Project Description

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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Bayreuth – Opernstraße 16
Redoute

Das repräsentative dreistöckige Eckgebäude zwischen Opernstraße und Münzgasse ragt optisch etwas hervor. Es ist älter als das Markgräfliche Opernhaus, welches später bewusst im Straßenzug leicht zurückgesetzt wurde und äußerlich kaum in Konkurrenz trat, sondern die schon existierende barocke Fassadenfront eher ergänzte. Die Redoute ist nun in mehrfacher Hinsicht interessant, zumal es sich bis in die Nachkriegszeit um einen Gebäudekomplex handelte, der die Münzgasse 2 mit einbezog:

  • Zum einen gehörte die Redoute mit dem anschließenden Reit- und Komödienhaus maßgeblich zur markgräflichen Theatergeschichte im 18. Jahrhundert
  • Zum anderen ist dieser Gebäudekomplex ab 1759 untrennbar mit der Geschichte der Jüdischen Gemeinde und ihrer Wiederansiedelung unter Markgraf Friedrich verbunden
  • Zum Dritten wird die eigentliche Redoute (also Opernstraße 16) von der Bayerischen Schlösserverwaltung derzeit aufwendig umgestaltet und mit Funktionen ausgestattet, die die Nutzung des benachbarten Markgräflichen Opernhauses ergänzen werden.

1714 -1759   Redoute und Komödienhaus

Auch die Markgrafen vor Friedrich und Wilhelmine waren – mit Ausnahme seines puritanischen Vaters – Freunde und Förderer von höfischem Theater- und Musikleben. 

Das sogenannte Redoutenhaus wurde 1714/1715 unter Markgraf Georg Wilhelm (1712-1726) von Hofarchitekt Johann David Räntz (1690-1735) erbaut. Der zeitgenössische Chronist J. S. König beschreibt das Haus Ende des 18. Jahrhunderts als „ein ansehnliches, dreigädiges, 1740 von neuem massiv aufgeführtes Gebäude“. Denn das inzwischen baufällige Gebäude wurde 1740 wegen morschen Gebälks und gewachsener Ansprüche abgebrochen und als dreigeschossiger Sandsteinquaderbau mit Mansarddach, Mittelrisalit und Säulenportal als Eckgebäude neu errichtet sowie mit einem Theatersaal im mittleren Stock und mit Einzelzimmern ausgestattet. Es diente vorwiegend für Theateraufführungen, Maskeraden und Bälle, aber auch für Kartenspiel, Diners und andere gesellige und festliche Veranstaltungen und ergänzte den Theatersaal im benachbarten Alten Schloss. 

Dahinter befand sich das Opera- und Komödienhaus, an drei Seiten mit umlaufender Galerie für Zuschauer wie Musiker, wobei die Herrschaft Platz in einer erhöhten Loge fand. Zeitweise wurde dieser Gebäudetrakt auch als Reit- oder „Reuthaus“ genutzt. Die heutige Freifläche bzw. der Hof zwischen Redoute (Opernstraße 16) und Münzgasse 2 (in der sich seit 1760 die jüdische Barock-Synagoge befindet) war damals durch einen Zwischentrakt bebaut, der u.a. als Lager für Bühnenkulissen und Requisiten diente und beide Gebäudeteile miteinander verband.

Im Riediger Plan von 1745 ist das benachbarte Opernhaus-Gelände noch unbebaut und der imposante dreiteilige Gebäudetrakt gut zu erkennen.

Der Kupferstich von der etwa zeitgleichen Redoute in Erlangen gibt einen anschaulichen Vergleich über damalige gesellige Vergnügungen, denn von der Bayreuther Redoute selber ist nur das Foto einer kostbar eingelegten Tischplatte erhalten, die Markgräfin Wilhelmine 1739 ihrem Bruder Friedrich dem Großen als Geschenk übersandte und auf dem das musizierende Markgrafenpaar inmitten seiner damals noch bescheidenen Hofkapelle zu erkennen ist.

Redoute und Synagoge als Mittelpunkt Jüdischen Lebens

Nachdem das Markgräfliche Opernhaus 1748 zu den Hochzeitsfeierlichkeiten der einzigen, erst 16jährigen Tochter Elisabeth Friederike Sophie pompös eingeweiht worden war und 1750 auch die Außenarbeiten mit der Fassade von Hofarchitekt Joseph Saint Pierre fertiggestellt wurde, verlor die Redoute an Bedeutung. Sie wurde zwar noch für Maskenbälle und Festivitäten genutzt, auch hatte der Hofkonditor hier seine Dépendance, aber nach dem Brand des Alten Schlosses 1753 konzentrierten sich die Aktivitäten des Hofes auf dessen Wiederaufbau, auf eine längere Italienreise und die Errichtung des Neuen Schlosses. Und nach dem Tod von Markgräfin Wilhelmine 1758 verblasste die Freude am Theaterleben und großen Geselligkeiten. Auch war der Schuldenberg des markgräflichen Hofes bedrohlich angewachsen.

Und so verkaufte Markgraf Friedrich den gesamten Gebäudekomplex 1759 – „über den Kopf des Ministerrates hinweg“ – zu angemessenem Preis von 8.250 Gulden an seinen Hofjuden, Kreditgeber und Münzlieferanten Moses Seckel. Der Kaufvertrag vom 5. März 1759 enthält die ausdrückliche Erlaubnis, im Vordergebäude Gewerberäume und einen Laden einzurichten und im Hintergebäude eine jüdische Schule bzw. Synagoge. Die Legende berichtet, dass der Markgraf – damals durchaus ungewöhnlich – ab und zu auch gerne dort am rituell zubereiteten koscheren jüdischen Kiddusch-Essen teilnahm. Am 7. Februar 1769 vermachte Moses Seckel testamentarisch das ganze Anwesen seinem Bruder David Seckel und dieser trennte in einem Schenkungsbrief vom 26. April 1772 den vorderen und mittleren Gebäudetrakt, der weiterhin zu privaten Wohn- und Gewerbezwecken im Besitz jüdischer Familien verblieb, von der Synagoge, die er der angewachsenen jüdischen Gemeinde vermachte. Die Arkaden des ehemaligen Logen- bzw. „Operahauses“ waren noch 1946 an der Synagogenwand erkennbar und bei der vor kurzem erfolgten Sanierung der Synagoge konnten noch Reste von Theatereinbauten entdeckt und erhalten werden.

Die Redoute blieb bis nach dem 1. Weltkrieg (also insgesamt eineinhalb Jahrhunderte) Domizil jüdischer Familien. Denn nach dem Tode David Seckels ging das Vorderhaus, also die auch heute noch so genannte Redoute, im Rahmen der Erbschaft an dessen Kinder. Durch die Tochter Ella Seckel (gestorben 1818), verheiratet mit Philipp Isaak Wertheimber, gelangte das Haus in den Besitz der (jüdischen) Familie Wertheimber. Es war in der Folge im Besitz von Josef (Wolf) Wertheimber, Kaufmann, gestorben 1878, und danach von seinem Sohn Wolf Wertheimber, Privatier. Nach dessen Tod 1905 ging es am 21. Juni 1905 in den Besitz des einzigen Kindes über, der Tochter Johanna Wertheimber, verheiratete Klau, Bankiersgattin in Frankfurt/Main. Die beiden Fotos von 1902 (Perspektive Luitpoldplatz) und 1910 (als Eckgebäude) zeigen die Redoute als Wohn- und Geschäftshaus.

Johanna Klau, die nicht mehr in Bayreuth wohnte, verkaufte die Redoute (Opernstraße 16) am 26. September 1919 an nichtjüdische (evangelische) Besitzer, nämlich Adam Nützel, Maurermeister und Sägewerksbesitzer, sowie an Johann Schilling , Metzgermeister aus Bayreuth (Quelle: Hausbesitzerverzeichnisse, Adress- und Einwohnerbücher, Karteikarten Hausbesitzer im Stadtarchiv Bayreuth). Im Adressbuch von 1937 ist das Gebäude noch als im Besitz von Wilhelm Nützel und Johann Schilling aufgeführt. 1938 wurde die Synagoge (Münzgasse 2) in der Progromnacht vor allem innen zerstört und verwüstet, geschützt einzig durch die Nähe zum kostbaren Opernhaus. Auch das Umfeld und damit die Redoute gerieten in den Kriegswirren in Mitleidenschaft.

*(Quelle: Bauakten Synagoge, Münzgasse 2 im Bauordnungsamt Bayreuth, hier: Schreiben der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen vom 20.08.1946 an den Oberbürgermeister von Bayreuth, zitiert nach: Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. I, Kap. Bayreuth, Lindenberg 2007, S.99).

Nutzung in der Nachkriegszeit

Der Bayerische Staat kaufte mit notariellem Vertrag vom 5. Januar 1939 die Synagoge und in diesem Zusammenhang auch das Vorderhaus wegen des räumlichen Zusammenhangs mit dem Opernhaus für geplante Erweiterungsbauten und übergab den Komplex an die Bayerische Schlösserverwaltung. Die Synagoge wurde, wie erwähnt, in der sogenannten Reichskristallnacht am 9. November 1938 beschädigt und sollte nach Kriegsende eigentlich abgerissen werden. Nach etlichem Hin & Her wurde die Synagoge mitsamt dem Gartengelände jedoch der Jüdischen Gemeinde zurückgegeben. Die Schäden von 1938 am Dachstuhl, den Fenstern und der Einrichtung wurden beseitigt. Zur Synagoge siehe im Übrigen den gesonderten Eintrag beim Thema Prachtbauten.

Die Redoute allerdings ist heute noch im Besitz des Bayerischen Staates (Bayer. Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen). In den Jahren ab 1964 bis 1968 erfolgte eine grundlegende Sanierung des Gebäudes mit Entkernung und Rückbau der historischen Fassade. Um dem Hof ein einheitliches Aussehen zu geben, wurden die 5 historischen sakralen Rundbogenfenster auf der Westseite der Synagoge in Rechteckfenster umgebaut wie sie für die Redoute typisch waren (inzwischen wieder rekonstruiert). Der Rokoko-Deckenstuck im ehemaligen Theatersaal des 1. Stockwerks der Redoute wurde damals ins Erdgeschoss versetzt, wo bis zur Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses unter wechselnden Pächtern das nostalgische Operncafé gastierte. Auch wurden Verbindungen zum Foyer des Opernhauses geschaffen und dieses dadurch erweitert.

Künftige Nutzung

Nachdem das Markgräfliche Opernhaus 2012 zum UNESCO Welterbe erklärt und 2018 nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten festlich wiedereröffnet wurde, wuchsen der Besucherstrom und ebenso das öffentliche Interesse an einer Bespielung des Hauses in den Sommermonaten. Dafür war das enge Foyer des Opernhauses jedoch nicht vorbereitet und so lag es nahe, die benachbarte Redoute funktional einzubeziehen und umzurüsten. Die Bayerische Schlösserverwaltung rechnet mit mehrjährigen Umbauarbeiten und einer Wiedereröffnung 2022. Im Ausstellungsbereich soll auch auf die Geschichte von Synagoge, Hofjude Moses Seckel und die Jüdische Gemeinde eingegangen werden, aber auch ein eigener Bereich den Markgrafenkirchen in der Region gewidmet werden (die auf unserer Webseite ein eigenes Thema füllen).

Textredaktion:
Christine Bartholomäus (Stadtarchiv) & Dr. Karla Fohrbeck

Fotos:
Karla Fohrbeck

Weitere Prachtbauten in der Friedrichstraße finden Sie auf unserer Übersichtskarte