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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Der Langheimer Amtshof und sein Barockgarten

Wie kaum ein anderes Gebäude neben der Plassenburg prägt der am Fuße des Festungsberges stehende Langheimer Amtshof als Nachbar des markanten Roten Turms das Kulmbacher Stadtbild. Neben der Petrikirche ist es das größte Altstadtgebäude in Kulmbach. Mit seiner reich verzierten Sandsteinfassade und dem schiefergedeckten Dach samt den zahlreichen kleinen Dachgauben lenkt es die Blicke immer wieder auf sich.

Klosterbesitz mitten in Kulmbach

Das in der Nähe von Lichtenfels gelegene Zisterzienser Kloster Langheim hatte in 47 Orten innerhalb des Fürstentums Brandenburg-Kulmbach Besitzungen. Bauern, die auf den bischöflichen Besitzungen wirtschafteten, hatten den Zehnt abzuliefern. Weil der Weg nach Kloster Langheim zu weit war, wurden die Abgaben in Kulmbach zwischengelagert.

Spätestens im 15. Jahrhundert ist deshalb in Kulmbach ein Klosterhof, der auch der Mönchshof genannt wurde, entstanden. Als Ursprung des Langheimer Mönchshofes gilt die Katharinenkapelle im Wohnhaus des Geistlichen Albrecht, der dem Grafen Otto VII. von Orlamünde als Schreiber diente.

Nichts besteht ewig …

Am Konraditag, dem 26.11.1553, wurde der Klosterhof, wie auch die übrige Stadt, ein Raub der Flammen. Aber über dem Schutt der alten Gebäude entstand bald ein neuer Amtshof. 1565 bestätigte Markgraf Georg Friedrich dem Mönchshof zu Kulmbach seine althergebrachten Privilegien.

Gut 120 Jahre später scheint dieser Amtshof so baufällig gewesen zu sein, dass Abt Gallus Knauer dem Markgrafen Christian Ernst mitteilte, dass das baufällige Gebäude durch ein neues ersetzt werden sollte. Bei diesen Bauarbeiten wurden auch „nach Wegräumung etlicher hundert Fuder Erde und Schutt“ die Reste der alten Katharinenkapelle gefunden. „Inwendig war noch die alte Malerei deutlich erkennbar und am Boden fand man große Leichensteine und menschliche Gerippe“.

Luftaufnahme Langheimer Amtshof und Roter Turm

Langheimer Amtshof und Roter Turm um 1900

Wappen des Abtes Gallus Knauer

Dominanter Barockbau

Im Jahr 1691 wurde der prunkvolle Neubau nach den Plänen des bambergischen Hofbaumeisters Leonhard Dientzenhofer begonnen und bis zur Fertigstellung sollte es rund vier Jahre dauern. Schuld an den Verzögerungen waren auch Misstrauen und die Unbeliebtheit der katholischen Diaspora im protestantischen Markgraftum. 1692 besichtigte der markgräfliche Hofbaumeister Bourdin de la Fond die Baustelle und erachtete den Prälatenbau als eine Gefahr für die Stadt und die Plassenburg. Es bedurfte viel Überzeugungsarbeit, dass die dicken Mauern für die Stabilität des Bauwerkes, das immerhin mehrere tausend Fuder Getreide aufnehmen sollte, erforderlich seien. Dass die Fassade und die beiden Prunkportale zudem außen mit Dutzenden von Dachgauben, Obelisken und Figuren von bester Steinmetzkunst zeugten, können wir heute noch bewundern.

Fensterfront-Ornamente am Amtshof (Foto von 1935)

Von dem damaligen verschwenderischen und repräsentativen Stuck sind nur noch wenige Reste erhalten. Von den Schnitzereien, von Tafelsilber und Tafelservicen, Tapisserien, Skulpturen und  Gemälden – schließlich wurden dort hohe Gäste empfangen – können wir nur noch träumen.

Ärger mit dem Markgrafen

Für Zwistigkeiten sorgte auch ein verzweigtes Gängesystem zur Wassergewinnung, das allerdings weit unter die markgräfliche Plassenburg reichte. Festungskommandant Johann Christoph Muffel hatte jedenfalls Sorge, dass man darin hören könne, „was in dem tiefen Keller der Festung vertraulich geredet worden“. Er ließ diese Gänge deshalb „verdammen“ und mit einer „starcken Thür verwahren“.

Katholische Oase im protestantischen Kulmbach

Auch die Stadtbevölkerung war dem Kloster nicht unbedingt freundlich gesinnt. Seit der Reformation 1528 bekannte sich die Markgrafschaft zum Luthertum.  So verfügte der Rat der Stadt, dass keine Baumaterialien mehr über die Grünwehrbrücke und den Marktplatz in die Stadt gebracht werden durften, ohne dass vorher ein hoher Zoll entrichtet wurde. Dann wurde verfügt, dass das Kloster keine Steine mehr auf städtischem Grund brechen durfte, weil diese zum Bau der Plassenburg benötigt würden. Aber nachdem auf in der Nähe gelegenem Klostergrund ein Steinbruch errichtet werden konnte, das Kloster 100 Gulden Vorschuss auf den Zoll bezahlt und einige heimische Arbeiter eingestellt hatte, kehrte Frieden ein und der Bau konnte fortgeführt werden.

Kellergang unter dem Langheimer Amtshof

Besitzerwechsel im 19. und 20. Jahrhundert

Bis 1803 war Langheim das größte und wohl auch reichste Kloster im benachbarten Fürstbistum Bamberg. Aber die Säkularisation bedeutete zunächst das Aus für den Langheimer Amtshof. Er wurde ab 1811 als Wohnhaus genutzt. 1853 ging das Anwesen in den Besitz des Königlich Bayerischen Rentamtes über. Ab 1882 befanden sich dort das Rentamt und das Königlich Bayerische Amtsgericht. Im Jahr 1922 zog das Finanzamt in die Räumlichkeiten ein. Es galt als das romantischste Finanzamt Deutschlands. Als dann im Juli 1965 das Finanzamt in sein für etwa 2,1 Millionen DM neu errichtetes Ämtergebäude in der Georg-Hagen-Straße 17 einzog, verwaiste der Langheimer Amtshof und drohte beinahe zu verfallen.

Aufwändige Sanierung …

Im Jahre 1981 haben der Landkreis Kulmbach und die Stadt Kulmbach die Sanierungs- und Verwaltungs-GmbH für den Langheimer Amtshof gegründet und so konnte dieses historisch bedeutsame Gebäude erhalten werden. Bis 1986 wurde in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege der Langheimer Amtshof mit einem Aufwand von rund 6 Millionen Mark saniert. Er beherbergt heute u. a. die Akademie für Neue Medien, eine Zweigstelle der Akademie der Bayerischen Presse und die Forschungsstellen „Raumplanung“ und „Personalwesen“ der Universität Bayreuth, auch Einrichtungen der Universität Bamberg.

Seiteneingang Langheimer Amtshof mit der Christus-Statue

Die Belegschaft des Finanzamtes vor dem Umzug

… auch des Barockgartens

2017 wurde dem Amtshof ein Juwel hinzugefügt. Der ehemalige barocke Prunkgarten ist eine streng geometrische Anlage nach französischem Vorbild aus dem 17. Jahrhundert. Er wurde nach Archivplänen vom Ende des 18. Jahrhunderts sorgfältig rekonstruiert. Das historische Gartenparterre besteht aus fünf mit Granitwürfeln eingefassten ungleichen Beeten, die um ein zentrales Rondell herum gruppiert sind, wobei die Wegbreite den heutigen Bedürfnissen angepasst wurde. „Technik des 21. Jahrhunderts trifft auf Bausubstanz des 17. Jahrhunderts“ – so Geschäftsführer Rolf Peilnsteiner. Das historische Gartenparterre, auf drei Seiten von hohen Sandsteinmauern umgeben, war im 19. Jahrhundert Obstgarten, später zeitweise ein Rosengarten. Mit seinen Kräutern und Arzneipflanzen ist er heute für die Schülerinnen und Schüler der dortigen Berufsfachschule für Pharmazeutisch-Technische Assistenten ein Ort zum praktischen Lernen. Die 5 Meter höher gelegene Gartenterrasse erreicht man über einen Treppenturm; von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über Kulmbach. Leider ist der Garten für die Öffentlichkeit nur im Rahmen von Tagen der offenen Tür  zugänglich.

Blick in den Barockgarten

Text: Hermann Müller
Bilder: Privat und Stadtarchiv Kulmbach  – Repros und aktuelle Fotos Hermann Müller und Siegfried Nitsche

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