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BAROCKGÄRTEN & PARKS

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See-Schlachten & See-Vergnügen
unter MG Georg Wilhelm   (1678/1712-1726)

Georg Wilhelm war für seinen Vater. MG Christian Ernst (1644/1661-1712) der lang ersehnte Nachfolger, den ihm seine zweite Ehefrau Sophie Louise 1678 schenkte. Und da der Vater Obrist
(also oberster Führer) des Fränkischen Reichskreises und General in kaiserlichen Diensten war, die Sommermonate über meist auf Feldzügen, war klar, dass der Junge in diese Fußstapfen zu treten hatte. Ein Kinderbild zeigt uns 1681 Georg Wilhelm im Alter von 3 Jahren in einer Gala-Uniform – des Vaters ganzer Stolz und ihm
„wie aus dem Gesicht geschnitten“.

Und so heißt es unter dem Kupferstich auch:
Deß tapfern Vatters grosser Geist
sich in des Sohnes Augen weist.

Die Geburtsmünze (1678) & der 3-jährige Georg Wilhelm (1681)

Markgraf Christian Ernst als Türkensieger und Über-Vater

Offizier und Militärführer würde Georg Wilhelm einst werden, nicht „nur“ Landesherr. Da Söldnerheere in Europa schon lange nicht mehr üblich waren, musste sich auch der Fränkische Reichskreis mit einem stehenden Heer abfinden, das zumeist in Bayreuth, aber auch in St. Georgen, Kulmbach oder Himmelkron stationiert bzw. gelagert war. Aufgrund der Reichskriegsverfassung von 1681 waren die Provinzen zur Stellung von Truppen für die Reichsarmee verpflichtet. Und so war Militärische Ausbildung von Anfang an wichtiger als allgemein schulische. 5 Jahre war er alt, als sein Vater als „Türkensieger“ aus dem Feld zurückkam, nachdem er 1683 mit seiner reichsfränkischen Armee (und gemeinsam mit den Armeen der Bayern und Schwaben) dem Kaiser und dem Polnischen König geholfen hatte, Wien in letzter Minute von der hochgefährlichen Belagerung zu befreien und zu verhindern, dass die Osmanen weiter nach Bayern und Europa vordrangen.

Auch als Abschreckung waren diese Heere notwendig und wirksam, damit andere Heere nicht ungefragt durch das eigene Land zogen. Die Verwüstungen und Folgen des 30jährigen Krieges (1718-1748) waren noch präsent. Die Türkengefahr war bei weitem nicht gebannt und die Kriegsgefahr in Europa flammte auch andernorts immer wieder neu auf. So wurde Georg Wilhelm vom Vater Markgraf durchaus früh „ins Feld“ und in die Verantwortung genommen und auf „den Ernst des Lebens“ vorbereitet. „Bereits als 17-jähriger fiel der Sohn beim sog. Treffen von Enghien als äußerst mutiger Soldat auf“, rühmt die Gedenkfahne im ehemaligen Prinzenschloss Himmelkron.

Man vergleiche im übrigen Georg Wilhelms Jugend und Erziehung mit der von anderen Fürstensöhnen:

  • Max Emanuel von Bayern durfte und konnte z. B. schon 1679/80 (mit 17/18 Jahren, als er gerade mündig wurde) das große bayerische Heer nach französischem Vorbild modernisieren.
  • Im Jahr 1700/1701 wurde dem späteren preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (damals erst 12 Jahre alt) vom König-Vater erlaubt, auf Gut Wusterhausen schon ein eigenes kleines Regiment zu trainieren – in weiser Voraussicht wie sich später erweisen sollte.
  • Und Georg Wilhelm bekam in seiner (langen) Erbprinzenzeit sein „St. Georgen am See“ als Planstadt, Residenz und militärischer Dependance.

1695/96.   Die Grand Tour – Erbprinz Georg Wilhelm auf europäischer Kavaliers-Reise

Der Erbprinz wurde also schon als junger Mann für eine militärische Karriere erzogen und trainiert. Auch seine Kavaliers- und Bildungsreise 1695/96 diente nicht zuletzt solchen Erfahrungen. Außerdem konnte und sollte er dabei seine Fremdsprachen-Kenntnisse und Umgangsformen verbessern. Die Reise diente auch dem Vergleich mit den Standards anderer Fürstenhöfe – sowohl in bau- und handelspolitischer, kultureller wie militärischer Hinsicht. Und diplomatische und Freundschaftsbeziehungen quer durch Europa dienten künftiger Friedens- (und Kriegs-)Politik.

Markgraf Christian Ernst schickte den inzwischen fast 17-jährigen – wie damals üblich – mit kleinem Gefolge auf diese Grand Tour. Nicht wie sonst nach Italien und Frankreich (mit Frankreich war Krieg), sondern erst an befreundete deutsche Höfe und dann nach Holland, Belgien und England. Nach Dresden, an den prächtigen Hof August des Starken (der mit Christian Ernsts Schwester Eberhardine verheiratet war) hatte er ihn schon früher entführt.

Diese Reise hat Georg Wilhelm die Augen geöffnet, den Sinn geweitet, den Mut gestärkt und ihm die „europäische Bedeutung“ seines Georg-Namens zu Bewusstsein gebracht. Auf die Gefahr, dass wir uns hier etwas wiederholen, denn diese Reise gab auch den entscheidenden Impuls für Georg Wilhelms „Seeflotte“ auf dem Brandenburger See (siehe nächstes Bildkachel-Kapitel).

Zwei Begegnungen waren maßgebend:

1. Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1662/1679 -1726) in Brüssel     –    damals schon „eine Legende“

Dieser „blaue Kurfürst“ und „Türkensieger“, der Erbauer bzw. Vollender der Schlösser Nymphenburg, Schleißheim, Dachau und der Theatinerkirche in München (deren Bau als Dank für seine Geburt begonnen wurde), der große Kunst- und Silberschatzsammler und Musikliebhaber, der verschwenderische und unberechenbare, der für seinen Sohn nach der spanischen Krone strebte (und sie nicht erhielt, da dieser starb) und nach der verlorenen Schlacht von Höchstädt 1704 eine Weile in die Verbannung zog – ihn feiert Bayern 2026 in dessen 300jährigem Todesjahr als „Inbegriff des barocken Herrschers“ und mit großem Pomp als „Legende“.

Wie wurde Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern zu der Legende, die er heute ist? Um diese Frage dreht sich alles in der Sonderausstellung „Making Max Emanuel“, die das Bayerische Armeemuseum anlässlich seines 300. Todestages zeigt.
Max Emanuel gilt als einer der wichtigsten Herrscher Bayerns. Mit ihm erlebte der Staat einen immensen Aufschwung: Als er geboren wurde, war das Land noch gezeichnet vom Dreißigjährigen Krieg. Unter dem ehrgeizigen Kurfürsten und begabten Feldherrn Max Emanuel wurde Bayern zu einem Machtfaktor in Europa.

Und Georg Wilhelm? Der auch 2026 = 300. Todestag hatte –
wer erinnert an ihn?             Wir tun es auf dieser Webseite!

Kurfürst Max Emanuel von Bayern war jedenfalls schon mit 33 Jahren, als er sich 1695 mit dem jungen Erbprinz Georg Wilhelm in Brüssel traf, eine Legende. Dort residierte er seit 1691 als niederländischer Statthalter, liebte die Jagd, maritime Abenteuer und Seevergnügen, Rubens-Gemälde, Diplomatie und Hofmusik, wobei er selber sehr gut die Gambe spielte. Von den Türkenkriegen konnte er sich etwas erholen. Durch den Vater MG Christian Ernst war Georg Wilhelm mit den Erzählungen zwar vertraut, aber das hier waren doch andere Dimensionen. Schon 1679/80, mit 17/18 Jahren, als er gerade mündig wurde, durfte Max Emanuel das bayerische Heer nach französischem Vorbild modernisieren. In der großen Türkenschlacht von Wien 1683, an der auch MG Christian Ernst mit dem (kleineren) fränkischen Reichsheer teilnahm, kam er dem Kaiser mit 11 Tsd Soldaten ! zu Hilfe. Auch danach blieb er im „Großen Türkenkrieg“ an vorderster Front, so bis 1685 bei den Schlachten von Gran und Ofen. 1688 erhielt er von Kaiser Leopold den Oberbefehl in Ungarn und dem „blauen Kurfürst“ (dessen Uniform im ganzen Heer aufstrahlte) gelang die Befreiung Belgrads.

HIER gehts zum Flyer:
Making Max Emanuel – Wie wird man zur Legende?

Hubert Glaser (Hg): Kurfürst Max Emanuel.
Bayern und Europa um 1700, 2 Bände (München, 1976)

1704 – in der vernichtenden Niederlage der Schlacht bei Höchstadt – kämpften beide Fürstensöhne an der Front. Und 1714/15, als der Spanische Erbfolgekrieg endlich beendet war und Max Emanuel nach Bayern zurückkehren durfte, bekam Georg Wilhelm als Markgraf sehr wohl mit, wie dieser dort Schlösser zu Ende baute, Prunkschiffe auf dem Starnberger See vorführte und das bayerische Rokoko zur Hochblüte brachte. Aber in den damals letzten Türkenkrieg 1717 zogen beide nicht mehr.

2. Wilhelm III von Oranien (1650/ 1689-1702) in Brüssel & London    –    König von England, Schottland und Irland

In seinem Reisetagebuch berichtet Georg Wilhelm, dass Wilhelm von Oranien ihn 1695 in Brüssel (ebenfalls) „wie einen künftigen Reichsfürsten“ empfing. Wichtiger aber war die Einladung nach England, wo dieser seit einigen Jahren mit Maria II Stuart den Königsthron usurpierte und wo er ihn Anfang 1696 auf Schloss Windsor und in London besuchen durfte.

. . .

Noch lange nicht Markgraf,    aber Generalfeldmarschall des Kaisers

1702, im Jahr der Gründung der Planstadt St. Georgen, war der Erbprinz den Sommer über im Feld. Bei der Belagerung der von den Franzosen besetzten Festung Landau in der Pfalz zog er sich eine schwere Schussverletzung nahe dem Herzen zu, an deren Folgen er zeitlebens zu tragen hatte. Der „Ernst des Lebens“ hatte also längst begonnen, Georg Wilhelm avancierte recht früh vom jungen kaiserlichen Generalwachtmeister zum kaiserlichen Generalfeldmarschall – ein Rang, den auch sein Vater innehatte und zwei seiner Ordensritter-Kollegen.

Bei der Grundsteinlegung zur Ordenskirche am 18. April 1705 unterzeichnet Erbprinz Georg Wilhelm – er ist jetzt 27 Jahre alt – auf der dicken zinnernen Platte eine entsprechende Dokumentation vor allem mit seinen militärischen Rängen. Sie lautet:

. . . hat diese Kirche
der Durchlauchtigste Fürst und Herr GEORG WILHELM Marggraf zu Brandenburg,
in Preußen Herzog Ihro Römisch-Kayserlich Majestät
wie auch des hochlöblichen Fränkischen Craises hochbestalter General-Feld-Marschall,
Lieutnant und Obrister über ein Kayserlich Regiment zu Fuß,
dann /über/ein Königlich-Polnisch und Chursächsisch Dragoner-,
auch /über/ ein Fränkisches Cuirassier-Regiment aufbauen lassen …

Es ist dasselbe Jahr, in dem er (am 17. November 1705) den Ordre de la sincérité, seinen (Haus-)Orden der Aufrichtigkeit, gründet.

Auch die jährliche Zusammenkunft der Ordensritter am St. Georgstag (23. April) diente anfangs einer Mischung von militärischen Bündnis- und Strategie-Gesprächen, Auszeichnungen und Rangbezeugungen, Paraden und Demonstrationen – und, natürlich, Geselligkeit, Festlichkeiten, Feuerwerk und Plaisir. Die teils zerstrittenen und konkurrierenden Adeligen der Region waren dem Markgrafen ja nicht untergeordnet. Achtung und Vertrauen, „Treu und Redlichkeit“, freundschaftliche und Friedensbeziehungen galt es in dieser „Wertegemeinschaft“ aufzubauen und zu pflegen. Wie bei anderem Vereinsleben auch lassen solche Ideale mit der Zeit an Kraft etwas nach.

1708 ließ Georg Wilhelm, immer noch Erbprinz, am Rand seiner Planstadt eine vergleichsweise große Infanterie-Kaserne errichten, die später in der Brandenburger Straße auch um ein Lazarett ergänzt wurde.
Seine kleine „Schweizer Garde“ vor dem Ordensschloss war sein besonderer Stolz.

Nur wenige See-Schlachten, aber viel See-Vergnügen –  Georg Wilhelms Neumachie-Flotte

Wenn also in den Quellen schon zu Georg Wilhelms Erbprinzen- und Markgrafenzeit von einer Naumachie-Flotte mit 6 (mit Kanonen bestückten) Schiffen und einer sternförmigen Schanz (einer künstlichen Insel-Festung im See) auf dem Brandenburger See die Rede ist, dann war das nur möglich, weil der junge Georg Wilhelm – wie wir inzwischen wissen – den einstigen Weyer hatte vertiefen und erweitern lassen (dürfen), um ihn schiffbar zu machen. Angeregt durch seine Grand Tour wollte er nun in kleinerem Maßstab ebenfalls „maritime Abenteuer“ und Seevergnügen inszenieren, wie sie auch an anderen Fürstenhöfen – ohne Zugang zum Meer – damals Mode waren, wobei die ersten Schiffe eher großen Kähnen glichen und recht untauglich waren. Aber es galt auch ein „stehendes Heer“ zu trainieren, das im friedlichen St. Georgen – weit weg von allen europäischen Kriegsschauplätzen – „wie ein Fremdkörper“ wirkte.

Eine solche „Kriegswindel-Geschichte“ aus Georg Wilhelms Jugend wird besonders gern erzählt. Denn wie „Kriegsspielerei“ kam es den Leuten vor, wenn der junge Erbprinz mit 2000 Soldaten incl. freiwillig-unfreiwilliger Bürgerwehr und Reservisten am Brandenburger Weyer ein mehrtägiges Manöver betrieb. Ein Oberstleutnant musste besagte Schanz „für den Ernstfall“ verteidigen. Aber obwohl „nur“ mit hölzernen Granaten „gegen die Türken“ gekämpft und mit hölzernen Säbeln gefochten wurde, aus Spiel wurde Ernst, harte Verwundungen blieben nicht aus und 2 Soldaten starben daran..

Erst als erfahrene Schiffbauer aus Wertheim und Handwerksmeister aus der Region die Zimmermannsarbeit übernahmen, entstanden vorzeigbare und „kriegstüchtige“ Schiffe mit Kanonen und luxuriös ausgestattetem Inneren, die von Matrosen gesteuert wurden. Auch diente die prächtige Seeflotte mehr und mehr zu Vergnügungsanlässen – für den Hof, für diplomatische Gäste, und gelegentlich auch für die Bevölkerung.  Als „Kriegsflotte“ nur noch „theatralisch“ – wenn sich nämlich die Bühnenrückwand des Theaters bzw. Opernhauses am See zum See hin öffnete und die Freilicht-Kulisse solche Spiel-Szenen ermöglichte. Die Soldaten wurden „zu Lande trainiert“. So bewundert Carl Ludwig von Pöllnitz (1692-1775), der als Europa-Reisender 1723 auch Georg Wilhelm besuchte (inzwischen seit 1712 Markgraf), diesen bei einer Exkursion nach Himmelkron, denn
Der Markgraf ließ sich allda 2000 Mann von seinen Truppen lagern, die durchgehends wohl bestellt sind, und deren Kriegs-Zucht mir ungemein gut vorkam. Ihre Offiziere sind insgesamt Leute von guten Eigenschafften und sehen wohl aus.“ (zitiert bei Ingo Toussaint: Reisen nach Bayreuth. 1994).

Naumachien als Kriegs- und Vergnügungs-Seespiele

Inszenierte Seeschlachten zu Lande (= Naumachien) waren in der Antike technisch sehr aufwendig und grausam und erforderten Tausende von Kriegsgefangenen, Gladiatoren, Sklaven, Sträflingen, zum Tod Verurteilte oder Christen als Opfer –dienten der Verherrlichung von Cäsar (der 46 v. Chr. in Rom damit begann), Nero und anderen Imperatoren und galten – schlimm genug – als „absolute Höhepunkte im Unterhaltungsprogramm Roms“.

In der Renaissance und im Barock wurden die Naumachien (ohne derlei Exzesse) „zur Belustigung der höfischen Gesellschaft“ wiederbelebt. Am Starnberger See ergänzten die bayerischen Königseltern zur Geburt ihres Thronfolgers Max Emanuel ihre Schiffsflotte mit einem besonders prächtigen Exemplar. Am Hof von August dem Starken konnte Georg Wilhelm eine solche „künstlich-maritime Kulisse“ um den Leuchtturm Moritzburg herum (nahe Dresden) kennenlernen. Zar Peter der Große liebte dergleichen in Petersburg und auch in Paris und einigen italienischen Fürstentümern gehörte dergleichen zum hofkulturellen Unterhaltungsprogramm.

Heute könnten auch „Schlachten“ mit ferngesteuerten Modellschiffen zu den Naumachien gezählt werden.

Mehr dazu bei Wikipedia
Und ein schönes G’schichtla zu den legendären Seeschlachten in St. Georgen liefert uns Dr. Adrian Rossner in der ARD Mediathek

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