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barocke Prachtbauten & -Strassen

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Friedhof St. Georgen

In St. Georgen gab es zwei Friedhöfe, zeitweise sogar nebeneinander.

1709 wurde der erste Friedhof direkt östlich hinter der noch im Bau befindlichen Ordenskirche auf dem sogenannten Hirtenwieslein angelegt. Die Beerdigung der Müllerstochter Gertraud Müller durch Hofprediger Johann Michael Ellrodt am 29. Juli war Anlass für die Einweihung. Dieser Friedhof war mit einem Zaun umgeben und ist auf dem anonymen Prospect-Kupferstich von St. Georgen (um 1710) schon eingezeichnet. Nur 6 Jahre später war er zu klein geworden, wurde aber weiter genutzt. Er diente noch von 1769 bis 1830 als Begräbnisplatz für die Strafgefangenen, dann wurde er aufgelassen und bebaut.

Markgraf Georg Wilhelm erwarb daher von der Stadt Bayreuth das sog. Hirtenäckerlein (hinter der 1708 errichteten Kaserne). Er ließ es von einer Sandsteinmauer umgeben und das Eingangsportal von Hofbildhauer Elias Räntz (1649-1732) gestalten. Am 17. Nov. 1715 (seinem Geburtstag) wurde dieser neue (zweite) Friedhof eingeweiht. Er bildet den ältesten Teil des mehrfach erweiterten und schön gestalteten heutigen Friedhofs von St. Georgen. Inzwischen wurde er mehrfach erweitert.

1. Friedhof 1709  –  hinter der Ordenskirche
(auf dem Hirtenwieslein)

2. Friedhof 1715  –  hinter der Kaserne
(auf dem Hirtenäckerlein)

vom Kirch-Parkplatz zum Friedhof

hinter der Ordenskirche zweigt die historische Gasse Hinter der Kirche nach rechts ab und mündet direkt am (Haupt)-Friedhofseingang. Das breite barocke Sandsteintor mit Amphoren und Putti-Engeln von Elias Räntz ist leider stark verwittert, sodass man kaum erkennen kann, dass die 3 harmlosen Putti-Kinderengel einen Offenbarungs-Vorhang öffnen und dahinter ein fliegender ernster Engel des Jüngsten Gerichts sichtbar wird, bei dessen mahnender Posaune die Toten aus den Gräbern steigen.

Friedhofsausgang

Friedhofseingang

Historisch wertvolle Grabanlagen (siehe Friedhofsplan)

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Die Leers’sche Grabanlage gleich neben dem Eingang

Gleich links vom Eingangsportal befindet sich die Leers’sche Grabanlage (= Nr. 7 auf dem Friedhofsplan). Das Fabrikanten-Ehepaar Friedrich Wilhelm Leers (1769-1825) & seine Frau Rose sind heute noch vor allem als Stifter des Leers’schen Waisenhauses bekannt, das nach ihrem Tod im ehemaligen Wohnhaus Bernecker Str. 11 untergebracht wurde, den guten Ruf verlor und später aufgelassen wurde. Seit 2026 ist dort – um einen Neubau erweitert – das Stadtarchiv Bayreuth untergebracht (also rechts vom einstigen Ordensschloss und heutigem Gefängnis). Die Bibliothek des Waisenhauses ist übrigens die älteste bekannte und noch existierende Kinder- und Jugendbibliothek von Bayreuth (sie passte damals in einen schönen verglasten Wandschrank, der heute in der Uni-Bibliothek Bayreuth steht). Seit 2026 ist das Leers’sche Waisenhaus – neben dem Neubau – Teil vom Stadtarchiv Bayreuth.

Leers war ein sehr fortschrittlicher und sozialer Arbeitgeber, der seinen Angestellten in seiner Tuch- und später auch der Fayence-& Wedgwood-Fabrik Fortbildung und feste Existenzgrundlage bot. An vielen sozialen Projekten war er beteiligt und förderte u.a. Arme und die Armenfürsorge, externe Blindenanstalten und das Krankenhaus in Bayreuth, übernahm Patenschaften für Kinder und vergab Ausbildungsstipendien oder sorgte für billigen Druck und Vertrieb des Neuen Testaments. 2x war er Magistratsrat in Bayreuth und in den letzten 7 Lebensjahren verwaltete er das Gravenreuther Stift und die Ordenskirche unentgeltlich.

Fotos: Karla Fohrbeck

Auf der Grabanlage finden wir Symbole seiner Zugehörigkeit zu den Freimaurern als Steinreliefs:

  • rechts und links 2 schlangenumwundene, zu Boden gehaltene Fackeln
  • im Giebeldreieck den „Auferstehungs-Schmetterling“ (Symbol der Metamorphose und Wiedergeburt),
  • darunter – in einer Halbkreisnische – eine Urne mit Inschriftentafel. Die (kaum leserliche) Inschrift lautet: „Ruhe sanft in
    diesem stillen Grabe/ Ernte nun verklärt vor Gottes Thron/ Dort nach abgelegtem Wanderstabe/ Deiner frommen Saaten Freudenlohn“.

Die Gruft wurde 2002 unter Kostenbeteiligung der Leers’schen Stiftung saniert

Barock und Rokoko-Gräber aus dem 18. Jh.

  1. Ein offenes Mausoleum aus der 2. Hälfte des 18. Jh. – rechts vom Eingang an der Friedhofsmauer
  2. Der „Bildnis-Stein des Bürgers & Gastgebers“ Hans Söllner befindet sich linker Hand vom Eingang am Ende der Aussegnungshalle (= AH)
  3. Einige Schritte weiter finden Sie das historisch besonders interessante Grabdenkmal des Franz von Seybothen. (zwischen AH und Nr. 4)
    Er entstammte einer Patrizierfamilie aus Rothenburg und „wurde zusammen mit 2000 Soldaten von Markgraf Alexander an die Engländer für den Einsatz im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verkauft. Die Hälfte der Söldner verlor ihr Leben“ heißt es auf dem Friedhofsschild am Eingang. Der Regimentsobrist (aus Rothenburg) war Kommandant des Bayreuther Regiments. Offiziere seines Regiments und Freunde stifteten ihm damals dieses Denkmal.
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Mausoleum

Hans Söllner

Franz von Seybothen

Spätere, aber historisch wertvolle Grabanlagen sind außerdem:

Die Gruft der Fabrikantenfamilie Rose (vgl. Fayencefabrik und Brandenburger Str. 32 unter Prachtstraßen) – wurde als eine neogotische Kapelle vor der rückwärtigen Mauer gestaltet, wo sich auch andere Mausoleen und historistische Grabmale aus dem 19. Jh. befinden (=Nr. 6 auf dem Friedhofsplan). Die Rose-Gruft wurde 1854 errichtet und 1983/84 saniert, wobei sich Denkmalschutz, Stadt Bayreuth & Bezirk Oberfranken in die Kosten teilten, aber Familien-Angehörige sich ebenfalls „mit einem nicht unerheblichen Betrag“ beteiligten.

Der Obelisk aus schwarzem Marmorgranit des Ritter von Eitzenberger (1875-1956) ist auf dem Weg vom Eingang zum Rose-Mausoleum nicht zu verfehlen (Dieses Familiengrab = die Nr. 8 auf dem Friedhofsplan). Wilhelm Eitzenberger diente von 1895-1919 als Offizier und Major in der Bayerischen Armee und wurde dafür vielfach ausgezeichnet, u.a. 1917 mit dem Militär-Max Joseph-Orden, der mit der Erhebung in den persönlichen Adelsstand verbunden war. 1919 erhielt er die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Bayreuth, die nach ihm auch eine Straße benannt hat.

Literatur dazu v.a.: Günter Kruse: St. Georgen und die Kirchengemeinde in: 300 Jahre Ordenskirche Bayreuth-St. Georgen. Adel, Bürger, Arme Leute – eine Kirche führt zusammen. = Im Auftrag der Evang.-Luth. Kirchengemeinde hrsg. von Norbert Aas. – Bayreuth 2011 (S. 71-140).

Textredaktion & Fotos: Dr. Karla Fohrbeck