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barocke Prachtbauten & -Strassen

Bayreuth – St. Georgen / 1-29
St. Georgen 1 –
Ehemals Gravenreuther Stift
Ehemals Gravenreuther Stift
Gravenreuther Stift (1742-1744)
St. Georgen 3 – Stiftskirche
Text Stiftskirche
St. Georgen 5 –
Ehemals Gravenreuther Stift
Ehemals Gravenreuther Stift
Text Stiftskirche
St. Georgen 7
Nach dem hochbarocken Gravenreuther Stift (1742-1744) und einer kleinen Gasse, die dort abzweigt, begrüßt uns ein unscheinbares gelb ? verputztes Haus als erstes der einstigen Typenhäuser aus dem Zeitraum 1702-1709. Das Haus wurde später durch einen dreiachsigen Anbau erweitert.
Das derzeit allgemeine Problem der Leerstände begegnet uns auch hier. Bis vor kurzem suchte eine Bäckerei diese Lücke zu füllen. Sie hinterließ als Fassadenschmuck ein attraktives Bäckerwappen mit einer großen Brezel als Berufszeichen der Bäcker.
In der Markgrafenzeit hatten viele Beck’n (= Bäcker) hier auch das Braurecht und das Recht auf Ausschank, die sogenannten Beck’nwirte.
Und wen es interessiert, warum die (oder der) Brezel schon seit 111 n.Chr. zum Berufssymbol wurde.
Hier mehr zur Geschichte des Bäckerwappens (bitte klicken)
St. Georgen 9 – Gasthof zum Brandenburger
???
St. Georgen 11 – Alter Brauereihof
Dieses Gebäude fällt aus dem Rahmen, denn es präsentiert sich inzwischen mit einem aufgestockten Zwerchhaus und völlig erneuertem Erdgeschoss, beides Baumaßnahmen, die erst später erfolgten. 1709 erbaute der markgräfliche Scatoullier (Hofkassierer) Johann Ernst Schreiber diesen zweigeschossigen Sandsteinquaderbau mit Walmdach und Sandsteinpfeiler-Portal im vorgegebenen Stil der ganzen Häuserzeile.
Franz Simon Meyer, einstiger Stadtheimatpfleger, hat dazu recherchiert:
Das ab 1725 als Amtshaus bezeichnete Gebäude wurde 1746 von Markgraf Friedrich an den Laquay (Lakai = ein herrschaftlicher Diener) Johann Christoph Seyfried verkauft. Dieser betrieb darin das Gasthaus Zum Goldenen Stern. 1878 errichtete Adam Weidenhammer, nachdem er die Gastwirtschaft übernommen hatte, die Sternbräu als eigene Brauerei, die u. a. auch das regional gerühmte Starkbier Markator herstellte. Heute beherbergt der Bau Wohnungen, die Büros einer Immobilien GmbH, Werkstatt und Lagerräume. Dream-Cakes und Utensilien zum Selber-Backen bekommt man im Erdgeschoss-Laden.
Ein Klick auf die Bilder vergrößert diese.
St. Georgen 13
Dieser schmucke Sandsteinbau – mit neuem Obergeschoss – ist restauriert und präsentiert im Erdgeschoss einen Laden für Lichtdesign.
Von 1708 bis zum Ende der Markgrafenzeit Ende des 18. Jh. wohnten hier als Eigentümer, zur Miete, als Pächter oder Erben:
Ein Tobakspinner, ein Oboist (Hautboist) aus dem markgräflichen Orchester, Schuster, Metzger, Taglöhner und je nach Erb- und Familiensituation auch die jeweiligen Witwen oder Kinder. Der bekannteste Mieter war Hof-Kupferstecher Johann Peter Demleutner (1677-1726), der bei Gründung und Aufbau der markgräflichen Fayence-Manufaktur 1717-1726 eine wichtige Rolle als künstlerischer Leiter spielte.
Wenn Sie die Hauschronik, die am Gebäude angebracht wurde, per KLICK vergrößern, erfahren sie noch mehr Details.
St. Georgen 15 – Ordensritter Ratiborsky
Ordensritter Ratiborsky
St. Georgen 17 – 23
Zu diesem Abschnitt der Häuserzeile können wir nur ein Sammelfoto anbieten. An frühere Zeiten erinnern noch die Walmdächer und die Toreinfahrten. Die Gebäude sind weiß oder elfenbeinern verputzt. Fenster und Türen wurden nach dem
2. Weltkrieg „modernisiert“. Sie werden im wesentlichen als Wohnhäuser genutzt. Besondere historische Details konnten nicht ermittelt werden, auch keine Legenden, die wir auch gerne weitererzählt hätten.
St. Georgen 25 – Der letzte Becknbräu
Der Bayreuther Tradition entsprechend gab es Hausbrauereien, aber auch die Becken(bräu)wirte, die zugleich Bäcker, (Klein–)Brauer und Ausschankwirte waren. Erbprinz Georg Wilhelm hatte dieses Privileg schon der ersten Generation von Hausbesitzern in seiner kleinen Planstadt mitgegeben. Als letzter Becknbräu übte in diesem Haus Franz Götschel bis 1961 diesen Doppelberuf aus.
Eine Gedenkplakette hätte der Braumeister, der sich sogar einen eigenen Lastenfahrstuhl zum unterirdischen Felsen-Braukeller konstruiert hatte, vielleicht doch verdient.
St. Georgen 27 –
für einen späteren Ordensritter
für einen späteren Ordensritter
Das zweitälteste Haus im vorgegebenen Stil der neuen Planstadt erbaute 1703 der Rittmeister Raimund Anton von Löwenberg, Kammerjunker und Geheimer Rat bei Erbprinz Georg Wilhelm. Es ist ein für die Straße typischer Sandsteinquaderbau mit Walmdach und korbbogigem Portal. Untypisch allerdings der Seitenflügel bzw. der U-Grundriss von Anfang an? oder erst Mitte des Jh.?
Seit 1755 gehört dieser linke Gebäudeteil der Evangelischen Kirchenverwaltung, war lange Pfarramt, inzwischen Pfarrwohnung bzw. Pfarrhaus.
Knöllerschen Häuser – die 1728-1744 vor allem als Lagerräume für die von Johann Georg Knöller geleitete Fayence-Manufaktur dienten, die damals aber hinter dem Zuchthaus in der Markgrafenallee untergebracht war.
St. Georgen 29 –
für die Prinzenmutter
für die Prinzenmutter
Das älteste und erste Haus in der neuen Häuserzeile wurde 1702 aus Sandsteinquadern als zweigeschossiges Wohnhaus an der Ecke zur Bernecker Straße errichtet. Es war für Sophie Luise bestimmt, Herzogin von Württemberg, 2. Ehefrau von Markgraf Christian Ernst und geliebte Mutter von Erbprinz Georg Wilhelm. Sie war es, die ihn in seinen Plänen für St. Georgen stets unterstützt hatte. 1702 – als mit Ordensschloss und Planstadt ernsthaft begonnen wurde, der Erbprinz aber den Sommer über als kaiserlicher Feldmarschall in Landau in der Pfalz Dienst tat – war sie es, die die Bauvorhaben vor Ort überwachte. Und sie hatte ihrem Sohn auch die Co-Finanzierung der künftigen Ordens- bzw. Sophienkirche zugesagt. Aber am 3. Oktober dieses Jahres starb sie, mit 60 Jahren, und konnte das Haus nicht mehr nutzen.
St. Georgen 27 – 29 – Ehemaliges Rathaus
Noch in der 1. Hälfte des 18. Jh. wurden diese beiden ältesten (Einzel-)Häuser von St. Georgen zu einem Gebäudekomplex verbunden. Anlass war, dass Markgraf Friedrich 1745 St. Georgen qua Privileg endlich die niedere Gerichtsbarkeit und eine selbständige Verwaltung genehmigte, mit Stadtrat und Bürgermeister, gewählt von den 40 Hausbesitzern. Der 1709 angedachte und belegte Plan eines Rathauses gegenüber der Kirche war nie verwirklicht worden. Und da sich auch der jetzt zugesagte Bau eines eigenen Rathauses verzögerte, erwarb die neue Stadtverwaltung kurz entschlossen die beiden Knöllerschen Häuser – die zuvor als Lagerräume für die Fayencenmanufaktur dienten ?? – und kombinierte sie zu einem.
Zu diesem Zweck wurde ein flacher zweiachsiger Mittelrisalit eingefügt, mit segmentbogigem Giebelfeld im Erdgeschoss sowie Zwerchhaus und Dachreiter mit geschweiftem Helm „on top“.
Um diese Zeit, also Mitte des 18. Jh., entstanden wohl auch die Seitenflügel mit ihren 8 Achsen, wogegen der breite Mittelbau 12 Achsen aufweist. Dadurch entstand eine kompakte dreiflügelige Anlage, in der nicht nur die Ratsverwaltung und ein Rathaussaal Platz hatten, sondern auch ein Ratskeller, für den man einen Ratswirt bestellte. Das Gebäude erwies sich aber bald als zu groß und daher wurden schon 1755 zwei Drittel des Komplexes an die evangelische Kirchenverwaltung verkauft.
Heute…
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Textredaktion & Fotos: Dr. Karla Fohrbeck
- Bernd Mayer 1967 (Bayreuth à la Carte, S. 154).



























