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MARKGRÄFLICHE BAROCKGÄRTEN & PARKS

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Was ist aus dem See geworden?

Der See wurde im Jahre 1775 abgelassen – noch in der Regierungszeit von Markgraf Alexander (1769 -1791). Anfangs versuchte man dort noch Schnupf- und Rauchtabak anzubauen. Dieser Versuch misslang und das Gelände wurde in Ackerland umgewandelt. Damit war auch die „Mückenplage“ beendet, die das schilfige Seeufer verursachte.

Heute entspricht dem einstigen Seegelände in etwa das nach 1945 sich entwickelnde Industriegebiet St. Georgen-West zwischen Bayreuth-Nord und der Gemeinde Bindlach. Und an MG Georg Wilhelms Seeschlachten, Opernaufführungen und Seefeste oder an MGin Wilhelmines geheimes Treffen mit ihrem Preußen-Bruder Friedrich 1734 und ihre spektakuläre See-Geburtstagsfeier 1745 erinnern eigentlich nur noch die Namen der Quartiere Insel und Schanz und Straßennamen wie die Insel-, See- & Weiherstraße sowie die Häuser in der Matrosengasse. Der Nordwall des Sees wurde erst Ende der 1970er Jahre entfernt, dort verläuft seitdem die Weiherstraße.

Quadermauern der See-Insel als Zeugnis einst bedeutender Gartenkunst?

Kunsthistoriker Georg Kabierske, M.A. aus München, der zu Architektur und Gartenkunst des 18. Jahrhunderts forscht, machte uns dankenswerterweise (April 2026) per Kartenvergleich und Fotos darauf aufmerksam, dass es in St. Georgen noch gemauerte „Insel-Reste“ gibt. Wir fügen sein Bildmaterial samt Kommentar hier ein und verweisen auch auf den youtube-Film am Ende, der diesen „Geheimtipp“ aus den Kreisen von Förderverein und Freundeskreis St. Georgen ebenfalls aufgreift.

Er schreibt dazu: „Mich wundert, dass diese baulichen Reste überhaupt nicht im Bayerischen Denkmalatlas erfasst sind, nicht einmal als Bodendenkmal! Ebenso heißt es auf diversen Seiten im Netz, von der ehemaligen Insel sei nur noch der Straßenname geblieben. Da besteht also die Gefahr, dass diese Überreste bei einer zukünftigen Baumaßnahme undokumentiert abgetragen werden.“

Bei seinem Besuch in Bayreuth-St. Georgen fiel ihm auf, dass von der ehemaligen Insel hinter dem Ordensschloss ja noch etwa ein Viertel deutlich sichtbar erhalten ist. Von der Inselstraße aus mit Blick nach Westen sieht man die aus Quadern gemauerte und gebogene Uferbefestigung. Diese Rundung deckt sich auch mit dem Vergleich von Satellitenbild, bayerischer Kataster-Uraufnahme aus dem frühen 19. Jahrhundert und dem Geländerelief.

Foto: Staatsarchiv Bamberg

Alle drei Bilder zeigen denselben Ausschnitt, die Befunde sind daher direkt vergleichbar

Ein Klick auf die Bilder vergrößert diese.

Kataster des frühen 19. Jh. mit in rosa überlagerten heutigen Baudenkmalen (Bayer. Denkmalatlas) Die Insel war damals noch vollständig erhalten, der See aber bereits abgelassen. Das heute erhaltene Inselstück mit Pfeilen

Aktuelles Satellitenfoto mit in rosa markierten Baudenkmalen (Bayer. Denkmalatlas) Unten das Schloss St. Georgen. Davor der Inselrest, mit Pfeilen markiert. An dieser Stelle sind die vor Ort gemachten Fotos entstanden.

Geländerelief-Karte aus dem Bayern-Atlas. Darin sind Bodenerhebungen erkennbar, während Bebauung ausgeblendet wurde. Das erhaltene Viertelstück der Insel zeichnet sich deutlich ab (markiert mit Pfeilen).

Als denkmalgeschützte Relikte wird man die Quadermauern kaum erhalten können.
Aber zwecks Bauforschungs-Dokumentation geben wir den Hinweis hiermit weiter.

St. Georgen – Projekt Soziale Stadt . . .

Das Quartier liegt heute am nördlichen Innenstadtrand und ist im zentralen Bereich immer noch vom weitgehend erhaltenen, barocken Straßen(markt)zug zwischen Ordenskirche und Gravenreuther Stift geprägt. In vieler Hinsicht hat der Stadtteil gewonnen und wirbt daher im Internet damit, dass hier immer noch jedes Jahr das Brandenburger Bürgerfest gefeiert wird und der Brandenburger Kulturstadl mit seinen regelmäßig stattfindenden Aufführungen ein wichtiger Bestandteil dieses direkt hinter dem Bahnhof gelegenen Stadtteils wurde:
„Hier finden Sie einen Kindergarten, die staatliche Wirtschaftsschule, die städtische Musikschule und die barocke Ordenskirche. Bestens versorgt werden Sie durch das nahe gelegene Industriegebiet sowie Supermärkte, Banken, Ärzte und Apotheke direkt um die Ecke. Mit dem Stadtbus, aber auch zu Fuß, gelangen Sie in wenigen Minuten in die Innenstadt. Auch von diesem Stadtteil aus gelangen Sie schnell zur A 9 und ins nahe gelegene Fichtelgebirge“.

Genau dadurch hat sich aber seit den 1980er Jahren die wirtschaftliche Struktur St. Georgens zum Teil auch ungünstig verändert. Einzelhandel, Nahversorgung und die traditionell vorhandene „kleinteilige Produktion“ konnten mit den Angeboten im Industriegebiet und der Innenstadt kaum mehr konkurrieren. Insbesondere die ehemalige Arbeitersiedlung Insel entwickelte sich zum sozialen Brennpunkt. Im Jahr 2000 ist der Stadtteil daher in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt aufgenommen worden. Ein intensives Beteiligungsverfahren setzte ein. So wurde eigens ein Stadtteilarbeitskreis St. Georgen einberufen, der den Stadtteilerneuerungsprozess über Jahre begleitet – mit beträchtlichem Erfolg.

. . . mit erfreulichem Nebeneffekt: Die Sandstein-Toreinfahrten im historischen Ortskern

Beim Pfeiler-Tor-Projekt z.B. sollten die Toreinfahrten zwischen den Häusern wieder in ihre historisch überlieferte Form in Sandstein nachgebaut bzw. wieder ergänzt werden. Dabei konnten die Eigentümer zwischen mehreren Varianten wählen.

Muster-Vorgabe

Fotos: Karla Fohrbeck

Es bleiben die Modelle der barocken Planstadt St. Georgen

Auf der sommerlichen Wilhelminenaue, die seit der Landesgartenschau 2016 blüht und gedeiht, gibt es einen kleineren (Hammerstädter) See mit Seebühne und erfolgreichen openair-Kulturveranstaltungen. Sie kann zwar mit der markgräflichen Tradition der Seefeste nur bei den Feuerwerken konkurrieren, knüpft aber ansonsten bei der Konzeption daran an. Auf dem Gelände war daher 10 Jahre lang ein großes Modell der Planstadt St. Georgen am See zu bewundern, das der Förderverein Wilhelminenaue im Zusammenschluss mit dem Freundeskreis Schloss-St. Georgen dort dauerhaft platziert hatte. 2026 hatte diese besondere Besucher-Attraktion allerdings „ausgedient“. Die Erinnerung an die markgräfliche See- und Festtradition aber bleibt in der Wilhelminenaue als Park und als fester Teil des kulturellen Sommerprogramms von Bayreuth auch künftig lebendig.

Modell der barocken Planstadt St. Georgen
2016-2026 Attraktion auf der Wilhelminenaue

Modell der barocken Planstadt St. Georgen
Attraktion im Historischen Museum Bayreuth

Das Historische Museum Bayreuth hat 2019 eine erfolgreiche Sonderausstellung Der Brandenburger See offeriert, in der ein eindrucksvolles historisches Modell St. Georgen Mittelpunkt war (nach dem Riediger-Plan von 1745). Es ist dort auch heute noch eine Attraktion und dient hier auf der Webseite mehrfach als Anschauungsmaterial. Auf ein Segelschiff-Modell dort, das wohl als Vorlage für eines der 6 realen Schiffe auf dem Brandenburger See diente, wurde schon hingewiesen.

. . . Und vielfältig lebendig bleibt die Erinnerung

Die reichhaltige, spannende und gründliche Literatur zur Ortsgeschichte bleibt Fundament und unerschöpfliche Fundgrube für „neue alte Geschichten“, in der die See-, Theater- und Bürgerfestivitäten aus der markgräflichen (und der späteren) St. Georgen-Geschichte bis heute tradiert werden. Zu dieser „Fundgrube“ gehören heute viele pressetauglichen Wiederholungs-Stories, Karnevalskostüme, Schützen- und Bürgerfeste, Führungen und Vorträge.

„Als wären wir gestern dabei gewesen!“ Nicht nur die Mitglieder vom Bürgerverein „Die Brannburger“, auch der „Freundeskreis Schloss St. Georgen“ und der „Förderverein Wilhelminenaue“ hielten und halten die Erinnerung lebendig und schließen nach und nach die letzten, vielleicht noch übriggebliebenen Lücken im historischen Ortsgedächtnis. Allem voran das grundlegende Werk von Christoph Rabenstein/Roland Werner: St. Georgen, Bilder und Geschichten (1994. Rabenstein-Verlag Bayreuth).

Ein Klick auf die Bilder vergrößert diese.

Jean Paul-Aphorismus (Christa Jakob)

Anzeige Insel-Schokolade von 1951

Bayreuth Journal (Juli 2012)

Auch im Internet hat St. Georgen seine Spuren hinterlassen

  • Hier der Link zu einem Gschichtla im Bayerischen Fernsehen, wo sich der Regionalhistoriker Dr. Adrian Rossner unserem Thema
    Seeschlacht St. Georgen widmet: www.ardmediathek.de
  • Hier der Link zu einem Beitrag auf YouTube „Der Brandenburger See“
    „Swutzstock“ ist Sven Lutz. Er dokumentiert seit vielen Jahren Begebenheiten in und um Bayreuth in Text und Bild.

Textredaktion & Fotos: Dr. Karla Fohrbeck

Literatur
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