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Bayreuth – Das Schloss St. Johannis (JVA)

St. Johannis als Ortsteil von Bayreuth, der an die Eremitage anschließt, liegt etwa 4 km östlich der Bayreuther City und ist mit dem Bus gut zu erreichen. Das einstige Schloss kann heute nur von außen besichtigt werden, lohnt aber (und von der Eremitagestraße aus – und vielleicht nach einem Besuch der schönen barocken Markgrafenkirche – sind es nur paar Schritte). Die offizielle Adresse ist Steinachstraße 2.

Bedeutendes Renaissance-Gebäude

Das Schloss St. Johannis gilt – neben dem achteckigen Schlossturm in der Innenstadt – als das bedeutendste Gebäude der Renaissance, das heute auf dem Stadtgebiet Bayreuth steht. Der Baumeister ist bekannt: es war der renommierte Hofbaumeister Abraham Schade (geb. um 1583 in Meißen, gest. 1657 in Kulmbach), der seit 1605 in den Diensten des Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth (1581/1603-1655) stand, am Bau des Alten Schlosses beteiligt war und den vielgerühmten Renaissancebau der Kanzlei entwarf. Von diesem Werk ist so gut wie nichts mehr übrig, doch zeugt der Schlossbau von 1616/1617 zu St. Johannis – bei aller stilistischen Zurückhaltung – glücklicherweise noch von Schades innovativer Ästhetik.

Vorgeschichte, denn St. Johannis ist älter als Bayreuth

Über dem Portal des westlichen Schlossflügels kann man zwar die Jahreszahl „1617“ unter dem Hohenzollernwappen lesen, doch ist die Geschichte des Anwesens wesentlich älter.

Für „Altentrebengast“, wie St. Johannis bis ins 16. Jahrhundert genannt wurde, wird schon für 1142 eine (zerstörte) Burg beurkundet – Ergebnis der Streitereien zwischen den Andechs-Meranier Grafen und den Bamberger Bischöfen. Seit 1308 wird dort ein „Ansitz“ (= Ministerialensitz, also eine Beamtenresidenz) bezeugt. 1434 erhielt Hans Imhof, burggräflicher Schreiber zu Kulmbach, das an den Burggrafen Friedrich I. heimgefallene Lehen. Nach 1451 hat Martin Imhof als Lehensinhaber seinen „Burgstall“ durch einen „Edelhof“ (das Schlossgut) ergänzt. Eine Urkunde von 1576 beginnt mit: „Ich, Georg Im Hoff zu Altentrebgast aufm Hoff, itzt Sanct Johannes genannt“, darin ist erkennbar, wo der Name Imhof herkommt und wann die Umbenennung in St. Johannis erfolgte.

Westlicher Renaissance-Flügel
Fotos: Frank Piontek

= Amtsgebäude & Hofdurchfahrt

Schlosstor: Hohenzollernwappen (1617)
Foto: Franz Simon Meyer

Das Imhof‘sche Herrenhaus im Hof des Schlosses

Nachdem 1598 die Imhof-Linie im Mannesstamm ausgestorben waren, fielen Schloss und Rittergut an Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth (1581/1603-1655). Dieser verkaufte es 1603 – als er seine Residenz von der Kulmbacher Plassenburg nach Bayreuth verlegte – seinem Kanzler Friedrich Hildrich von Varell. 1606 sorgte Varell dafür, dass der große Pfarrwald (die jetzige Eremitage) zum Schlossgut kam.

1616, also 13 Jahre später, kaufte der Markgraf das Anwesen zurück. Schon 1617 ließ er unter der Bauleitung von Abraham Schade den westlichen Schlossflügel errichten – als Amtsgebäude mit einem Renaissancegiebel und dem Hohenzollernwappen über dem Tor, wie man es noch heute von der Steinachstraße 2 aus bewundern kann. Aber 1618 begann der 30jährige Krieg (1618-1648), der auch in St. Johannis für Verwüstung sorgte (sowohl durch die Truppen Wallensteins wie später durch die der Schweden).

Vom Lehensgut zum Markgrafenschloss

1989-2000 wurden die historischen Gebäude des Areals aufwändig restauriert und die ehemaligen Schlossgebäude zum Schmuckstück. Dabei entdeckte die Öffentlichkeit dann auch das dreistöckige ehemalige Herrenhaus im ummauerten Schlosshof mit Sateldach und angesetzten Treppenturm, das man von der Steinacherstraße aus nicht sehen kann und das normalerweise auch nicht zu besichtigen ist. Über dem rundbogigen Toreingang geht die Jahreszahl 1581 noch auf die ImhofHerrschaft zurück. Auch im Inneren zeugen noch Jahreszahlen über Türsturzen (z. B. die 1543 über dem Türsturz im Hausflur). die „Wendeltreppe mit gewundener Holzspindel“ und „fischgrätenartig gelegte Bretterdecken“ in einigen Erdgeschossräumen von der Zeit der Familie Imhof im 16. Jh.

Das Anwesen wurde 1748 verkauft, kam 1772 in den Besitz der Ministerin Treitschler von Falkenstein, später des Kriegsrates Scheidemantel und des Landschafts-Commisärs Funk. Ab 1830 betrieben Johann Christoph Dollhopf und 1845 bis 1952 Heinrich Schmiedel und seine Nachfahren hier das „Schmiedelsche Brauereigut“. Seit 1957 gehört es zum landwirtschaftlichen Betrieb der Bayreuther JVA

Der Ortskern der Gegenwart von St. Johannis ist immer noch sehr klein und weist eine heterogene Bebauung auf. Die Waldfläche im Hintergrund ist die Eremitage.
Foto: Herbert Popp

Ein bewusst „rustiziertes“ Portal

Dies war um 1600 noch modern, indem die Fugen zwischen den sichtbaren Steinen betont wurden, wobei die Handwerker jede zweite Reihe mit charakteristischen Kerben (sog. „Wetzzeichen“) versahen. Dies war nur eine Möglichkeit, die „bäurische“ (= rustikale) Grobheit anzudeuten, die man vorher den Bruch- und Buckelsteinen im Sichtmauerwerk der mittelalterlichen Burgen abgesehen hatte. In St. Johannis entschied man sich dafür, die bearbeiteten und unbearbeiteten Steine nicht, wie etwa beim Palazzo Pitti der Medici in Florenz, übereinander, sondern abwechselnd zu platzieren. Über dem Durchgang wurde schließlich das Portal-Tor mit einem Sprenggiebel versehen; „gebrochener Giebel“ heißt er, weil seine Mitte ausgespart und in unserem Fall mit dem besitzanzeigenden Wappen der Hohenzollern und ihrem Roten Adler versehen wurde.

Im sichtbaren Schlossbau zeigen sich also gleichermaßen traditionelle wie moderne und für die damalige Zeit sogar avantgardistische Elemente, die die Fassade zum Übergangsbereich zwischen Renaissance und Barock machen, denn richtig populär wurde der scheinbar gesprengte Giebel – nach seiner Karriere in der Antike – erst ein paar Jahre später.

Ein imposanter Renaissance-Bau mit barockem „Update“

An der rechten Seite des asymmetrisch und breit dahin gelagerten Flügels erhebt sich ein imposantes Torhaus, dessen einzelne Elemente selbst dann eine Datierung möglich machen, wenn es nicht mit der Jahreszahl versehen worden wäre. Denn der aus zwei Geschossen bestehende, verputzte Bau wird von einem Zwerchdach gekrönt, das quer, also „zwerch“ am Satteldach angesetzt wurde und um 1600 in der Baukunst der deutschen Lande angekommen war – zumindest soweit es repräsentative Gebäude betraf. In der Flucht der Außenwand des Gebäudes stehend, wird es durch einen Schweifgiebel mit dem gleichnamigen Schweifwerk aufgewertet. Darin entlädt sich in St. Johannis die maßvolle Dekoration von C- und S-Schwüngen, die im Beschlagwerk – der symmetrischen Anordnung aufgenieteter metallener Beschläge – ihren Ursprung hat, und deren Enden, sich teilweise überschneidend, in den sog. Keulenschwüngen verdickt sind. Maßvoll ist dieses Ornament, weil es aus nichts als Kurven besteht; andernorts wurden diese schlichten Schwünge reich verziert. Beim Schweifwerk des Schlosses befinden wir uns in der Hoch-Zeit dieser Formgebung, die weniger in Italien und Frankreich als in den deutschsprachigen Ländern Triumphe feierte. An ihr sehen wir bereits erste Vorzeichen des sogenannten Barock, während das Beschlagwerk nur noch wenige Jahre nach der Erbauung des Schlosses in Gebrauch blieb.

1850 wird St. Johannis durch das Schlossgut im Norden dominiert, an das sich wenige Häuser in lockerer Bebauung anschließen.

Wir verweisen HIER auf die besonders sehenswerte barocke Markgrafenkirche St. Johannis (kurz vor dem Schloss).

Heute Nebensitz der Justizvollzugssanstallt (JVA) Bayreuth

Ehemaliges Schlossgut, Steinacher Str. 5
Foto: Franz Simon Meyer

1952 kaufte der Bayerische Staat Schloss und Areal mit dem Ziel, daraus ein landwirtschaftliches Mustergut für die „Strafanstalt St. Georgen-Bayreuth“ zu machen. Seit 1957 dient es nun als landwirtschaftlicher Betrieb der Bayreuther Justizvollzugsanstalt und hat Zuchterfolge bei Schweinen und Rindern. 120 ha landwirtschaftliche Fläche werden dort von etwa 40 Strafgefangenen (im offenen Vollzug) bewirtschaftet und ergänzen die JVA-Gärtnerei in der Markgrafenallee Bayreuth-St. Georgen und die JVA-Baumschul- und Aufforstungsflächen auf der Hohen Warte.

Das ehemalige zweistöckige denkmalgeschützte „Schlossgut St. Johannis“ gegenüber, Steinachstraße 5, stammt noch aus der Zeit nach dem 30jährigen Krieg (also 2. Hälfte des 17. Jh.). Es gilt als das älteste Gebäude am Ort und war lange Zeit Ortsmittelpunkt als Brauerei und Gastwirtschaft. 1991 wurde es renoviert und für ein Ingenieurbüro umgebaut.

Text(redaktion): Dr. Karla Fohrbeck
mit besonderem Dank an Franz Simon Meyer, Dr. Frank Piontek und Prof. Dr. Herbert Popp für Vor- und Zuarbeiten

Literatur

  • 1953: Wilhelm Wutschig: Die Geschichte der Strafanstalt St. Georgen-Bayreuth (S. 60-62)
  • August Gebessler. Stadt und Landkreis Bayreuth (darin: St. Johannis)
  • Wolfgang Schilling: Chronik St. Johannis- Von den Anfängen bis zur Eingemeindung 1939 (April 1979 in der Stadtteilzeitung „Blickpunkt St. Johannis“ des SPD-Ortsvereins)
  • Eric Waha: Im Schlossgut hinter Schloss und Riegel (Nordbayerischer Kurier
  • Herbert Popp: Bayreuth neu entdeckt ( darin St. Johannis <<<
  • Helmut Haas. In AO (Archiv für Oberfranken)
  • Franz Simon Meyer: Bayreuth. Kunst im öffentlichen Raum vor 1800 (S. 147 ff zum Schloss St. Johannis), Ms. und online beim Stadtarchiv Bayreuth einzusehen.
  • Frank Piontek: Das Schloss in St. Johannis (Kulturbrief Buchhandlung Benjamin Breuer vom März)
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