken.
  • 1981. Alfred Schelter. Der protestantische Kirchenbau des 18. Jahrhunderts in Franken
  • 1982. Helmuth Meißner. Katalog der Kanzelaltäre in Oberfranken.
  • 1992. Wilfried Römischer. Glashütten in. Evang.-luth. Dekanat Bayreuth (Hg). Evangelisch im Bayreuther Land
  • 1994. Landbauamt Bayreuth. Filialkirche Glashütten. Kurzbericht zur Inneninstandsetzung 1993/94
  • 2001. Peter Poscharsky: Die Kirchen in der Fränkischen Schweiz (4. Auflage)
  • 2021. Internet Pfarramt Mistelgau, darunter Glashütten = 3 S.

Verweise:

  • 1962. Gottlieb Müller: Chronik von Glashütten (damals vervielfältigtes Ms.)
  • 1972. Helmuth Meißner in Fränk. Heimatbote Nr.5
  • 1976. Christa Klein: Die Geschichte Glashüttens, Bayreuth
  • 1983. Friedrich Karl Seggel (Pfr.) S. 139f im Hummelgauer Heimatbuch. Bayreuth

Wir verweisen auch auf die allgemeinere Literatur zu den Markgrafenkirchen im Vorspann zu den Einzelkirchen
und auf den direkten Link zur Markgrafenkirche in Mistelgau (noch in Arbeit).

Weitere Markgrafenkirchen finden Sie auf unserer Übersichtskarte