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barocke Prachtbauten & -Strassen

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Von barocker Parklandschaft umgeben . . .

Zu Georg Wilhelms Zeiten herrschte noch weitgehend der streng geometrische Stil in der (absolutistisch und am französischen Vorbild orientierten) Gartenarchitektur. Das Ordensschloss in St. Georgen war einst nach Norden (See-Seite mit Insel) und Süden (Richtung Bayreuth) von solch „gebändigter Natur“ umgeben.

Der Hochfürstliche Lustgarten im Süden des Ordensschlosses – Stadtseite

Im Kupferstich (um 1710) mit dem „Prospekt von St. Georgen“ ist dieser Barockgarten eingezeichnet. Erbprinz Georg Wilhelm ist jetzt 32 Jahre alt und immer noch nicht an der Regierung des Markgraftums. Ihm öffnet sich der Blick vom Ordensschloss-Balkon (an der Hauptfront) aus südlich, Richtung Stadt. Vom Portal im Erdgeschoss aus gelangte man direkt auf die Mittelachse des Gartens. (Die Bernecker Straße, die das Gelände vom Schloss trennt, wurde erst später angelegt). Die Ordensschloss-Gartenanlage grenzt linker Hand an die Hinterhof-Gärten der historischen Planstadt-Häuser im Ortszentrum und ist klar und symmetrisch strukturiert, aber kaum breiter als das Schloss selber. Rechter Hand umgibt Wiesengelände das Theater und die Matrosenhäuser. Die Markgrafenallee existiert noch nicht.

Einer markgräflichen Nebenresidenz ist die Anlage durchaus würdig – aber mit der imposanten Orangerie von Vater MG Christian Ernst vor dem Erlanger Schloss ist sie nicht zu vergleichen.

Erlangen, Orangerie, Paul Decker, Idealvedute

Kolorierter Prospekt von Bayreuth & St. Georgen um 1710

kolorierter Kupferstich (Repro: Stadtarchiv Erlangen, VI.J.a.11a)

Christoph Rabenstein schreibt dazu (1994, S.27): „Zahlreiche Bassins mit Fontänen, Kaskaden und Laubengängen sind zu erkennen. Den unteren Abschnitt bildet eine massive Mauer, auf der zahlreiche Figuren postiert sind. In der Mitte ist eine Belvedere /=schöne Aussicht/ errichtet. Für die Zeit 1712—1726, als Georg Wilhelm offiziell Markgraf war und seine Nebenresidenz St. Georgen nach wie vor für Karneval, den St. Georgstag am 23. April und Theater-Aufführungen oder Feste am See besuchte, sind keine weiteren Stiche oder sonstige Abbildungen von diesem „Hochfürstlichen Lustgarten“ überliefert. Man hat ihn sicher weiter gepflegt und entwickelt. Auf dem idealtypischen Delsenbach-Stich von 1714 ist er nicht zu sehen, man erkennt hier nur die Gartenanlagen zum See hin. Mit dem frühen Tod von MG Georg Wilhelm 1726 kamen all diese Projekte in St. Georgen erst einmal zum Stillstand.  

Der auf dem Riediger-Plan aus dem Jahre 1745 zu erkennende Barockgarten ist eine spätere Anlage und immer noch streng geometrisch. Er ist vielseitiger angelegt und stammt schon aus der Zeit von MG Friedrich & Wilhelmine (1735-1758/63). Beide liebten zeitweise das Ordensschloss als „Lustschloss in den Sommermonaten“ und die Seevergnügen dort. Der Südgarten wurde daher wohl zu Beginn der 1740er Jahre erneuert. Die im Riediger-Plan am Südende eingezeichnete Orangerie entstand erst 1744/45 und ergänzte somit die in der Eremitage.

Modell von St. Georgen aus dem Historischen Museum
nach der Riediger Carte Spéciale Bayreuth 1745

Kupferstich von J. A. Delsenbach
nach einer Zeichnung von Paul Decker dem Alteren

Die Gartenanlagen im Norden des Ordensschlosses – Seeseite und Insel

Der repräsentative Gartenbereich auf der Stadtseite spielte für das Erbprinzenpaar Georg Wilhelm & Sophie von Weißenfels jedoch eine weit geringere Rolle als See und Theater auf der nördlichen Seite des Schlosses, wo die weitschwingende doppelläufige Freitreppe vom Festsaal aus ebenfalls in eine (kleinere) Rosen- und Gartenanlage führte (heute abgesicherter Gefängnisgarten), damals mit weitem Blick auf den See. Von Rosen und Bosketten wird auch dort berichtet, und wie man auf dem sehr langen hölzernen Steg (die Angaben schwanken zwischen 85 & 120 Metern) vom Schlossufer aus das „Lustwandeln“ fortsetzen und auf der runden See-Insel vollenden konnte. Diese hatte einen Durchmesser von 100 m, war heckengeschützt und streng geometrisch (wie ein Kuchen) in „Tortenscheiben“ eingeteilt, die durch einen (zur Zeit der Markgräfin Wilhelmine sogar philosophischen) Rundweg verbunden waren. Die Mitte war für eine Fontänen-Skulptur reserviert. Sie ging als Roseninsel in die Legende ein. Von hier aus wurden zu MG Georg Wilhelms Zeiten prächtige, auch allegorische Bild-Feuerwerke gestartet. Das Markgrafenpaar Friedrich & Wilhelmine setzte später in den 1740er und 1750er Jahren diese Tradition bei ihren Seefesten und Geburtstagsfeiern fort.
Auf dem Decker-Delsenbach-Stich von 1714 und auf der Riediger Carte spéciale von 1745 (dem das Modell im Historischen Museum nachgebildet ist) bildet diese besondere Prunk-Insel den Mittelpunkt.

St. Georgen „in der Schere“ –
zwischen 2 prächtigen Alleen

1721 ließ MG Georg Wilhelm eine erste Allee Richtung Bayreuth pflanzen – die heutige Brandenburger Straße. Und 1722 eine zweite, die heutige Markgrafenallee, an deren Beginn er und die Markgräfin Sophia 1722 das Prinzessinnenhaus für ihre Tochter Christiane Sophie Wilhelmine errichten ließen.
Die Alleen waren mit Linden, später auch Platanen und Kastanienbäumen bepflanzt Es war hier im Anschluss eine symmetrisch angelegte ähnliche Häuserzeile geplant wie im Ortszentrum an der Ordenskirche, sie wurde aber nie realisiert.
Nur das markgräfliche Zuchthaus mit der Marmorfabrik und die Fayencefabrik entstanden dort noch als Einzelgebäude.

Die beiden Alleen, hier im Riediger Plan von 1745

Vom Schlosspark zur privaten Parkoase

Die Grafik im Firmenlogo der Süßwarenfabrik Oskar Teuscher – damals auf Rechnungen und Briefköpfen standardisiert – zeigt, dass man noch 1903 auf die Reste dieser (inzwischen vereinfachten) Gartenanlage auf der Rückseite der Fabrikanlage stolz war.  Sie war öffentlich zugänglich und wirkt gepflegt, aber „einfallslos“. Manche Besucher der Richard-Wagner-Festspiele, die bei den Teuschers im ehemaligen Prinzessinnenhaus als Ehrengäste logierten, dürften auch dieses Promenaden-Refugium genutzt haben.

Die parkähnliche Anlage wurde allerdings in der Nachkriegszeit – als sich noch keine Bayerische Schlösserverwaltung (BSV) um die hiesigen markgräflichen Hofgärten und Parks kümmern konnte –
in Parzellen verkauft und teilweise überbaut.
Auch die Gefängnisgärtnerei (von der Markgrafenallee aus zugänglich) ist auf diesem Gelände angesiedelt. Nur auf den Luftfotos erahnt man noch den Wunschtraum einer öffentlichen Park- bzw. Grünanlage für St. Georgen, der sich jetzt in einer Reihe gepflegter privater (parkähnlicher) Gärten widerspiegelt.

1991 wurde der Freundeskreis Schloss St. Georgen gegründet, zu dem auch Peter O. Krückmann von der BSV gehörte. Dieser Verein hatte von Anfang an u.a. auch die Vision, den ehemaligen Park bzw. Schlossgarten zu rekonstruieren und neu anzulegen, wozu es aber nie gekommen ist.

Text: Karla Fohrbeck

Luftfoto: Herbert Popp

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