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barocke Prachtbauten & -Strassen

Die Fayence-Manufaktur in St. Georgen . . .
wurde 1715/16 von Markgraf Georg Wilhelm (1712-1726) zwar offiziell als porcellain-fabrique gegründet, und der erste Mitarbeiter Samuel Kempe kam auch aus Meißen. Für Porzellan hätte man aber Kaolin, Quarz und Feldspat gebraucht samt dem Geheimrezept von Böttger aus Meißen. Aber dort hütete man es. Man konzentrierte sich also von Anfang an auf die Herstellung von Fayencen und folgte darin den anderen 3 fränkischen Manufakturen in Ansbach, Crailsheim und Nürnberg. Dennoch blieb die Bezeichnung Porcellain-Fabrik gängig, obwohl es auch keine Fabrik war (also rein maschinelle Produktion), sondern handwerklich (mit maschineller Unterstützung) bestimmt blieb. Das änderte sich erst im 19. Jh.
Da MG Georg Wilhelm ab 1712 seinen Regierungssitz in Bayreuth hatte, auch wenn er St. Georgen nach wie vor als seine „Vorstadt“ förderte, wurden die auch überregional geschätzten Manufaktur-Produkte allgemein als Bayreuther Fayencen gehandelt. Vor allem die besonders dünnwandige, gelb- und braunglasierte Ware stellte in der europäischen Fayence-Landschaft eine Besonderheit dar. Diese Objekte aus der Anfangszeit der Manufaktur fallen oft durch ihren kalt bemalten und dann radierten Silber- und Golddekor auf. Die kostbare Farbe konnte jedoch leicht abblättern und das Silber wurde mit der Zeit schwarz. MEHR DAZU <<<
Nachdem 1726 sowohl Markgraf Georg Wilhelm als auch Hofkupferstecher J. P. Demleutner (von Anfang an künstlerischer Leiter der Fayence-Manufaktur) starben, wechselten Standorte und Besitzer der bald privatisierten Manufaktur, wurden aber auch von den folgenden Markgrafen stets protegiert. Nach 1760 begannen Porzellan und Steingut die Fayencen langsam zu verdrängen. Im gesamten 18. Jh. blieb die Manufaktur jedoch produktiv, entwickelte neue Stile, exportierte sogar und behielt bis zur Zeit von Markgraf Alexander (1769-1791) ihre Bedeutung.

Riedigerplan von 1745 mit Standorten der Fayence-Fabriken,
alle am Rand der Bebauung.
- St. Georgen 1, 3 (1716 – 1724, danach entsteht dort 1741 das Gravenreuther Stift mit Stiftskirche)
- Hinter dem Zuchthaus, Markgrafenallee 49 (1724 – 1745 / 46), danach Abbindeplatz für Zimmerer
- Brandenburger Straße 32, 34 (1746 – 1788)
Steingutproduktion bis 1835
(aus Franz Simon Meyer. Kunst vor 1800. 2016. Ms. im Stadtarchiv Bayreuth, dort auch online)
Was ist eine Fayence? – Wie unterscheidet sie sich vom Porzellan? – Wie wird sie hergestellt?
Im Historischen Museum Bayreuth erklären uns zwei Tafeln 1 & 5 sowohl die Herstellung wie die Besonderheit von brauner & gelber Ware.
Wen das interessiert hier im Original als PDF: Herstellung von Fayencen sowie Braune und gelbe Fayencen.
Fayence ist eine „Irden- oder Erdenware“, die vor allem durch ihre Produktion in Faenza in Italien bekannt und daher danach benannt wurde. „Werkstücke aus feingeschlämmtem Ton wurden bei ca. 1000 ° C im Ofen gebrannt, nach dem Erkalten in ein Glasurbad mit Zinnoxid getaucht und im noch feuchten Zustand blau, grün, gelb oder rot bemalt. In einem zweiten Brand bildete sich ein wasserundurchlässiger, glänzender Überzug“ (Franz Simon Meyer).
Das Historische Museum beherbergt mit der Sammlung Burckhardt einen bedeutenden Querschnitt aus der Blütezeit „Bayreuther Fayencen“, die alle aus der Manufaktur in St. Georgen stammen. Aus dieser kostbaren Sammlung präsentieren wir auf unserer Webseite vor allem solche mit Jagdmotiven (als Ergänzung zum Thema Jagdschlösser). In vielen europäischen Museen begegnen wir ebenfalls Beispiel-Fayencen aus Bayreuth.
3 Wechselnde Standorte der Fayence-Manufaktur in St. Georgen
Beim Klick auf diese (Beispiel-)Sammlung Burckhardt im Historischen Museum finden Sie aus dem Neuen Schloss Bayreuth die dortige Info-Tafel zur Chronologie und die 3 aufeinanderfolgenden Manufaktur-Standorte 1716-1745 ff anhand der Ansicht von St. Georgen auf einer Zeichnung von Johann Adam Riediger von 1747 (Bayerische Schlösserverwaltung). Hier bringen wir eine andere Variation desselben Themas aus dem Ms. von Architekt und Stadtheimatpfleger Franz Simon Meyer (2016), wobei er für die Standorte den Riediger-Plan von 1745 zu Grunde legt (Abbildung siehe oben).
Standort 1 – St. Georgen Zentrum
1716-1726. Unter der Leitung von Hofkupferstecher Johann Peter Demleutner (1677 -1726) entstand somit die erste „herrschaftliche Manufaktur“ auf dem Gelände des späteren Gravenreuther Stifts, ein „Porzellan-Brennhaus“, in dem man unter einfachsten Bedingungen – aber von Anfang an auf hohem handwerklichen und künstlerischen Niveau – Fayencen und „braune Ware in Nachahmung des Böttger-Steinzeugs“ herstellte, aber kein Porzellan. Das Hofhandwerk war vom Zunftzwang befreit und durch Privilegien gestützt. Aber es versorgte nicht nur die Nachfrage von Hof, Adel und gehobenem Bürgertum, sondern erzeugte auch durch neue Moden, Entwürfe und Fertigkeiten selber solche Nachfrage. Auch hatte MG Georg Wilhelm dafür gesorgt, dass außer der begehrten holländischen Ware keine andere eingeführt werden durfte.
Standort 2 – Hinter dem Zuchthaus
Schon 1724 beginnt man offenbar mit einem Neubau an anderer Stelle, indem man 2 zweigeschossige Fabrik-Flügel (als Verlängerung der beiden Zellentrakte) an die Rückwand des gerade im Bau befindlichen Zuchthauses in der Markgrafenallee angliedert. Nachdem aber 1726 sowohl Markgraf Georg Wilhelm als auch Demleutner starben und Markgraf Georg Friedrich Karl (1726-1735) sich erst einmal „sortieren musste“, konnte endlich 1728/29 Johann Georg Knöller (1678-1739) die herrschaftliche Manufaktur als Privatunternehmer in Betrieb nehmen, erst als Pächter, später als Eigentümer. In dieser Zeit avancierte er zum Kommerzienrat und die Produktion blühte. Hof und Adel waren zu der Zeit Hauptabnehmer der kostbaren Ware. Im Planstadt-Zentrum von St. Georgen dienten offenbar zuvor schon die Knöller‘schen Häuser Nr. 27-29 (das spätere Rathaus) als Lagerstätten für die Fayence-Produktion.
Als 1735 Markgraf Friedrich (1735-1763) an die Macht kam, förderte er die blühende Fabrik ebenfalls mit Privilegien. Und Markgräfin Wilhelmine, die Chinoiserien nicht nur im Deckenstuck oder den Tapeten des Alten Schlosses in der Eremitage und des Neuen Schlosses in Bayreuth liebte, bestellte als kostbares Geschenk für das Tabakkollegium ihres Bruders Friedrich II in Berlin (der 1740 König von Preußen wurde) einen Satz brauner Trinkbecher mit Pfeife rauchenden Chinesen in Goldmalerei. Tonpfeifen wurden in der Manufaktur übrigens auch hergestellt.
Standort 3 – Brandenburger Allee 32-34
1745/46-1788 finden wir die Fayence-Manufaktur auf dem Gelände hinter der Brandenburger Straße 32-34. Denn nach Knöllers Tod kaufen die Bürgermeister Adolf Frenkel und Johann Veit Schreck Ende 1744 den Betrieb. Da beide keine Fayence-Experten waren, geht die Manufaktur 1747 an den Mit- und ab 1760 Alleinbesitzer Johann Georg Pfeiffer über. Er war damals Münzverwalter und Regiments-Quartiermeister und stieg dann – als Hoflieferant – zum Hofrat auf. So konnte er sich das Gebäude Nr. 32 von Hofarchitekt Gontard und Hofstuckateur Albini zum Stadtpalais umbauen lassen. Die Fayence-Manufaktur erreichte in dieser Epoche noch einmal ein sehr hohes Niveau. „Man darf ohne Übertreibung sagen, dass hier in der Blütezeit Ware von europäischem Format hergestellt wurde.“ (Rainer Trübsbach, 1993, S.121).
Mit dem Tod des Markgrafenpaares Friedrich (1763) und Wilhelmine (1758), als auch viele Künstler aus Bayreuth nach Potsdam zogen und der Hof keine solche Anziehungskraft mehr hatte, schwand die Bedeutung des Adels als Hauptabnehmer von Fayencen. Dafür stieg der Bedarf vor allem an blauweißen Walzenkrügen mit Zinndeckeln und bunt bemaltem Tafelgeschirr in der Bürgerschaft und Ende des Jh. auch in der bäuerlichen Bevölkerung. Das war die Zeit, nachdem J. G. Pfeiffer Alleinbesitzer wurde. Der Export ging vor allem nach Sachsen, Schlesien und Böhmen.
Aber nach Pfeiffers Tod 1767 konnten die Witwe und der erprobte Porzellanmaler J. M. A. Oswald die Manufaktur zwar noch einige Zeit weiterführen, aber auf Dauer nicht halten. Sie wurde 1788 versteigert und unter C. A. Wezel stellte man zunehmend auf Steingut bzw. Steinzeug um. 1806 wird die Manufaktur (Handarbeit mit Maschinen-Unterstützung), die jetzt wirklich mehr und mehr zur Fabrik wird (maschinelle Serien-Produktion) an Christoph Friedrich Leers verkauft, der zwar für Bayreuth und das 19. Jh. eine wichtige Rolle als Unternehmer und Mäzen sowie im sozialen Bereich spielt, aber sich bald auf andere Sparten verlegt.
Federzeichnung von Johann Adam Riediger 1747 (Standorte 1-3)
Ausschnitt aus obiger Federzeichnung von J. A. Riediger (1747) mit der 2. Fayence-Manufaktur in den Rückgebäuden des Zuchthauses

Stadtplan von Johann Adam Riediger 1745
(Ausschnitt & Standorte 1-3)
Sogenannte Braune Ware
Sammlung Burckhardt im Historischen Museum Bayreuth
< s.a. den Beitrag Jagdmotive in der Bayreuther Fayence-Sammlung Otto Burckhardt-Historisches Museum Bayreuth (Thema Jagdschlösser)
< s.a. Brandenburger Str. 32-34, Mitte 18. Jh bis Ende 19. Jh., Standort 3 der Fayence-Manufaktur sowie Stadtpalais der (Fayence-)Fabrik-Besitzer Pfeiffer bis Rose
Literatur zur Fayence-Fabrik St. Georgen
- BSV (Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen): Geschichte der Bayreuther Fayencemanufaktur (Infotafel im Neuen Schloss Bayreuth)
- Habermann, Sylvia: Die Gründung der Fayencemanufaktur St. Georgen, in: AO 76 (1996, S. 197-214).,
- Habermann, Sylvia: Bayreuther Fayencen. Stiftung Dr. Otto Burckhardt. Im Katalog Historisches Museum Bayreuth 2006 (S.40f)
- Hofmann, Friedrich Heinrich: Geschichte der Bayreuther Fayencefabrik in St. Georgen am See. 1928 (Augsburg: Verlag Dr Benno Filser)
- Hübsch, Norbert: Ein Prunkstück der Fayence-Manufaktur St. Georgen und sein Meister Adam Clemens Wanderer. In: Historisches Museum Bayreuth. (Buch-)Katalog 2023 (S. 8-11)
- Fischer, Horst. Häuserbuch St. Georgen. 2000 (Rabenstein-Verlag)
- Jaeger, Hans, „Knöller, Johann Georg“ in: Neue Deutsche Biographie (), S. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135806208.html#ndbcontent
- Meyer, Franz Simon. Fayencen aus Bayreuth. (S..211-217 in ders.: Bayreuth- Kunst im öffentlichen Raum vor 1800. 2016. Ms im Stadtarchiv, dort auch Online).
- Müssel, Karl: Die Frühzeit der Bayreuther Fayencemanufaktur in: Keramos, der Gesellschaft der Keramikfreunde e.V., Düsseldorf. 1985, Heft 10, S. 19ff.
- Müssel, Karl: Die Bayreuther Fayencemanufaktur. In: ders: Bayreuth in 8 Jahrhunderten. 1993 (S. 90f)
- Rabenstein, Christoph: Die „Porcellanfabrik“ = S. 95-97 in ders./Ronald Werner: St. Georgen. Bilder und Geschichten. Bayreuth 1994
- Trübsbach, Rainer: S. 121f in Geschichte der Stadt Bayreuth. 1993.
*AO meint Archiv für Oberfranken. Der Historische Verein Oberfranken fasst die einzelnen Fachartikel in Jahresbänden zusammen.






