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MARKGRAFENKIRCHEN

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Bayreuth – Ordenskirche
St. Georgen

Ab 1702 wurde an der Plan- und Idealstadt St. Georgen gebaut. 1705 wurde in St. Georgen vom damaligen Erbprinzen Georg Wilhelm der Orden de la sincérité (Orden der Aufrichtigkeit) nach dem Vorbild des englischen Hosenbandordens gegründet. Und im gleichen Jahr geschah die Grundsteinlegung der Kirche. Die Ordenskirche ist somit Teil einer einheitlich geplanten barocken Stadtanlage, die zum ehemaligen Ordensschloss des Markgrafen hin ausgerichtet war (heute Justizvollzugsanstalt an der Bernecker Straße). Das ist auch der Grund, warum der Altar – anders als sonst üblich – nicht nach Osten, sondern nach Norden gerichtet ist. Der ursprüngliche Name Sophienkirche ehrte gleich drei Frauen dieses Namens, die Mutter, die Gattin und die Tochter des Bayreuther Erbprinzen und späteren Markgrafen Georg Wilhelm (1678/1712-1726).

1705-1711 leitete Hofarchitekt Gottfried von Gedeler den Bau der Kirche, die als Zentralbau nach niederländischen und norddeutschen Vorbildern und innen als saalartiger Einheitsraum konzipiert ist. Grundriss ist das gleichschenklige griechische bzw. das Ordens-Kreuz. Der markante Turm über dem südlichen Ende des Kirchenbaus wurde 1716-18 nach Plänen von Hofarchitekt Johann David Räntz gebaut.

Info-Box

Ordenskirche St. Georgen
Evang.-luth. Kirchengemeinde St. Georgen in Bayreuth.
St. Georgen 56
95448 Bayreuth
Tel: 09 21/87 11 05 11 oder 09 21/27167

pfarramt@ordenskirche.de
Gottesdienst am Sonntag um 9:30 Uhr
Die Ordenskirche ist tagsüber geöffnet
Ein Kirchenführer von Karl Müssel liegt aus.

Die Ordenskirche ist der 1. Neubau mit einem neuen Kanzel-, sogar mit einem neuen Kanzel-Orgel-Altar. Er wurde 1712/13 von den Bildhauern Elias & Johann Gabriel Räntz geschaffen, nach einem Entwurf von Architekt G. von Gedeler. Die Streit-Orgel kam 1714 dazu. Zusammengebaute Vorläufer gab es schon seit 1682 (Neudrossenfeld). Und auch wenn die Hugenottenkirche in Christian-Erlang 1686-1691 als 1. großer protestantischer Kirchenbau gilt, und auch wenn die Markgrafenkirche in Creußen schon die Bedeutung der Kanzel hervorhob und die in Thurnau die Gleichwertigkeit von Kanzel und Altar – die Ordenskirche in St. Georgen ist als Pfarr-, Fest- und Hofkirche mit 900 Plätzen „der 1. repräsentative Kirchenbau nach der Reformation im Markgraftum Brandenburg-Bayreuth“ (Karl Müssel im Kirchenführer), eine vollendete lutherische Predigtkirche.

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Den Marmor-Taufstein von Elias Räntz stiftete Markgraf Georg Wilhelm 1716 (Initialen GWMZB = Georg Wilhelm Markgraf zu Brandenburg). Er ist sechseckig und aus rosenfarbig geadertem Marmor. Sein besonderes Prunkstück ist der abnehmbare Deckel mit der holzgeschnitzten Darstellung der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan und dem „Auge Gottes-Strahlkranz“.

Direkt darüber, am Kreuzungspunkt der Grundriss-Achsen, befindet sich das Deckengemälde zum gleichen Thema, der Taufe Jesu im Jordan.

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Die Bilder-Bibel auf den 36 Einzelgemälden an der Decke in den hochbarocken Stuck-Feldern Feldern von Bernardo Quadri (aus Lugano) ist an Vielfalt und Farbigkeit ungewöhnlich für eine evangelische Kirche, ein „hervorragendes lutherisch-orthodoxes Bildprogramm der Barockzeit.“ Die Bilder wurden 1710-1712 gemalt, und zwar die zum Neuen Testament von Gabriel Schreyer aus Erlangen, die zum Alten Testament von Johann Martin Wild aus Kemnath. Die 12 großen Bilder zur Leidensgeschichte Jesu – vom letzten Abendmahl (rechts hinter dem Altar) bis zur Auferstehung – hatten eine Bildfolge in der St. Anna-Kirche zu Augsburg aus dem Jahre 1686 zum Vorbild.

Eine detaillierte Beschreibung der Bilderdecke – mit zahlreichen weiteren Fotos – hat Pfarrer Friedrich Jehnes erstellt. Unter folgendem Link können Sie das PDF ansehen oder herunterladen. Oki-Neufassung-Bilderkonzept-2015-zum-Auslegen-alle-Bilder.pdf
Der Kronleuchter ist späteren Datums. Er wurde 1858 von Magdalena Schmidt aus St. Georgen gestiftet und ist eine Arbeit des Bildhauers Lorenz Scheidig aus Fürth.

Die 83 (+4) Wappentafeln von Ordensrittern aus dem Zeitraum 1705-68, die an den Baluster-Emporen der Sophienkirche in
St. Georgen heute noch hängen, rechts und links der mächtigen Fürstenloge, erinnern an diese aktive weltliche Ordensgemeinschaft. Die Mitglieder des Ordens waren Hofleute und Adelige, hochrangige Militärs und markgräfliche Minister. Man traf sich dort jährlich zum St. Georgstag am 23. April.

Die Ritter haben zum Bau und Erhalt der Ordenskirche kräftig gespendet, außerdem 1722 die größte Glocke finanziert, die von Christoph Salomon Graulich in Hof gegossen wurde und 22 Zentner wog. Diese Ritterglocke trägt die Inschrift:
Als Georg Wilhelm war lands-Regent/
Der Thurm und Kirchenbau vollendt/
Da bin ich, Gott zu ehren, bereit/
Vom Orden der Aufrichtigkeit/1722.

Die Glocke war 1986 unterhalb der Krone abgebrochen und steht jetzt links vom Altar. Sie wurde durch eine neue Glocke in derselben Größe aus der Karlsruher Glockengießerei ersetzt und hat ein Gewicht von 1340 kg. Die anderen 4 Glocken sind kleiner.
2 stammen noch von 1714 (aus der Gießerei von Johann Conrad Roth in Forchheim). 2 weitere wurden 1953 von Karl Czudnochowsky in Erding neu gegossen, eine als Ersatz für eine alte und eine,
um die Tonfolge zum jetzt fünfstimmigen harmonischen Geläute
es – ges – b – des – es zu erweitern.

Fürstenloge von Markgraf Georg Wilhelm

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Roter Samtbehang mit eingesticktem Wappen des Markgrafen, seinen Initialen und Ordensband

Textredaktion & Fotos: Karla Fohrbeck

In der Kirche günstig zu erwerben ist die sehr informative und reich bebilderte Broschüre von Karl Müssel: Die Ordenskirche Bayreuth-St. Georgen in der Markgrafenzeit (darin auch Information zur Geschichte der Stiftskirche in St. Georgen).
Zu empfehlen ist immer noch der Festschriftband von Norbert Aas (Hg): Adel, Bürger, arme Leute. 300 Jahre Ordenskirche Bayreuth-St.Georgen. Bumerang Verlag 2011
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