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Schloss Steinenhausen

Schloss Steinenhausen ist eine barocke Schlossanlage bei Melkendorf, einem Stadtteil von Kulmbach in Oberfranken.

Die äußere Ansicht des Schlossgebäudes selbst ist als solche bis heute erhalten geblieben. Ebenso folgt die Grundstruktur des Gesamtareals mit Schloss, Neben­gebäuden, Umfriedungs­bereich und alleenartiger Zufahrt von Westen her grundsätzlich der Gebäudeanordnung aus dem 18. Jh., auch wenn hier verschiedent­lich Eingriffe auf Grund der Nutzung der Gebäude im 20. und 21. Jahrhundert erfolgten.

Das imposante Gebäude war Jahrhunderte im Besitz einer Linie der Freiherrn von Guttenberg und ist heute Außenstelle Kulmbach des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU). Hier ist es gelungen, das historische Ambiente eines Jahrhunderte alten Schlossgebäudes, den naturnahen Standort im Grünen und die Tätigkeiten einer modernen Umweltschutzbehörde in vorbildlicher Weise miteinander zu verbinden.

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Schloss Steinenhausen – am Zusammenfluss von Rotem & Weißem Main (bei Kulmbach)

Unterhalb des Schlosses Steinenhausen vereinigen sich die beiden Quellflüsse Roter & Weißer Main zum Main als bedeutendem Fluss, der bis zur Mündung in den Rhein bei Mainz 524 Kilometer zurücklegt. Von Osten nach Westen berührt der Main dabei mehrere fränkische Mittelgebirge, historische Städte und das fränkische Weinbaugebiet. Dabei liegt die Quelle des Roten Mains in der Fränkischen Schweiz, die des Weißen Mains im Fichtelgebirge.

Foto: LFU (Ersteller Picasa)

Die Mainwiege

An der Mündungsbrücke bei Katschenreuth enden daher sowohl der Rotmainauenweg (von der Rotmainquelle bei Creußen/Lindenhardt über Bayreuth, Heinersreuth und Neudrossenfeld bis zur Mainwiege sind 72 km) als auch der Mainwanderweg (von der Weißmainquelle am Ochsenkopf über Himmelkron bis Kulmbach-Steinenhausen sind es 52 km). Der Mainwanderweg setzt sich dann bis nach Mainz fort. Und hier beginnt auch ein kleiner Wanderweg nach Melkendorf. Neben der Brücke lädt ein Rastplatz mit Info-Tafeln zum Verweilen ein und dazu, sich der Bedeutung dieser „Mainwiege“ bewusst zu werden.

ein modernes Schloss mit 900 Jahren Geschichte

Auf der Anhöhe oberhalb des Zusammenflusses von Rotem und Weißem Main im Landschaftsschutzgebiet „Roter Main“ befindet sich in Park-, Wald-, Obstgarten- und Naturwiesen-Umgebung das Schloss Steinenhausen. Der Standort weist eine über 900 Jahre alte Geschichte auf.

Und aus so alter Zeit kennen die Kulmbacher natürlich auch Sagen. „Nicht nur, dass hier die „Weiße Frau“ (die auch auf der Plassenburg spukt) oder der „Ritter ohne Kopf“ umgehen sollen. Es gab – laut einer von Elise Gleichmann niedergeschriebenen Sage – auch ein Schlosspüüpala“ (der „Popel von Steinenhausen“) als Hausgeist, der die Pfingstnelken im Schlossgarten hütete, aber auch manchen Passanten einen Streich spielte, berichtet Hermann Müller, ehemals Stadtarchivar von Kulmbach, bevor er jeweils „zu den Fakten kommt“.

Steinenhausen ist aber keineswegs in die Jahre gekommen, im Gegenteil:
Das Schloss und das in Richtung Melkendorf vorgelagerte Areal sind seit 1988 Domaine der LfU (= Dienststelle Kulmbach des Bayerischen Landesamtes für Umwelt). Hier haben heute digitalisierte Bürokommunikation und hochmoderne Labor- und Messtechnik „die Herrschaft“ übernommen – um im Bild der „feudalistischen Herrschaften“ des ausgehenden Mittelalters und der Neuzeit zu bleiben, als Steinenhausen ein Rittersitz bzw. ein adeliger Landsitz war.

Abbildung: Karte im Landbuch der Herrschaft Kulmbach, 1539
(Staatsarchiv Bamberg, Stb. 6532a)

Wohntürme und Kemenaten machten den Anfang

Eines der alten Gewölbe, heute Speisesaal und Cafe

Die urkundlichen Ersterwähnung einer Flurbezeichnung „Steinenhaus“ datiert aus dem Jahr 1316. Die historischen Originalquellen legen nahe, dass hier bereits im 12. Jh. ein „steinernes Haus“, ein Wohnturm mit Wehrgraben entstanden war, nach dem dann später die umliegende Flur bezeichnet wurde. Dieser Wohnturm dürfte wohl im Meranischen Erbfolgestreit in der zweiten Hälfte des 13. Jh. bereits wieder zerstört worden sein.

Um das Jahr 1400 belegen die Quellen einen zweiten Wohnturm, einen „Burghall Steinenhausen“, der ebenfalls kriegerischen Auseinandersetzungen während der Hussitenkriege in der ersten Hälfte des 15. Jh. zum Opfer fiel.

Rückschlüsse auf die beiden Wohntürme lassen sich daher ausschließlich aus historischen Originalquellen ableiten. Für das 3. und natürlich das heute noch existierende 4. Gebäude gibt es aber noch genug „Anschauungsmaterial“, von dessen Existenz man sich bei einem Besuch in Steinenhausen überzeugen kann.

Ritter-Karriere im Mittelalter . . .

Bevor wir uns der Bau- und Nutzungsgeschichte des heute existierenden 4. Baues widmen ein paar Erläuterungen zu Herkunft und Entwicklung der am Standort tätigen Bauherren –
den Guttenberg-Geschlechtern.

Hierzu ein Blick zur Plassenburg in Kulmbach. Diese wurde (erstmals) um 1130 errichtet. Die dort waltenden Grafen waren nacheinander die Grafen von Andechs, die Grafen von Orlamünde und ab 1338 die Burggrafen von Nürnberg, die dann als Markgrafen über Jahrhunderte die Geschichte Kulmbachs und Frankens mitprägten.

Zur Verwaltung ihres Einflussbereiches bzw. weil sie nicht ständig auf der Plassenburg residierten, setzten die Grafen der Plassenburg Dienstmannen, sog. Ministeriale, ein. Einzelne Familien dieser „Ministerialen von Plassenberg“ entwickelten im Lauf der Zeit ein mehr oder weniger starkes Freiheits- bzw. Unabhängigkeits­bestreben, sodass einigen nach und nach der soziale Aufstieg gelang. Sie betrachteten sich nun als freie Reichsritter, die sich nur dem Kaiser gegenüber verpflichtet sahen (freie Reichsritterschaft).

. . . & besonders erfolgreich die von Guttenberg

Besonders erfolgreich in ihrem Unabhängigkeitsstreben war das Ministerialen-Geschlecht der Guttenberg. Sie erwarben von Untersteinach aus in Richtung Frankenwald Grund und es gelang ihnen im Jahr 1315 der Bau einer eigenen Burg (Guttenburg, Guttenberg).
Die „von Guttenberg“ waren „geboren“. In den folgenden Jahrhunderten stiegen sie in Franken zu einer Adelsfamilie auf, die immer wieder auch führende Funktionen an den fürstbischöflichen Höfen in Bamberg und Würzburg innehatten, bis hin zum Fürstbischof in Würzburg. Anfang des 18. Jh. zählten sie zur Machtelite des fränkischen Adels.

Bis heute haben sie ihren Stammsitz in Schloss Guttenberg. Verschiedene Familienmitglieder prägten und prägen nach wie vor in unterschiedlichen Funktionen das kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben in der Region und darüber hinaus.

Nur Wappensteine zeugen noch vom Landadel-Sitz derer von Guttenberg

Hier die zwei Wappensteine aus den Jahren 1512 (Wappenstein des Moritz von Guttenberg verh. mit Walburga Fuchs von Schweinshaupten) und 1535 (Wappenstein des Caspar von Guttenberg verh. mit Praxedis von Wirsberg), die man im Jahr 1910 über den beiden Haupteingangs­türen des heute vorhandenen Schlossgebäudes anbringen ließ. Auch die Eintragungen im „Landbuch der Herrschaft Kulmbach“ von 1539 belegen die Entstehung eines ausgedehnten Bauwerkes, an dem mehrere Generationen der Guttenberg beteiligt waren. Die Bautätigkeit für dieses 3. Gebäude erstreckte sich einschließlich späterer Um- und Anbauten von Anfang des 16. Jh. bis hinein in den Anfang des 17. Jh.

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1512, Schloss Innenhof links –
Wappenstein des Moritz von Guttenberg (Vater)

1535, Schloss Innenhof rechts –
Wappenstein des Caspar von Guttenberg (Sohn)

Es entstanden zwei Kemenaten (Wohngebäude mit Kamin, Erkern und Frauengemächern), die senkrecht aneinanderstießen und von einer viereckigen Steinmauer mit zwei Türmen umgeben waren. Im östlichen Umfeld dieses Gebäudes befanden sich weitere im Wesentlichen der Versorgung dienende Ökonomie- und Nutzgebäude (Viehhaus, Stadel, Schuppen, Brauhaus, Mühle, Hopfen- & Weingärten).

Auch diesem Bau war keine nachhaltige Existenz beschieden. Im 30-jährigen Krieg (1618-1648) wurde dem Gebäude schwer zugesetzt, wie in den Quellen steht: „Es wurde alles verwüstet, zerschlagen, zerhauen, verbrennet und in den Kot getreten.“ Die Witterung setzte dem Gemäuer in den folgenden Jahrzehnten stark zu, so dass im Jahr 1720 der letzte Turm des Gebäudes einstürzte und eine Ruine übrigblieb.

Erhalten blieb das Guttenberg’sche Barock-Schloss

Bauherren des „heutigen“ Schlosses Steinenhausen waren Johann Gottfried von Guttenberg & seine Gattin Amalia Anna von Heidenheim. In den Jahren 1721 bis 1724 entstand das heute noch zu betrachtende Hauptgebäude in Form einer barocken, symmetrischen, nach Osten offenen und hufeisenförmigen Dreiflügelanlage. Typische Elemente der barocken Bauweise wurden berücksichtigt wie die Parallelität der Achsen oder (Zahlen-)Symmetrien bei der Anordnung der Fenster in den jeweiligen Stockwerken. Beim Bau wurde auf die Fundamente des Vorgängerbaus „aufgesetzt“. Die räumliche Enge des in Richtung Westen zum Main-Zusammenfluss hin abfallenden Plateaus erlaubte keine wesentliche Ausdehnung gegenüber dem Vorgängerbau und bestimmte letztendlich die Ausdehnung des Gebäudes.

Hinter dem Querbau des Schlossgebäudes in Richtung Main-Zusammenfluss dürfte ein bescheidenes barockes Gärtchen angelegt gewesen sein. Des Weiteren war ein Fußweg in nördlicher Richtung vorhanden, der als Spaziergang zum Weißen Main ausgelegt war. Über einen Fußweg in Richtung Süden gelangte man zum Roten Main bzw. „runter zur Mühle“. Die Mühle und ein Brauhaus unten am Roten Main gehörten ebenfalls zu Steinenhausen und haben als Wirtschaftshof für die Schlossherren gedient.

Dem Schlossgebäude waren in Verlängerung der Seitenflügel zwei Nebengebäude vorgestellt. Hier darf man sich die Stallungen (Pferde, Kühe, Schweine, Hühner) und Wagenremisen vorstellen. Ein Brunnen vor dem südlichen Vorbau stellte die Trinkwasserversorgung sicher.

Foto: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz

Foto: Herbert Müller (Stadtarchiv Kulmbach)

Schmiedeeiserne Tore zum Außen- und Innenareal des Schlosses

Der Zutritt zum Gesamtareal erfolgt über das Umfriedungstor – ein schmiedeeisernes Tor, das in eine Sandsteinmauer integriert ist und welches die beiden Vorgebäude im Westen miteinander verbindet.

Der Zugang zum Schlossinnenhof, vom Charakter her als Ehrenhof zu bezeichnen, erfolgt über das eigentliche Schlosstor -ein schmiedeeisernes Tor, das in eine Sandsteinmauer an der Ostseite der Anlage eingelassen ist.   An dieser Mauer befinden sich auch die Wappen der o.g. Bauherren. Eine Marienfigur aus Sandstein krönte Anfangs diese Schlosstorseite. Und auch über dem Umfriedungstor muss es zeitweilig Heiligenfiguren aus Sandstein gegeben haben (Hl. Nepomuk, Hl. Nikolaus).

Man ließ es sich etwas kosten . . .

Die verwendeten Sandsteine kamen aus der näheren Umgebung, so ist zum Beispiel die Anlieferung von Sandsteinquadern aus dem nahen Aichig und aus Bechtelsreuth bei Mainleus belegt.

Renommierte Handwerker wurden für den Bau beauftragt: Als Maurermeister war Johann Puchta aus Kulmbach tätig, als Schreinermeister Johann Feulner aus Himmelkron. Die Schlosserarbeiten erledigte der Bayreuther Hofschlosser Christoph Mässel. Bildhauer der beiden Familienwappen und der anfangs vorhandenen Sandstein-Madonna über dem Schlosstor war der Bildhauer Hans Kaspar Fischer aus Bayreuth.

Alle Handwerker hatten einen guten Ruf in der Region und waren in der damaligen Zeit auch an anderen fränkischen „Großprojekten“ beteiligt.
Die Bausumme belief sich damals auf 90.00 Gulden.

Foto von der einstigen Madonna-Figur auf dem Schlosstor: Stadtarchiv Kulmbach

Stuckdecken im Musikzimmer (heute Vortragssaal) & ehemaliger Hauskapelle

Das Gebäudeinnere und die Einrichtung des Schlosses waren einfach und schlicht, aber repräsentativ gehalten.

Nur wenige Zimmer wurden, wenn überhaupt, mit meist kleineren Stuckarbeiten ausgestattet (ehemalige Hauskapelle, Leseraum, Musiksaal). Im ehemaligen Musiksaal befindet sich an der Decke allerdings eine durchaus interessante und künstlerisch anspruchsvolle Stuckarbeit. Stuckateur war Johann Jacob Vogel, der damals in verschiedenen Barockgebäuden unserer Region tätig war, so zum Beispiel auch in der Wallfahrtsbasilika in Marienweiher mit ihren vielen detaillierten und farbigen Elementen. Einfacher Stuck befindet sich an den Flurdecken.

. . . & bemalte Leinwand im Lesezimmer (heute Chefzimmer)

Das sog. Lesezimmer wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jh. mit Ölgemälden auf Leinwand ausgestaltet, das romantische Jagd- und Schäferszenen zur Darstellung brachte. Sie stammen von dem Maler Georg Konrad Weber (1763), sind mittlerweile in eine Wandvertäfelung eingebaut und wurden im Zuge der Umbauarbeiten für die Nutzung des Gebäudes durch das Bayerische Landesamt für Umwelt restauriert.
Sie verleihen bis heute dem mittlerweile als „Chefzimmer“ genutzten Raum einen Hauch von barockem Ambiente.

Abgesehen von den genannten Elementen, die heute noch existieren, ist von der ursprünglichen Inneneinrichtung wenig bekannt bzw. es ist nichts mehr erhalten.

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Bis 1935 Wohnsitz derer von Guttenberg

Bis in die 30er Jahre des 20. Jh. diente das Schloss Steinenhausen als Wohngebäude für die Steinenhauser Linie der von Guttenberg. Nach den politischen, sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen des ausgehenden 18. und des 19 Jahrhunderts verloren sie den herausragenden Status einer adligen Familie und gehörten mit dem Ende der feudalen Ordnung dann zu den „normalen“ Bürgern.

1935 hat der letzte in Steinenhausen wohnende von Guttenberg, Erich Freiherr von Guttenberg, Professor für Geschichte an der Universität Erlangen, das Schloss Steinenhausen verkauft und ist nach Kirchlauter in den Haßbergen gezogen, wo die Guttenberg ebenfalls Eigentum besitzen.

In der alten Kapelle (mit ebenfalls erhaltenen Barock-Stuck) ist der Stammbaum der Guttenbergs als Großgrafik zu bewundern.

Steinenhausen in der Zeit des Nationalsozialismus

Der Verkauf im Jahr 1935 erfolgte an die Bayerische Bauernsiedlung, einer der NSDAP angeschlossenen Organisation. Aus einem Schreiben des Bayerischen Wirtschaftsministerium an das Bezirksamt Kulmbach sind die den Verkauf begleitenden Umstände zu ersehen. Insbesondere kommt das Ansinnen, Steinenhausen für „Parteidienstzwecke“ herzunehmen, deutlich zum Ausdruck.

In der Zeit von 1935 bis 1940 erfolgten im Inneren, aber auch im Umfeld des Schlosses Umbauarbeiten. Im Inneren wurde die Raumaufteilung geändert, es wurde eine Küche mit Speisesaal eingerichtet und es entstanden Unterrichts- und Bettenräume.

Foto: Stadtarchiv Kulmbach

Der sog. Nationalsozialistische Reichsbund der deutschen Beamten betrieb in den umgestalteten Räumlichkeiten von 1940 bis 1945 eine Gauschule zur Ausbildung von Kindergärterinnen. Diese sollten als Multiplikatoren schon bei der Kindererziehung in den Kindergärten das nationalsozialistische Gedankengut weitergeben. Es sollten Kindergärten geschaffen werden, in denen „ein neuer Mensch“ erzogen wird.

Die Nebengebäude vor dem Schloss wurden ebenfalls erneuert. Insbesondere der Bereich vor dem Schlossareal, an dem die alleenartige Zufahrt aus Richtung Melkendorf endete, erfuhr eine Umgestaltung: Es entstand ein Vorplatz, der zum einen als Turnplatz für die auszubildenden Kindergärtnerinnen diente, der aber auch als Aufmarsch- und Fahnenplatz für Zwecke der nationalsozialistischen Machtdemonstration verwendet wurde. Auf dem Umfriedungstor lösten während dieser Zeit Reichsadler und Hakenkreuz die ehemals vorhandenen Heiligenfiguren ab.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden die Gebäude Ende der 40er/Anfang der 50er Jahre als Entbindungsstation genutzt. Danach fungierte Schloss Steinenhausen als Altenheim. Die Arbeiterwohlfahrt betrieb ein solches zur Unterbringung von Senioren noch bis Anfang der 1980er Jahre.

Seit 1988 Sitz der LfU (Dienststelle Kulmbach des Bayerischen Landesamtes für Umwelt)

1987 ging das Schloss in staatlichen Besitz über und seit 1988 ist Schoss Steinenhausen Sitz der LfU, der Dienststelle Kulmbach des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. In der Zeit von 1988-1995 erfolgten Renovierungs- und Umbauarbeiten, um das Gebäude für einen modernen Behördenbetrieb fit zu machen. Auch eine Hausmeisterwohnung sowie Garagen und Parkplätze für die Bediensteten wurde im Vorfeld in Richtung Melkendorf errichtet.

Die ca. 60 Mitarbeiter der Dienststelle Kulmbach nehmen Aufgaben im Bereich des technischen Umweltschutzes für Nordbayern wahr, zum Teil auch bayernweit. Neben Genehmigungs- und Kontrollaufgaben beim Umgang mit radioaktiven Stoffen gehören Messaufgaben im Bereich der Luftreinhaltung und Zuständigkeiten innerhalb der Abfallwirtschaft bzw. Kreislaufwirtschaft zu den Hauptaufgaben der hier arbeitenden Umweltspezialisten. Auch am Rückbau von Atomkraftwerken wird aktiv mitgearbeitet.

Schlüsselübergabe 1995 (Vitrinenfotos)

Moderner geht’s nicht – das LfU-Strahlenmesslabor

Im März 2025 wurde ein hochmodernes Strahlenmesslabor in Betrieb genommen, das es erlaubt, sämtliche Messmethoden im Bereich der Radioaktivitätsmessung auf modernstem Niveau durchzuführen. Der Neubau wurde mit enormem finanziellen Aufwand im Rahmen der von der Bayerischen Staatsregierung initiierten „Heimatstrategie“ bewerkstelligt, die die Verlagerung von Behördenstellen aus den bayerischen Ballungszentren in die ländlichen Regionen zum Ziel hat.

Dabei galt es die Belange des Naturschutzes, die Vorgaben des Denkmalschutzes und die fachlichen Anforderungen eines Laborbaus mit modernster Messtechnik in Einklang zu bringen. Dies ist hier durch die Errichtung eines sich in das Gelände einfügenden Zweckbaus in hervorragender Art und Weise gelungen. Der Energiebedarf kann nahezu vollständig durch eine Geothermie-Anlage bereitgestellt werden. Gut 42 Mio Euro wurden in dieses Großprojekt investiert.

Somit wird Geschichte in Steinenhausen nicht nur bewahrt, sondern auch zeitgemäß und nachhaltig weitergeschrieben.

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Besuchszeiten

Eine Besichtigung der Außenanlagen ist zumindest bis vor das Umfriedungstor vor dem Hauptkomplex des Schlosses jederzeit möglich und im Zusammenhang mit einer kleinen Wanderrunde zum/vom Mainzusammenfluss auch durchaus lohnend. Auf Anfrage ist auch Zutritt zum Innenhof und ggf. auch in das Innere möglich.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt veranstaltet auch regelmäßig einen Tag der offenen Tür, bei dem neben der Vorstellung der Fachaufgaben auch Schlossführungen angeboten werden. Wenn öffentliche Veranstaltungen stattfinden, Vorträge oder Führungen, strömen die Besucher aus Kulmbach und Umgebung. Schloss und Strahlenschutzlabor sind dann interessant, aber auch die natürliche Umgebung dort mit den Muster-Obstgärten.

Abfallüberwachung, Luftgütemessung Nordbayern, Strahlenschutz Nordbayern, Radiotoxikologie

Schloss Steinenhausen
95326 Kulmbach
Tel.: 09221 604-0
Fax: 09221 604-1850

Text: Klaus Buß (von Anfang an Gründungsdirektor & bis 2025 Leiter der LfU)
Textredaktion & Fotos (soweit nicht anders vermerkt): Dr. Karla Fohrbeck

Quellen

  • Dr. Klaus Rupprecht, Bamberg: Die Geschichte des Schlosses Steinenhausen im Überblick =
    Sonderdruck aus: Geschichte am Obermain, Band 22, Jahrbuch 1999/2000, Colloquium Historicum Wisbergense CHW
  • Dr. Klaus Rupprecht (Staatsarchiv Bamberg): Skript zur Führung durch das Schloss Steinenhausen (anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Dienststelle Kulmbach des Bayerischen Landesamtes für Umwelt im Rahmen eines Tags der offenen Tür. 20
  • Hermann Müller (Stadtarchivar Kulmbach): Sandsteinkugel statt Kopf (Kulmbacher Anzeiger 25.3.2017) und
    Blick hinter historische Schlossmauern (Kulmbacher Anzeiger vom September 2018)
  • Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/NSV-Kinderg%C3%A4rtnerinnen-_und_Hortnerinnen-Seminar_Friedberg_bei_Augsburg
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