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MARKGRÄFLICHE  PRACHTBAUTEN

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Bayreuth – Friedrichstraße 7-11

Ellrodt-Palais

Philipp Andreas Reichsgraf von Ellrodt (1707-1767) kam aus einer Pfarrersfamilie, studierte Jura in Jena und Halle, war Privatsekretär von Markgraf Georg Friedrich Karl (1726-1735) und stieg bei dessen Sohn zu höchsten Ämtern auf. Er war über viele Jahre der Finanz- und eigentliche Premierminister des Fürstentums Brandenburg-Bayreuth, ein schwieriges Geschäft bei der kostspieligen Baufreudigkeit des Markgrafenpaares Friedrich und Wilhelmine, das Einfallsreichtum und Diplomatie beim Schuldenmachen und Erschließen neuer Steuern und Geldquellen erforderte. Er blieb ein enger Vertrauter des Markgrafen und übte gegen Ende von dessen Regierungszeit faktisch die Regentschaft aus. Er wurde 1750 in den Adelsstand erhoben, 1759 in den Freiherrenstand und 1762 in den Reichsgrafenstand. Er gehörte der Freimaurerloge des Markgrafen an sowie dem Roten Adlerorden. Sein Wappen hängt daher auch in der Ordenskirche von St. Georgen. Über seine Person sind viele Details aus den Memoiren der Markgräfin Wilhelmine überliefert.

Stadt- und Landpalais des markgräflichen Premierministers

In der Friedrichstraße 9-11 hatte er sich 1743/44 sein zweigeschossiges Wohnhaus bauen lassen, das innen weiße Stuckdecken mit zum Teil feingliedrigem Muschelwerk aufweist und nach rückwärts mit einer schönen Gartenanlage versehen war, die heute an die Regierung von Oberfranken anschließt. Hofarchitekt Carl Philipp Gontard entwarf dem Minister 1759/60 diesen „Ellrodt’schen Gartenportikus“ als repräsentativen Anbau und Toreinfahrt zu den Gärten im Innenhof (heute Friedrichstraße Nr.7).

Um diese Zeit baute der mächtige Minister auch seinen Landsitz in Neudrossenfeld weiter aus und hatte dort schon für Familiengruft und Adelsloge in der neuerbauten „Markgrafenkirche“ gesorgt. Mit Unterstützung von Markgraf Friedrich (1735-1763) und zusammen mit seinem älteren Sohn Friedrich Wilhelm Reichsgraf von Ellrodt, (u.a. markgräflicher Gesandter am Wiener Hof) ließ er kurz darauf (1762/63) das ehemalige Rittergut zu einem standesgemäßen Grafenschloss mit den damals berühmten Terrassengärten    umgestalten – wieder nach Plänen von Stararchitekt Gontard.

Der Ellrodt’sche Gartenportikus

Der Gartenportikus bestand ursprünglich aus zwei schmalen eingeschossigen Pavillons mit Zeltdächern und dem halbrunden Torbogen, der von toskanischen Halbsäulen und je zwei vorgestellten Säulen flankiert wird. Die reiche Kartusche mit dem Ellrodtwappen, die jetzt oben die sogenannte Attika krönt, thronte einst auf dem rückspringenden Balkon. Das Obergeschoss mit den drei Fenstern wurde später aufgesetzt und mit einem durchgehenden Walmdach versehen, wohl als auch die angrenzenden Wohnhäuser aufgestockt wurden, um mehr Raum für Bedienstete und Hauspersonal in den Mansarden zu schaffen. Dieser ehemalige Gartenportikus in der Friedrichstraße ist jedenfalls auch heute noch ein Prunkstück in der barocken Friedrichstraße.

Die vier weiblichen allegorischen Sandsteinfiguren auf der Balustrade sind aus Sandsteinersatz. Über ihre Bedeutung und den Zeitpunkt ihrer Erschaffung als Kopien oder doch Originalfiguren wurden noch keine Unterlagen gefunden. Nach den Attributen einiger Statuen könnte es sich wieder um die Darstellung der vier Kardinaltugenden Klugheit, Mäßigkeit, Tapferkeit und Gerechtigkeit handeln wie beim nahen Liebhardt- bzw. Steingraeber-Palais, vermutet der Bauhistoriker Franz Simon Meyer. Schön gestaltete Schlusssteine über den Fenstern – Voluten mit Blumen – geben der Fassade ebenfalls ein besonderes Gepräge und betonen deren symmetrisch-harmonischen Charakter.

Open-Air Ausstellung „Wegweiser“ des Deutschen Freimaurermuseums im Ehrenhof des Neuen Schlosses, zu Straßen, die nach Freimaurern benannt sind.  August 2017

In Bayreuth ist noch auf ein anderes Ellrodt’sches Palais zu verweisen: Gontard erbaute es 1761/62 mit viersäuligem Vorbau in der heutigen Ludwigstraße 26 für Geheimsekretär und Oberreisestallmeister German Friedrich von Ellrodt, den jüngeren Sohn des Premierministers. Nach dem Tode von Markgraf Friedrich, der jetzt andere Interessen hatte, fiel die Familie am Hof zeitweise in Ungnade – so dass all diese schönen Gebäude trotz bester Restaurierung nicht nur vom Glanz alter Zeiten, sondern auch vom Aufstieg und Untergang ganzer Familien zeugen.

Text: Karla Fohrbeck
Fotos: Karla Fohrbeck, Eva Rundholz

Martin Riedelbauch: Der Aufstieg, das Wirken und der Niedergang des Reichsgrafen von Ellrodt. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken. 39. Band. Bayreuth 1959. S.292-302.

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