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barocke Prachtbauten & -Strassen

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Bayreuth – Kanzleistraße 11

Evangelisch-Lutherisches Dekanat

Das Haus war schon im 15. und 16. Jahrhundert immer Pfarrhof. Markgraf Albrecht schenkte es allerdings 1550 seinem Leibarzt. 1561 kauft es Markgraf Georg Friedrich zurück.  Wegen Ernennung des Stadtpfarrers zum Superintendenten (entspricht heute dem Dekan) wurde der Pfarrhof ab 1567 Superintendentur genannt. Der Pfarrhof besaß im 17. Jh. Kuh-, Schweine- und Pferdeställe, einen Heu- und Getreideboden, Garten, Keller, Badstube, einen Zieh- und einen Hausbrunnen.

Auch dieses Gebäude ist bei den Stadtbränden von 1605 und 1621 nicht abgebrannt. Der zweigeschossige verputzte Walmdachbau, wie wir ihn heute sehen, wurde aber 1680/1681 nach Plänen von Elias Gedeler (1620-1693) neu errichtet. Markgraf Christian Ernst (1661-1712) hatte ihn als Hofarchitekt nach Bayreuth berufen, wo er die Kapelle im Alten Schloss vollendete, bei den Erweiterungs­bauten tätig war und – da er auch Maler war – Bühnendekorationen für das markgräfliche Theater schuf. Auch die Pläne für den Herkulesbrunnen am Markt gehen auf ihn zurück.

Das rundbogige Sandsteinportal hat eine rustizierte Rahmung und eine gerade Verdachung. Darüber informiert eine Inschrift über die Erbauung durch Markgraf Christian Ernst mit Chronogramm* von 1681. Auch der Fenstersturz darüber ist mit 1681 bezeichnet. Die Inschriftentafel über dem Eingangsportal mit dem Haussegen enthält folgenden Text:

Gott Zû Ehren/∫einer Kirche Zû Nûtzen/
ûnd der Stadt Zur Zierde/i∫t beÿ Löbl:Regirung
des Dûrchl:Für∫ten ûnd Herrn Herrn Chri∫tian
Ern∫tens Marggrafen Zû Brandenb: Zû Mag,,
deb:in Preüßen Herzogens die∫e Superinten
denten Wohnûng von neûen erhoben ûnd verferti
get worden im Heilw.Chri∫t=Jahr
Gott haLt In hVt DIß ∫eIner KneChte HaV∫z
Er fVhrr DIe hIer gehen eIn VnD aV∫z. *

In der Übersetzung von Helmut Haas (Ms. im Stadtarchiv Bayreuth):

„Gott zu Ehren / seiner Kirche zu Nutzen /
und der Stadt zur Zierde / ist beij Löbl:Regierung
des Durchl:Fürsten und Herrn Christian
Ernstens Marggrafens zu Brandenb:zu Mag
deb:in Preußen Herzogens diese Superinten
denten Wohnung von neuen erhoben und verferti
get worden im Heilw.Christ-Jahr.
Gott halt in Hut dies seiner Knechte Haus.
Er führ die hier gehen ein und aus.“

Die Innenräume können bei entsprechenden Veranstaltungen im Dekanat und auf Anfrage besichtigt werden. Dazu gehört der Kapitelsaal im 1. Obergeschoss, der 1737 von Johann Nicolaus Feeg (1709-1761) mit einer Stuckdecke aus Band- und Gitterwerk, Rosetten und Lambrequins (geraffte Vorhänge) ausgestattet wurde. Nach den Angaben im Baualtersplan ist diese jedoch beim Umbau 1959/60 zerstört worden. Ein Blick in den älteren Eckraum mit Kreuzgratgewölbe und eiserner Tür im Erdgeschoss lohnt.

Ein Rest der alten Stadtmauer ist im Hof noch zu erkennen.

Textredaktion & Fotos: Dr. Karla Fohrbeck

Ein Klick auf die Bilder vergrößert diese.

* Und wen die weitere Detektivarbeit von Helmut Haas zur Bauinschrift überm Eingang interessiert:
Maße ca.: h 45 b 80 Bu. 3-6/ Sandstein | Schrift: Fraktur, eingehauen mit Kapitalis-Zahlzeichen
Bemerkung: Die beiden letzten Zeilen bilden ein Chronostichon (Chronogramm), d.h. die Zahlzeichen-Buchstaben ergeben das oben in arab. Ziffern eingehauene Jahr 1681. Platte offenbar renoviert und Text dabei möglicherweise verändert: JS König, Ms 128/I, S.77 liest statt KneChte “KirChe“, was viel logischer erscheint; er bringt von der letzten Zeile im wesentl. nur die Zahlzeichen- ‘Zeile i∫t verlö∫cht‘. /HV 1
Bei der Renovierung könnte dann außer ‘Knechte‘ auch ‘fVhrr‘ statt ‘fVhre‘ eingehauen worden sein.
Kürzungen: Löblicher Durchlauchtigsten Brandenburg Magdeburg Heilwürdigen
Besonderheit: ß als ∫z Zahlzeichen: DDD C L VVVVV IIIIII= 1681 [bei fVhrr sichtbare Unregelmäßigkeit/arab. Zahl im Fenstergewände über Platte eingehauen]

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