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barocke Prachtbauten & -Strassen

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Die ehemalige Markgräfliche Kanzlei

Obere Stadt 33

Am Ende der Oberen Stadt erinnert ein stattliches Gebäude an die Zeit, in der auf der Plassenburg noch die Markgrafen residierten. Von der Einmündung des Schießgrabens aus hat man über die barocke Freitreppe, begrenzt von zwei mächtigen Bauwerken, einen traumhaften Blick zur Festung.

Der „Himmlischen Herrschaft“ der Petrikirche (1439, 1559 wieder aufgebaut) hat Markgraf Georg Friedrich (1557-1603) seine „Weltliche Herrschaft“ gegenübergestellt, die Markgräfliche Kanzlei (1561-1563). Baumeister war kein geringerer als Caspar Vischer (um 1510-1579). Er wird gelegentlich auch Fischer geschrieben und war der „Baumeister auf der Plassenburg“. Zwei Jahre sollten die Bauarbeiten an der Kanzlei dauern. 1563 wurde das Gebäude unter dem Baumeister Andreas Schwenter fertiggestellt.

Petrikirche rechter Hand und Markgräfliche Kanzlei links vom Treppenaufgang.
Plassenburg-Architekt Caspar Vischer um 1566. Das realistische Porträt auf einer Reliefplatte von der Südseite des Schönen Hofs wird als Selbstbildnis gedeutet.

Von Gottes Gnaden

Mehrere Wappensteine weisen auf eine sehr wechselvolle Geschichte hin. An der Südseite befindet sich ein Wappenstein mit dem Adler der Mark Brandenburg. Er stammt vermutlich von 1562, erinnert aber an die Belehnung 1415. Denn 1415 waren die Hohenzollern auf dem Konzil von Konstanz von Kaiser Sigismund mit dem Gebiet um Berlin herum beliehen worden und führten fortan den Titel Markgrafen zu Brandenburg.

An dem links davon befindlichen Erker hat sich der Stifter verewigt: „Von Gottes Gnaden Georg Friedrich Markgraf zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der Cassuben und Wenden, auch in Schlesien, zu Jägerndorf und Herzog Burggraf zu Nürnberg und Fürst zu Rügen – 1562“.

Nutzung im 17. Jahrhundert

Illustre Gäste beherbergte die Markgräfliche Kanzlei im Laufe ihrer Geschichte. Aber nachdem die Regierung unter Markgraf Christian (1603-1655) bereits 1603/4 nach Bayreuth verlegt worden war, wurden die Räumlichkeiten nur noch unregelmäßig genutzt. Ab 1655 residierte Georg Albrecht in der Kanzlei. Er führte bis 1662 die Regierungsgeschäfte für seinen Neffen, den zu dieser Zeit noch unmündigen Markgrafen Christian Ernst (1661-1712). Anschließend stand die Kanzlei zeitweise leer und so wurden einige Räume den damaligen Archivaren auf der Plassenburg zur Verfügung gestellt.

Zufluchtsort im 18. Jahrhundert

1701 wurde die Kanzlei für einige Jahre Prinz Carl August, dem geistesschwachen Sohn von Georg Albrecht von Brandenburg-Bayreuth und seiner Frau Marie Elisabeth von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth als Bleibe zugewiesen.

Aufgrund des Einmarsches der Schweden musste die mit Friedrich August, dem König von Polen und Sachsen verheiratete Tochter des Markgrafen Christian Ernst, Christina Eberhardine, fliehen und fand 1706 Zuflucht in der ehemaligen Kanzlei.   

Aber es gab auch weiterhin noch prominente Gäste, so um 1722 Amthauptmann von Künßberg und um 1739 Johann Heinrich von Dobeneck, Ordensritter vom Roten Adler, Geheimrat, Hofrichter und Amtshauptmann zu Kulmbach. Ihm begegnen wir übrigens auch bei den Prachtbauten in der Opernstraße Bayreuth, und zwar 1740/41 als Bauherrn des Barockgebäudes neben dem Markgräflichen Opernhaus.

Bis heute repräsentativ

Im Jahr 1913 wurde das Gebäude umgebaut und ein Anbau hinzugefügt. Der Wappenstein weist darauf hin, dass sich hier das Königliche Bezirksamt befand. Verschämt haben die Kulmbacher nach Ende des ersten Weltkrieges das „K“ aus dem Wappenstein entfernt und so erinnern nur noch fünf Punkte an die Zeit, als Bayern noch eine Monarchie war.

Bis in die 1960er Jahre befand sich dann das Landratsamt in dem Gebäude, bevor es in den Neubau in der Konrad-Adenauer-Straße umzog.

1973 baute Immobilienmakler und Baubetreuer Karl-Hermann Jung die Kanzlei zu einem repräsentativen Wohn- und Bürogebäude um.

Text: Hermann Müller
Fotos: Stadtarchiv Kulmbach und privat, Repros und heutiges Foto Hermann Müller

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