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Hohenberg an der Eger – Markgrafenburg

Die kleine Stadt Hohenberg an der Eger im Landkreis Wunsiedel liegt am östlichen Rand des Naturparks Fichtelgebirge direkt an der tschechischen Grenze zur Nachbargemeinde Libà (Liebenstein). Auf einer 125 Meter über der Eger aufragenden Felskuppe am Rand des Ortszentrums erhebt sich die Burg Hohenberg. Sie ist die einzige noch vollständig erhaltene Burg im Fichtelgebirge und war nach der Plassenburg in Kulmbach die zweitwichtigste Festung im Markgraftum Brandenburg-Bayreuth. Zudem ist sie Station der zwei Kilometer weiter südlich gelegenen, von Bayreuth nach Eger verlaufenden Burgenstraße.

Das Entstehen des Sechsämterlandes

Die Burg entstand zur Zeit der Stauferkönige zwischen 1170 und 1220 im Zusammenhang mit der Sicherung der Reichsburg Eger. Der Ortsname erschien erstmals 1222 mit einem als Urkundenzeugen auftretenden Berchtoldus de honberg aus dem Adelsgeschlecht derer von Hohenberg. Das Fichtelgebirge umschloss dieses Gebiet wie ein Hufeisen und lockte besonders durch seinen Reichtum an Wild, Erz und Holz. Bisher hatte dieser Landstrich zum Reichsland Eger gehört. Doch um 1300 begannen die zollerschen Burggrafen von Nürnberg den westlichen Teil des Egerlandes aus der Herrschaft der Reichsstadt Eger zu lösen und ihrem eigenen Territorium einzuverleiben.

Die Burgen Wunsiedel und Hohenberg waren 1285 ihre ersten Erwerbungen. 1341 wird Rüdiger von Sparneck erster burggräflicher Amtmann auf Hohenberg. Die expandierenden Burggrafen, die sich ab Mitte des 14. Jh. Hohenzollern nannten, eigneten sich durch gezielte Erwerbspolitik nach und nach auch Kirchenlamitz, Selb, Thierstein und Weißenstadt an und stellten sie ebenfalls unter die Obhut eigener Amtmänner. So entstand bis ins 15. Jahrhundert hinein das Sechsämterland als politische Gliederung des Markgraftums Brandenburg-Bayreuth, das ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte. Heute ist dieses Gebiet nahezu identisch mit dem Landkreis Wunsiedel und die „Marke Sechsämterland“ ist eher touristisch und als Likör bekannt.

Info-Box

Wegen der aktuell kompletten Generalsanierung durch den Freistaat Bayern ist die Burganlage momentan leider geschlossen. Die Verwaltungsgemeinschaft Schirnding ist für den Bürgerservice zuständig. Fachauskünfte gibt Ihnen Stadtarchivar & Ortschronist Siegfried Röder.
Tel 09233-8447,
roeder.siegfried@gmx.de.

Gasthof „Zur Burg“ (Fam. Geiger)
Burgplatz
95691 Hohenberg
Tel 09233-9404

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Wächterin über das Tor nach Böhmen

Natürlich ließ sich die seit 1322 an Böhmen verpfändete Stadt Eger diese oft recht aggressive Erwerbspolitik der Nürnberger Burggrafen nicht einfach so gefallen. In allen Kriegen des 15. und 16. Jh. zählten die Egerer zu den erbittertsten Feinden ihrer westlichen Nachbarn. Dabei kam der hoch über dem Pass von Schirnding gelegenen Burg Hohenberg die wichtige Rolle der Wächterin über das Tor ins Egerland und nach Böhmen zu. 1433 z.B. verteidigte Hans von Kotzau Hohenberg gegen die Hussiten.

1462 aber, im Krieg des Markgrafen Albrecht Achilles inzwischen Markgraf von Ansbach, Kulmbach und Brandenburg mit dem Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut kam die Burg zu Schaden. Denn dieser war wiederum mit dem Böhmenkönig Georg von Podiebrad verbündet und so zog Egerer Kriegsvolk vor die Hohenberger Burg und beschädigte diese schwer. Der Egerer Bäckergeselle Haußner erhielt damals einen Ehrensold von einem Gulden, weil es ihm gelungen war, den Turm der Burg Hohenberg anzuzünden.

Der Markgraf ließ sich dadurch nicht entmutigen, er war mächtig und galt als einer der wichtigsten Fürsten seiner Zeit. Bis zu seinem Tod 1486 vereinigte er als Kurfürst in Brandenburg und Fürst in Franken alle Herrschaftsgebiete der Hohenzollern in seiner Hand: Franken „unter dem Gebirg”, „ob dem Gebirg” und die Mark Brandenburg. Bis ins hohe Alter setzt er sich für Kaiser und Reich ein. Er liebte Jagdvergnügen und große adlige Turniere. Und auf dem Kupferstich-Repro (Stadtarchiv Kulmbach) erstaunt selbst Kriegsgott Mars vor seinem Waffenglanz.

Markgraf Albrecht Achilles (*1414, Regierungszeit 1440-1486)

Verteidigung mit modernen Feuerwaffen

Nach den Zerstörungen des Bayerischen Krieges ließ Markgraf Albrecht Achilles die Hohenberger Burg den militärischen Anforderungen jener Zeitentsprechend ausbauen. Die heutige Burg Hohenberg entstand in ihren wesentlichen Teilen um 1480. Dazu gehören die Ringmauer mit den das Bild der Burg bestimmenden runden Geschütztürmen samt Schießscharten sowie die mit einem Wehrgang versehene unregelmäßig sechseckige Ummauerung. 1485 waren diese Um- und Neubauten bereits weitgehend abgeschlossen, lediglich am „Gezimmer“ des Wehrgangs und am Graben wurde noch gebaut. Um 1500 entstand dann noch eine halbrunde Bastion (eine sog. Barbakane oder Vorburg) vor dem Torturm, der den Zugang zum Inneren der Ringmauer (dem sogenannten Bering) vermittelt.

Im Landshuter Erbfolgekrieg, der nach dem Tod Herzog Georgs des Reichen von BayernLandshut ausgebrochen war, rechnete man 1504 mit der Feuertaufe der in Hohenberg neu entstandenen Befestigungsanlagen. Damals wurde angeordnet, das Dach der genannten Barbakane fertigzustellen. Der um die Burg führende Graben sollte ausgefegt und dahinter ein Wall aufgeschüttet werden. Dieser sollte eingerammte Palisaden als Brustwehr erhalten. Glücklicherweise blieben diese Vorbereitungen für eine eventuelle Verteidigung unnötig; Hohenberg blieb vor feindlichen Angriffen verschont.

Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (*1522-1557, Regierungszeit 1541-1554) beabsichtigte noch, die strategisch wichtige Burg Hohenberg zu einer mächtigen Artilleriefestung weiter ausbauen zu lassen. Ein von einem unbekannten Festungsbaumeister entworfener Plan, der im Staatsarchiv Bamberg aufbewahrt wird, zeigt eine mächtige quadratische Festungsanlage mit vier eigenartigen, tropfenförmigen Bastionen an den Ecken. Dieser ehrgeizige Plan wurde jedoch zugunsten des Festungsausbaus der Plassenburg aufgegeben. Außerdem war er – wie der Stich uns mitteilt – „ein welt-berühmter Krieges-Held, den Neid und Glück zu bald gefällt“.

Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach
(Kupferstich aus Rentsch’s Cedernhain von 1682)

Burg Hohenberg & der Dreißigjährige Krieg

Die alten steinernen Ringmauern hatten inzwischen knapp anderthalb Jahrhunderte auf dem Buckel und hätten weder den strategischen Anforderungen des frühen 17. Jahrhunderts noch dem damaligen Stand der Waffentechnik genügen können. Um das alte Gemäuer in eine moderne Artilleriefestung umgestalten zu lassen, fehlte noch immer das nötige Geld. Deshalb beschloss Markgraf Christian 1621, den „gatekeeper“ zum Pass von Schirnding wenigstens mit einem modernen Verteidigungssystem aus Erde umgeben zu lassen, das mit darauf gepflanzten Palisaden und 7 Bastionen zusätzlich befestigt wurde.

Diese neue, 1622 vollendete Umwallung konnte jedoch wenig helfen, als es ein Jahrzehnt später wirklich ernst wurde am Pass von Schirnding. Anfang Juni 1632 verbreitete sich die Nachricht, dass der kaiserliche Generalissimus Wallenstein mit einem Heer von 25.000 Mann in Richtung Eger marschiere. Markgraf Christian gab den Befehl zum Verhauen der Wälder. Der Pass von Schirnding wurde von der als „Ausschuss“ bezeichneten Landmiliz der umgebenden Orte und Dörfer besetzt. Mit diesen sicherlich auch nur unzureichend bewaffneten Männern machten die kampferprobten Soldaten Wallensteins kurzen Prozess. Innerhalb von wenigen Stunden waren der Pass und auch das „Grenzhaus Hohenberg“ in den Händen der Feinde und wurde von diesen 3 Jahre lang besetzt.

Fürstliches Jagdhaus & Kaiserliche Freistätte

Die Ereignisse des Jahre 1632 hatten gezeigt, dass die Burg Hohenberg trotz ihrer neuen Erdumwallung ohne eine zureichende Besatzung kaum noch von strategischer Bedeutung war. Soldaten waren eine teure Angelegenheit. Noch teurer war es, eine Festung zu unterhalten und immer wieder zeitgemäß zu modernisieren. Dies war schon bei der Plassenburg kaum zu finanzieren. Also wurde die Burg zu friedlichen Zwecken umgestaltet. 1666 ließ Markgraf Christian Ernst die Wohngebäude in der Hohenberger Burg erneuern. Das drei Stockwerke umfassende Fürstenhaus im Burghof wurde für gelegentliche Jagdaufenthalte des Markgrafen als standesgemäßes Quartier hergerichtet, ein Küchentrakt angeschlossen und dieser mit einem Wohnhaus für den Hohenberger Amtmann verbunden.

Die farbige Planzeichnung aus dem Jahr 1702 zeigt, dass es noch einmal darum ging, die Holzpalisaden auf den bastionierten Erdwällen der Burg Hohenberg zu erneuern – vielleicht auch noch die turmbewehrte Ringmauer aus der Zeit des Markgrafen Albrecht Achilles (in Umrissen jedenfalls zu erkennen). Doch der kriegserprobte Markgraf Christian Ernst verzichtete darauf. Im 18. Jahrhundert herrschte in der Markgrafschaft endlich und weitestgehend Frieden, eine Festung wurde im Fichtelgebirge nicht mehr benötigt und als Jagdschloss entsprach das nahegelegene Kaiserhammer den höfischen Ansprüchen der Zeit erheblich besser und bequemer. Die Burg Hohenberg fristete daher ein weitgehend unbeachtetes Schattendasein.

Als Markgraf Alexander (1736/1757-1806) abdankte, kam die Burg 1791 mit der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth zum Königreich Preußen. Aber noch bis 1799 war sie mit dem Privileg einer kaiserlichen Freistätte ausgestattet. Vier steinerne Säulen im Eingangsbereich zum Burghof zeugen noch heute davon (siehe Foto weiter unten). Einst standen sie an den Eingangswegen des Ortes und markierten einen Schutzbereich, in den Rechtsbrecher flüchten konnten. Diese standen dann unter dem Schutz des Kaisers und waren zunächst frei von Verfolgung.

Forstamtsgebäude & Porzellanfabrik

Nach vierjähriger französischer Besetzung gelangten Ort und Burg 1810 zum Königreich Bayern

Schon im frühen 19. Jahrhundert wurde ein großer Teil der inzwischen baufällig gewordenen Gebäude innerhalb der Ringmauer abgebrochen. Es betraf dies den größten Teil des hölzernen Wehrgangs, das zwischen Torhaus und Storchenturm gelegene Viehhaus, das zwischen Storchen- und Gefängnisturm gelegene Kornhaus, das schon erwähnte Amtshaus und das Obergeschoss des Küchenbaues. Die verbleibenden Gebäude fanden Verwendung als Wohnung und Dienstsitz des Försters. Die beiden Fotos zeigen das letzte erhalten gebliebene Stück des Fachwerk-Wehrgangs und den Felsenturm am Nordosteck der Ringmauer (des sog. Berings).

1815 bekam die Ehefrau des Försters Ernst Ludwig Reuß, der zusammen mit seiner Familie in der Hohenberger Burg wohnte, Besuch von ihrem Cousin Carl Magnus Hutschenreuther. Dieser war kein Hausierer – wie es der Volksmund behauptet – sondern ein Sohn des Thüringer Porzellanfabrikanten Johann Heinrich Hutschenreuther. Im Jahr danach heiratete Hutschenreuther des Försters Reuß Tochter und richtete in den Räumlichkeiten der Hohenberger Burg – dem Dienstsitz seines Schwiegervaters – eine kleine Werkstatt ein. Schon in seinem Traueintrag im Hohenberger Kirchenbuch vom 22. Dezember 1816 wird der Bräutigam als „angehender Porcellain-Fabrikant zu Hohenberg“ bezeichnet. 1822 bekommt er dann von der Regierung in München die Erlaubnis, beim Alaun-Bergwerk am südlichen Ortsrand die erste Porzellanfabrik im Fichtelgebirge zu gründen.

Im nostalgischen Rückblick handelt es sich hier um dieWiege der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge“. Original Hutschenreuther Hohenberg Bavaria Germany 1814-1935/39 (z.B. Kaffeegeschirr mit Goldrand & Kobaldblau Gold oder Einzelobjekte und Tafelgeschirr) werden heute noch von Sammlern gehandelt. In der ehemaligen Fabrikantenvilla ist seit 1982 das Deutsche Porzellanmuseum untergebracht. 1995 kam ein moderner Erweiterungsbau aus Glas und Stahl dazu und Hohenberg an der Eger wurde mit den nur 12 km entfernten 3 Porzellanmuseen in Selb zum Museumskomplex Porzellanikon zusammengeschlossen (www.porzellanikon.org).

Nachkriegsgeschichte

Seit 1936 gehörte die Burg dem NS-Lehrerbund und war Landschulheim. Im April 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden die westlichen Teile der Burg Hohenberg durch amerikanischen Artilleriebeschuss schwer beschädigt, als Soldaten einer Luftwaffeneinheit den Ort bis zum Schluss zu verteidigen suchten. Seit 1951 gehört die Burg dem Freistaat Bayern, der mit dem Wiederaufbau begann. Bis 2015 diente sie als Jugendherberge, Grenzland- und Ökologische Bildungsstätte, Learning Campus sowie als Begegnungsstätte des Sudetendeutschen Sozialwerks. Die Burg wird seit 2017 aufwändig renoviert und umgebaut, damit sie auch in Zukunft wieder von Burgenbesuchern, als Jugendherberge, für Tagungen und Events genutzt werden kann. Burg und Ort Hohenberg können im Jahr 2022 auf 800 Jahre ihrer Erstnennung zurückblicken.
Die im Volksmund „Kugelwerk“ genannte Brunnenskulptur vor der Burg wurde 1986 von der Sparkasse Selb gestiftet. Der Entwurf von Christian Götze (Berufsschule Stein bei Wunsiedel) greift das Motiv der Sechs Ämter in den 6 behauenen Granit(Kanonen)kugeln auf. Die Ausführung geschah durch den Natursteinbetrieb Lucka in Selb.

Text: Harald Stark (s.a. www.starks-historische-spurensuche.de)

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