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barocke Prachtbauten & -Strassen

Bayreuth – Kanzleistraße 9
Evangelisch-Lutherisches Pfarrhaus
Dem Häuserbuch der Stadt Bayreuth zufolge handelt es sich hier um eines der alten Messehäuser, das schon vor der Zerstörung der Stadt durch die Hussiten existierte. Markgraf Johann hatte eine „(Lieb-)Frauen- oder Singmesse“ gestiftet und 1402 durch Bischof Albrecht bestätigt. Die Messpfründner-Wohnung im Caplan-Haus war steuerfrei. Ein Puzzle von kleinen Abgaben, Zinsen und Naturalien sorgte für ein kleines Einkommen.
Nach der Reformation 1528 geht das Pfründehaus mit den Pfründen an die Schule. Schulmeister, Gesinde und die armen Schüler, auch der Cantor wohnen unter ärmlichsten Verhältnissen in diesem Gebäude. 1557 wird ein Keller angelegt, 1568 das Haus für den Caplan bzw. Diacon neu erbaut und 1687 ein neues Hintergebäude samt neuem Keller aufgeführt.
1702 beklagt sich der Diakon und Hospitalprediger Wolfgang David Schöpf über den üblen Zustand des Gebäudes beim Markgrafen. Im Zuge der repräsentativen Umgestaltung und Erweiterung der Kanzleistraße unter Markgraf Christian Ernst wird das Haus 1703 abgebrochen und durch einen Neubau von den Maurermeistern Johann und Johann Georg Kemnitzer ersetzt.
Das zweigeschossige Giebelhaus aus Hau-Sandstein mit seinen vier Achsen und ebenfalls zweigeschossigem Giebel darüber fällt durch die geohrten Fensterrahmungen mit Quasten und die Gurtgesimse auf. Am Gewände befinden sich sogenannte Wetzrillen. Das rundbogige Portal ist – wie beim Nachbarhaus – rustifiziert, darüber die Jahreszahl 1704. Den flachen Dreiecksgiebel über dem Eingang schmückt eine lateinische Inschrift-Kartusche mit Elementen verschiedener Schriftarten und folgendem Wortlaut:
„Sub Felicissimo
Regimine Serenissimi Principis
ac Domini Domini
CHRISTIANI ERNESTI
Marchionis Brandenburgiae Borussiae
Magdeburgiae Ducis AEdes Ecclesiasticae
ad B. Mariae Virginis AEdem, ordinarie in Honorem
DEI Ecclesiae emolumentum et civitas orna
mentum Fundatae sunt.“
Zu Deutsch (in der Übersetzung von Helmut Haas):
„Unter der glücklichsten Regierung des Erlauchtesten Fürsten
und Herrn, Herrn CHRISTIAN ERNSTs,
Markgrafen von Brandenburg, von Preußen u. Magdeburg Herzogs,
ist dieses Pfarrhaus bei der Kirche der Hl. Jungfrau Maria, ordnungsgemäß zur Ehre
GOTTes, zum Nutzen der Kirche und zum Schmuck des Gemeinwesens gegründet worden.“
In einigen Räumen sind noch Rahmenstuck- und Balken-Bohlen-Decken vorhanden. Im Hof wiederum ist ein Teil der Stadtmauer aus dem 14. / 15. Jahrhundert zu bewundern. Das Gebäude wurde bis vor einigen Jahren als Pfarrhaus genutzt, ist aber renovierungsbedürftig und dient derzeit als Fundraising-Büro für das Evang.-Lutherische Dekanat Bayreuth-Bad Berneck.
Textredaktion & Fotos: Dr. Karla Fohrbeck
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* Helmut Haas fügt in seinem Maschinen-Manuskript Bau-Inschriften der Stadt Bayreuth bis zum Jahr 1899 (im Stadtarchiv Bayreuth) hinzu:
Bauinschrift im Portal-Tympanon
Maße ca.: h 30 b 40 Bu. 2-5 / Sandstein | Schrift: Fraktur/Kapitalis, eingehauen
Kürzung: Beatæ
Bemerkung: Jahreszahl im Tragbalken des Portalbogens eingeschnitten
Besonderheit: Die Schrift, vielleicht der Kanzlei-(Schreib-)schrift entsprossen, enthält mehrere Elemente verschiedener Schriftarten und ist kaum eindeutig auf einen Nenner zu bringen.



