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barocke Prachtbauten & -Strassen

Schiffs-Flotte & Matrosen(gasse)
Die historische Matrosengasse mit den ehemaligen Seemannshäusern und dem Kapitänshaus in der Mitte erinnert an die Zeit, als Georg Wilhelm (1678/1712-1726) auf dem Brandenburger Weyer Seeschlachten & Seevergnügen inszenierte. Diese sogenannte Naumachie war damals an europäischen Höfen auch andernorts „Mode“ und degenerierte bzw. avancierte später, als die „Türkengefahr im Süden Europas“ verblasste, zu attraktiven See-Festivitäten friedlicher Art. Dazu wünschte (und organisierte) sich auch der junge Erbprinz Georg Wilhelm noch vor 1700 schon Segelschiffe, Kanonen, eine Schanz und natürlich Matrosen.
Abb.: Ausschnitt aus J. A. Riediger Karte von 1745
Aus der großen Welt und dem Meer . . .
Auf seiner Kavalierstour bzw. Bildungsreise lernte der 17jährige Georg Wilhelm in den Niederlanden die dortigen sauberen Matrosen-Siedlungen kennen und begeisterte sich – wie übrigens fast zeitgleich Zar Peter der Große (1672/1682-1721/1725) in Petersburg – für den hohen Standard der Marine, von Seehandel und (Segel-)Schiffahrt. Die wurde auch von dem etwas älteren Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1662-1726) geteilt, der schon als junger Mann – wie Georg Wilhelms Vater, MG Christian Ernst – 1683 zu den „Türkenbezwingern“ vor Wien gehörte. Ihn besuchte Georg Wilhelm 1695 in Brüssel, wo Max Emanuel seit 1692 Generalstatthalter der Spanischen Niederlande war. Mit diesem teilte er die Vorliebe für Musik und die Jagd und dort lernte er – wie zuvor in Amsterdam – auch große Hofhaltung kennen
Bei Wilhelm III von Oranien, ebenfalls Statthalter der Niederlande und König von England, der ihn in Brüssel schon empfangen und wie einen künftigen Reichsfürsten behandelt hatte, machte er 1696 von London aus sogar direkte Bekanntschaft mit den Gefahren der Segelschiffahrt. Denn auf einer mehrtägigen Tour auf dem Ärmelkanal wären er, seine fränkische Begleitung und die Mannschaft in der stürmischen See beinahe verunglückt. Er aber – wie er berichtet – gab der Besatzung „Mut und Gottvertrauen“ zurück, sie wurden gerettet und der Erbprinz lässt sich fürderhin nicht abschrecken, sondern blickt voller Stolz auf dieses Abenteuer zurück.
In Schloss Windsor lernte er beim König auch die Bedeutung des dortigen Hosenbandordens für den gesellschaftlichen Zusammenhalt kennen sowie dessen Verbindung zum englischen Nationalheiligen Sankt Georg, dem Drachentöter. Das gab seiner Vision als künftiger Markgraf und der Bedeutung seines eigenen Georgs-Namen entscheidende Impulse.
In der Markgrafenloge – Sinnbild zum ewigen Gedenken
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In seiner Markgrafen-Loge in der Ordenskirche – gegenüber und auf gleicher Höhe mit dem Kanzelaltar – zeugt eines der 4 emblematischen Decken-Sinnbilder = „Ultra Nubila“ (Jenseits der Wolken“ bzw. „Über die Wolken hinaus“) – von dieser bleibenden Erfahrung bzw. diesem grundlegenden Gottvertrauen. Es ist auch kein Zufall, dass hier eine orientalische Palme und ein türkisches Dorf am Ufer der stürmischen See zu sehen sind, worauf Pfarrer Frieder Jehnes hinweist (in Norbert Aas, Hg: 300 Jahre Ordenskirche St. Georgen. 2011)
. . . Zurück in die Provinz und an den Brandenburger Weyer
Der Brandenburger Weyer seines Vaters, der seit Ende des 15. Jh. aus dem Wasser der Warmen Steinach künstlich angestaut wurde, war nach Ende des 30jährigen Krieges (1618-1648) kurze Zeit trockengelegt und dann wieder für die fürstliche Enten- und Wildvogeljagd in den vorigen nützlichen Zustand versetzt worden, für die es eine eigene kleine Insel gab.
Dieser „vergnüglichen Jagd“ gingen Georg Wilhelm und die späteren Markgrafen ebenfalls nach, auch wenn sie genügend andere Jagdschlösser und Jagdgelegenheiten hatten. Auch die „Schanz“, den Anlege-Haven mit den Kanonen und die Matrosengasse finden wir auf den zeitgenössischen Karten eingezeichnet – in unmittelbarer Nähe von Ordensschloss und vorgelagerter Vergnügungs-Insel.
Georg Wilhelms Schiffs-Flotte
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Denn der See war groß genug für zuletzt immerhin 6 Segelschiffe, die anfangs als „Kriegsflotte“ für simulierte Manöver, von Anfang an aber zugleich zur „Schiffslust“ dienten – als Theater-Kulisse, für Feuerwerke (damals kunstfertige und oft allegorische Illuminationen), Karneval in Kostümen (auch für das Markgrafenpaar und seinen Hof) oder Gäste-Empfang.
Schließlich ließ Erbprinz Georg Wilhelm den Weiher schon Ende des 17. Jh. vergrößern & vertiefen und somit schiffbar machen. Er legte die künstliche Rosen-Insel an und umgab sie mit einer Mole, so dass seine Schiffe in diesem halbrunden Hafen vor Anker gehen konnten. Vom Ordensschloss aus (Bauzeit 1701-1707) konnte man über einen hölzernen langen Steg von 85-120 m Länge hinübergelangen (die Angaben schwanken etwas, je nachdem ob man von der Schlosstreppe oder vom Seeufer aus rechnete). Er ließ zudem etwas weiter rechts davon eine sternförmige Schanz als künstliche Festung in den See bauen. Diese musste im Manöver verteidigt werden, gegen die Türken natürlich.
Modell-Vorlage für das Segelschiff Neptun
Von 4 großen Schiffen weiß man die Namen. Neptun war das Hauptschiff. Die anderen hießen Löwe, Bacchus und Seehund. Alle wurden schon vor der „Kavaliersreise“ 1695/96 in Auftrag gegeben. Von Anfang an gehörte auch eine kleinere Brigantine dazu (als türkisches „Piratenschiff“) „Ein Schreiner aus Münchberg, Ruckdeschel, baute das 1. Schiff. Die Gebrüder Sauer von Wertheim zimmerten 4 verschieden große Schiffe“ so fasst Horst Fischer in seinem Häuserbuch St. Georgen (2000) die Erinnerungen zusammen. Und dieser Schreiner aus dem Fichtelgebirge war wahrscheinlich Zimmermann und hatte, das ist belegt, auf seiner Wanderschaft immerhin einige Schiffsbau-Erfahrungen in Skandinavien gesammelt. Auf den zeitgenössischen Kupferstichen und Aquarellen sieht man auch kleinere Schiffe, also „Gondeln, Galeeren und Yachten“, wie es in einem Reisebericht heißt, die der Markgraf auch „öfters miteinander streiten lässet“. Eine Info-Tafel im Historischen Museum macht dabei auf die „Schiff-Hütten“ aufmerksam, in der die Prunkschiffe zum Schutz gegen die Witterung untergebracht wurden. Sie befindet sich 1745 (auf dem Riediger-Plan) noch am Nordwest-Ufer. Später wurde sie ans Ende der Matrosengasse verlegt.
3 der großen Schiffe waren mit Kanonen bestückt, für die „Seespiele“ außerdem mit Fahnen, Wimpeln, Figuren und Bändern. Und die Innenausstattung in den Aufenthaltsräumen ließ offenbar auch wenig zu wünschen übrig, denn es wird von farbigen Stofftapeten, Sesseln, Tischen, Bänken und Spiegeln, und natürlich von verschiedenen Sorten an Willkommens-, Bier- und Wein-Trinkgläsern berichtet. Im Staatsarchiv Bamberg, so berichtet C. Rabenstein 1994 (S. 37) befinden sich noch die Bestandslisten von 1727.
1717 wäre Georg Wilhelm (inzwischen Markgraf) beinahe ertrunken, noch dazu zusammen mit seinem Cousin Georg Friedrich Karl (dem späteren Nachfolge-Markgraf), der erstmals zu Besuch weilte, als eines der Schiffe „umstürzte“. Das war (u.a.) Grund und Anlass, 1722 die Flotte noch durch ein stabiles und imposantes „Ritter St. Georgen-Schiff“ zu ergänzen. Dieses Prunkschiff war mit 6 m Breite, 30 m Länge und einem 6 m hohen Mast das größte. 1724 scheint noch eine kleinere Georgine dazu gekommen zu sein.
Die Schiffsflotte jedenfalls hatte Bestand und diente auch den Folge-Markgrafen zum Seevergnügen.
Die historische Matrosengasse – heute noch eine Sehenswürdigkeit

Da die Schiffe sehr aufwändig ausgestattet waren, nicht nur mit Kanonen, und keineswegs leicht zu manövrieren und zu ankern, brauchte Georg Wilhelm für seine Schiffe als Besatzung von Anfang an auch Matrosen. Am südwestlichen Ufer ließ er daher – schon als Erbprinz – ein zweistöckiges „Schiffer- und Gärtnerhaus“ errichten (heute allgemein als Kapitänshaus bezeichnet), für das 1703 ein Kostenvoranschlag nachweisbar ist. Hütten für die Matrosen gab es wohl vorher schon, aber erst, als man rechts und links vom Kapitänshaus 3 bescheidene kleine Sandsteinhäuser anfügte, konnte man von einer „Matrosengasse“ reden. Auf dem Kupferstich von 1710 fällt sie gleich als Besonderheit auf – vom See aus betrachtet rechts von Ordensschloss und Opernhaus. Einige, vor allem auch die jeweiligen Kapitäne, waren hauptberufliche und erfahrene Matrosen.
Die meisten Matrosen jedoch stammten aus der regionalen bzw. örtlichen Handwerkerschaft oder waren Bedienstete des Hofstaats und wurden ausgebildet bzw. angelernt. Sie übten diese „Profession“ eher nebenberuflich und vorwiegend in den Sommermonaten aus. Nicht alle Matrosen konnten in der Matrosengasse wohnen. Manche wohnten z.B. im Neuen Weg oder in der Schulstr. (so der Matrose u. Porzellanmaler Georg Adam Hagen), also weiter weg, aber diesseits des Roten Mains und zum Pfarrbezirk St. Georgen gehörig.
Das weitere Schicksal unserer „Land-Matrosen“ nach MG Georg Wilhelm (1735-1771)
Karl Müssel widmet sich dem Matrosen-Thema ausführlicher (Die Matrosen vom Brandenburger See. In: „Die Brannaburger“: Festschrift 1985, S. 43-49) und dabei auch der Frage, wie die Markgrafen nach MG Georg Wilhelm mit Schiffahrt und Matrosen umgingen:
- In den Kirchenbucheinträgen von St. Georgen werden von 1710-1737 insgesamt 40 Matrosennamen (ohne die Offiziere) vermerkt, davon dienten etwa 30 noch in der Zeit von MG Georg Wilhelm (1712-1726).
- MG Georg Friedrich Karl (1726-1735) musste Staats- und eigene Schulden abtragen und die Schiffsflotte reduzieren. Aber sie wurde gebraucht, u.a. 1728 zum pompösen Staatsempfang seiner dänischen Verwandtschaft
- In der Zeit der Seefeste unter dem Markgrafenpaar Friedrich & Wilhelmine (1735-1758/63) standen die Matrosen „wieder hoch im Kurs“. 1753 gibt es erstmals ein eigenes Hofschiffamt als Sonderabteilung der Bayreuther Hofhaltung – mit einem eigenen Schiffsinspektor (aus Frankreich) und einem Matrosenkorporal. Dazu gehörten auch 13 Matrosen. Auch gab es weitere „Bedarfsfall-Matrosen“. Die 3 Schiffsmeister (aus Wertheim, Bamberg und Marktsteft) wurden bei den Künstlern (!) aufgeführt und gehörten daher nicht zum Hofschiffamt. 1755 wird der Schiffsinspektor zugleich Stadt- und Polizeiwachtmeister in St. Georgen. 1763 betrug das Matrosengehalt 11 Gulden jährlich. So viel zur zeitgenössischen „Sozialstatistik“.
- Unter MG Friedrich Christian (1763-1769) und seiner notwendigen Sparpolitik musste der Hofstaat drastisch verkleinert werden. Aber erst 1766 werden die letzten (8-9) Matrosen entlassen. Diese bitten aber darum, ihre Häuser in der Matrosengasse behalten zu dürfen (wofür sie 2 Gulden jährlich zahlen wollen), verzichten aber gerne auf das Bürgerrecht, dass ohne Braurecht wertlos ist. 1768 wird sogar das Hofschiffamt mit den Matrosen noch im Hofkalender aufgeführt, obwohl es keine „berufsgerechte Verwendung“ mehr gab.
- Unter MG Alexander (1769-1781) hatten die entlassenen Matrosen noch einmal „einen großen Tag“, denn 1771 – bevor der See endgültig abgelassen wurde – wollte man noch einmal zu einem Seefest „wie früher“ rüsten. Die alten Matrosen hatten ihre alten Uniformen herausgeputzt und forderten Geld für eine neue Livreé und Zubehör (wovon die detaillierte Bedarfsliste noch vorliegt). Wie berichtet, startete das Fest zwar fulminant, auch mit Feuerwerk, wurde dann aber von einem heftigen Gewitter überrascht und (inclusive aller Kerzen auch im Schloss) „ausgeblasen“.
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Matrosen gab es noch, als der See längst ausgetrocknet war (1775/76-1807)
Horst Fischer widmet in seinem Häuserbuch St. Georgen (2000) fast 30 Seiten den einstigen Matrosen in St. Georgen. Danach wohnte noch 1783 ein Matrose (mit anderen) im Kapitänshaus. In der Nr. 20/22 wird ein Matrose Lorenz Fraas von 1783 -1800 als Mieter aufgeführt. Auch in Nr. 24 wohnt von 1771-1803 noch ein Matrose namens Johann Stamm. Für die Hausnr. 26 wird von 1794- um 1807 der Matrose Georg Adam Fickenscher erinnert. Dann widmet sich Horst Fischer noch der Schiffshütte, dem Gießhaus und der Glockengießerei – was aber hier zu weit führen würde. Und zusammenfassend berichtet er von der diesbezüglichen markgräflichen „Fürsorge“ bis zum Schluss.
„Die Matrosen bekamen ihre Häuser von dem Markgrafen Friedrich Christian 1767 unentgeltlich. Nach einem Kammerrescript vom 4. VII.1767 sind sie handlohnfrei bei jedem Veränderungsfall, idem zinsfrei und gegen Bezahlung von 2 fl von einem ganzen Haus nebst den Gärten von der Landschaftssteuer und allen anderen oneribus befreit. Die bei den Häusern stehenden Backofen wurden ihnen in commune überlassen. Die Lehensbriefe wurden ihnen von der fürstlichen Amtsverwaltung Sankt Georgen, ietzo von dem Kammeramt Bayreuth ausgestellt.“
- Matrosengasse aus der Luft (Foto: Herbert Popp)
- Kapitänshaus
- Einfache Matrosenhäuser (Fotos: Karla Fohrbeck)
Die Matrosengasse gibt es noch heute
Die Matrosengasse als Häuserzeile am ehemaligen Seeufer hat ihren Charakter behalten, auch wenn am 3. Juni 1835 ein Brand fast alle Häuser der Matrosengasse zerstörte. Sie wurden sofort wieder im alten Stil aufgebaut, blieben „ein Unikum“. Man findet sie links vom ehemaligen Ordensschloss (Heute JVA) und seiner Gefängnismauer bzw (von der Bernecker Straße aus) hinter dem „Grünen Baum“. Die heutigen Bewohner, der Denkmalschutz, die Gästeführer und „die Brannaburger von St. Georgen“ wachen auch weiterhin über die noch spürbare „historische Aura“.
Und welche Wahl haben wir?
. . . unter Umständen gar keine


















